VAU-MAX.de unterwegs bei der Seat Snow Experience 2019

Softroader oder echtes SUV?

VAU-MAX.de unterwegs bei der Seat Snow Experience 2019 : Softroader oder echtes SUV?
Erstellt am 12. Februar 2019

Mit dem Tarraco hat Seat ein neues Top-Modell im Programm. Größer als der Skoda Kodiaq und Tiguan Allspace, bietet der Tarraco bis zu sieben Sitzplätze, knackig verpackt in ein sportliches Blechkleid mit neuem Seat-Design und vollgepackt mit coolen Technik-Features. Erstmals hatten wir nun die Chance, den Tarraco einem etwas anderen Test zu unterziehen, um uns über dessen Offroad-Tauglichkeit überzeugen zu können. Im Rahmen der „Seat Snow Experience“ ging es nach Südtirol ans Rittner Horn, besser gesagt aufs Rittner Horn und das nicht etwa mit dem Lift oder mit Schneeschuhen, sondern im Seat Tarraco.

Ideale Bedingungen um zu checken, ob der große Seat ein Softroader oder echtes SUV ist. Bevor es auf den 2.260 Meter hohen Berg ging, lagen rund 40 Kilometer befestigte Straßen vor uns. Sicherlich das Terrain, auf dem die meisten Tarraco unterwegs sind und fürs erste eine gute Möglichkeit, uns mit dem Terracco anzufreunden.

Eine gute Sitzpostion ist schnell gefunden, fix die Spiegel eingestellt und schon kann es losgehen. Via Startbutton erwacht der 2.0-TDI mit seinen 190 PS zum Leben und brummt leise vor sich hin. Den DSG-Hebel in Position D gezogen und schon setzt sich der 1,8 Tonnen schwere Seat in Bewegung. Dabei kommen bei seinen 400 Nm Drehmoment erst einmal keine Wünsche auf und auf „Comfort“ gestellt, lässt es sich im Tarraco angenehm reisen. Dazu sind auch Features wie der adaptive Abstandstempomat, Totwinkelwarner und Spurhalte-Assistent beim Testwagen mit an Bord.

Tolle Basis-Ausstattung schon im Einstiegsmodell

Schon die Ausstattung des Basis-Tarraco kann sich sehen lassen, was sich allerdings im Preis niederschlägt, der mit mindestens 29.850 Euro knapp 9.000 Euro über dem des Ateca-Einstiegsmodells liegt. Dafür steht unser Top-Modell XCELLENCE für 33.650 € fast schon in der Vollausstattung da. Nach ein paar Kilometern liegt die Stadt Bozen hinter uns und es geht endlich in Serpentinen bergauf. Höchste Zeit also, dass Setup des Tarroco anzupassen und in den Sport-Modus zu wechseln. Ab sofort erwacht der heiße Spanier im Seat, sportlich und zackig geht es durch die teilweise engen Spitzkehren, und einen kurzen Wechsel in den Getriebemodus D verwerfe ich bereits nach wenigen Kurven, fällt dem Tarraco im Sport-Modus der schnelle Aufstieg doch deutlich leichter.

Ein Spanier im Schnee

Leider verschlechtert sich das Wetter mit jedem Höhenmeter. Beim ersten Stopp auf 1.538 Höhenmeter ist, bis auf einen weißen Nebelschleier und dicke Schneeflocken, vom Rittner Horn nicht viel zu sehen. Stattdessen wartet ein Seat-Scout auf uns, denn ab hier geht es dort lang, wo eigentlich nur Ski-Duos weiterfahren. Es geht querfeldein und durch den Wald, schon seit ein paar Kilometern zeigt das Navi im frei stehenden 8-Zoll-Display keine Straßen mehr, und unser in einem weißen Tarraco vorausfahrende Tour-Guide ist im dichten Schneetreiben kaum noch zu erkennen. Lediglich das markante Lichtdesign der Seat Tarraco-LED-Heckleuchten ist noch zu sehen, fast so, als hätte man den übrigen Tarraco per Photoshop wegretuschiert.

Auf dem Neuschnee greifen die 20-Zoll-Winterräder erstaunlich gut, und so schrauben wir uns durch den Wald stetig in die Höhe. Für den Tarraco sind die Bodenwellen, Baumwurzeln und Schneewehen kein wirkliches Problem, einzig die schlechten Sichtverhältnisse machen diese Fahrt anspruchsvoll. Bei rund 2.070 Meter, kurz oberhalb der Baumgrenze, legen wir einen Stopp ein und genehmigen uns eine zünftige Brotzeit mit Tiroler Spezialitäten. Unsere Hoffnung auf besseres Wetter wird zwar nicht ganz erfüllt, aber der heftige Schnellfall ist vorbei, sodass die Sichtverhältnisse den Blick auf den Gipfel ermöglichen.

Auf zum Gipfelsturm

Gemütlich hinter dem Lenkrad, die Sitzheizung auf höchster Stufe, geht es nun die letzten 200 Höhenmeter hinauf. Zuvor aber müssen wir eine Skipiste überqueren und erst jetzt, bei etwas klarer Sicht, wird deutlich, dass sich unsere Tarraco-Route direkt im Herzen des Skigebiets am Rittner Horn befindet. Keine drei Kurven weiter in Richtung Gipfel kommen uns schon die ersten Wanderer auf Skischuhen entgegen, die durch den Neuschnee stapfen. Genau der passende Augenblick, um den Fahrprofilschalter von „Normal“ in den „Schnee“-Modus zu stellen.

Ein Setup, das ich seit der Einführung des Modi-Schalters eigentlich für ziemlich überflüssig gehalten habe. Nun aber hat der Modus endlich seinen großen Auftritt. Jetzt spricht das Gaspedal „weicher“ an und dosiert so die 400 Nm Drehmoment sanft und dank 4Drive-Allradantrieb gezielt an alle vier Räder des Tarraco. Sobald ein Rad zu viel Power bekommt, greift die Elektronik ein und unterbindet den entstehenden Schlupf. So geht es entspannt und souverän die letzten Meter nach oben, wo wir, trotz des etwas bescheidenen Wetters, mit einem tollen Ausblick belohnt werden.

So schwer kann das doch nicht sein

Genauso locker geht’s auch den Berg hinunter, allerdings verspricht uns unser Instruktor noch zwei weitere Herausforderungen, die den Tarraco an seine Grenzen bringen sollen. Kurz hinter der Bergstation legen wir einen Stopp ein und lauschen was uns erwartet: Das Anfahren am Berg. Klingt erst einmal nicht besonders schwer, haben wir ja schließlich während der letzten Stunden x-Mal gemacht, und mit der elektrischen Parkbremse und dem Doppelkupplungsgetriebe kann das im Grunde ja jedes Kind.

Auf dem Boden der Tatsachen

Dabei liegt hier die Tücke im Untergrund. Besonders lang ist der Testhügel nicht, dafür aber total vereist. Aber was soll´s, dafür gibt es ja schließlich den Schnee-Modus. Im flachen Bereich beschleunige ich den Tarraco kurz, um nach etwa einem Drittel des Bergs problemlos zu stoppen! Nun hält die Autohold-Funktion den Seat ganz ohne mein Zutun fest am Berg. Schon kommt die Anweisung durch Funkgerät: „Ganz leicht, mit so wenig Gas wie möglich beschleunigen. Gerade so viel, dass die Räder Traktion haben.“ Ok, nichts leichter als das. Ganz sanft schiebt sich der Tarraco einen halben Meter vorwärts, um in Zeitlupe und ganz plötzlich über die Vorderachse nach links wegzurutschen.

Jegliches Gegensteuern oder das Spielen mit dem Gasfuß ändern nichts an unserer unkontrollierten Rutsch-Partie. Was also tun? Klar doch, fest auf die Bremse getreten, aber die Schlittenfahrt den Berg rückwärts hinunter geht weiter. Also „Gang“ raus und die Bremse lösen. Erst jetzt bauen die Räder wieder Traktion auf, und wir sind wieder am Startpunkt angekommen. Im zweiten Versuch kenne ich die Tücken des Berges und bringe den Seat ein ganzes Stück hinter der Eisfläche, die ich mit deutlich mehr Schwung überfahren habe, zum Stehen. Und diesmal klappt der Start problemlos, unermüdlich und sehr gut zu spüren sorgt jedes Rad des 4Drive-Allradantriebs für Vortrieb und schiebt uns über die Kuppe — geschafft!

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Weiter geht´s zur letzten Herausforderung des Tages. Nun ist genau das Gegenteil gefragt, denn es geht steil bergab, sehr steil sogar. Denn normalweise sind auf dem vor mir liegenden Stück Piste nur Skifahrer und Ski-Duos unterwegs. Zu Fuß unterwegs, egal ob hoch oder runter, wäre an diesem Teilstück völlig aussichtslos. Oben an der Kante angekommen frage ich mich, ob das ein Spaß des Instruktors sein soll. Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, schon geht die Tür auf, und der Instruktor checkt, ob der Fahrmodus auf Schnee- oder Offroad steht, der jetzt absolut gefragt ist.

Motorleistung spielt nun überhaupt keine Rolle mehr, stattdessen sind Grip und Bremsperformance gefragt. Mit geschmeidigen 4 km/h geht’s über die Kuppe und mit einem mulmigen Gefühl in Richtung Tal. Augenblicklich beginnt das ABS zu rattern und arbeitet auf Hochtouren. Dabei hält sich mein Bremspedaldruck in Grenzen. Jetzt übernimmt der Bergabfahr-Assistent, der versucht die Eingangsgeschwindigkeit konstant zu halten. Was ihm bei einer derart steilen Skipiste mit dem schlechten Grip erstaunlich gut, aber nicht ganz gelingt, und so klettert die Geschwindigkeit auf 7 km/h an, bevor wieder ausreichend Bodenhaftung vorhanden ist, um auf die 4 km/h der Ausgangsgeschwindigkeit abzubremsen.

Ausgeklügelte Bremseingriffe im Offroad-Profil sorgen dafür, dass im Gelände die Räder kurz blockieren, und zwar gerade so lange, dass sich ein Schneekeil zwischen Reifen und Untergrund aufbauen kann, der wiederrum als Bremsklotz dient. Ohne große Schwierigkeiten komme ich schließlich im Tarraco sicher im Tal zum Stehen und bekomme die Antwort auf unsere eingangs gestellte Frage: Ja, der Tarraco ist durch und durch ein echter Offroader, auch wenn sein stylisches Äußeres dies auf den ersten Blick nicht gerade vermuten lässt. 69 Bilder Fotostrecke | Softroader oder echtes SUV?: Unterwegs bei der Seat Snow Experience 2019 #01 #02

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