Nicht allein in der Kleinwagenklasse hat der Cupra Raval VZ seinen großen Auftritt. Benannt nach dem Szeneviertel von Barcelona, glänzt er dort, wo optische Langeweile an der Tagesordnung ist: scharfer Blick, breite Reifen, straffe Abstimmung – und genauso fährt er sich auch.
Elektrische Kleinwagen wollen ihre Kunden in erster Linie mit drei Dingen überzeugen: günstigem Preis, hohem Alltagsnutzen und großer Effizienz. Darauf pfeift der Cupra Raval VZ. Klar, das Platzangebot in dem 4,05 Meter langen E-Spanier passt, die Sitze sind mehr als ordentlich, und die beiden Displays mit 10,25 und 12,9 Zoll sind zeitgemäß. Doch für mindestens 43.525 Euro bekommt man anderswo deutlich größere Elektroautos – und wer mit dem Raval VZ wirklich Spaß haben will, kann von den angegebenen knapp 400 Kilometern Reichweite nur träumen.
Der technische Zwillingsbruder von VW ID. Polo und Skoda Epiq will so rebellisch sein wie sein Name. Das Äußere kennt man von anderen Cupra-Modellen bereits bestens: eine gelungene Symbiose aus Kanten, Fugen und Proportionen, die sich wohltuend vom bisweilen müden Wettbewerb abhebt. Schon der Einsteiger-Raval mit 85 kW / 116 PS ab 25.950 Euro kann sich sehen lassen – doch um das kleine 37-kWh-Basispaket sollte man ohnehin einen Bogen machen. An kalten Wintertagen sackt die Reichweite damit schnell unter 250 Kilometer.
Als VZ-Version mit 166 kW / 226 PS will der Raval vor allem die Innenstädte erobern – kann aber auch auf Landstraßen mit seinem straffen Sportfahrwerk, der breiteren Spur und 235er-Bereifung glänzen.
Der Anzug des Fronttrieblers ist bissig, der Schub im Lenkrad deutlich spürbar – eine Folge davon, dass der Volkswagen-Konzern dem einst gefeierten Hinterachsantrieb wieder den Rücken gekehrt hat. Die elektronische Differenzialsperre hält die Antriebseinflüsse außer bei wirklich ambitionierter Gangart gut in Schach.
Auf der Autobahn wird es allerdings zäher als erwartet. 175 km/h Höchstgeschwindigkeit sind für eine ausgewiesene Sportversion schlicht zu wenig – schon der erste VW Golf GTI mit 81 kW / 110 PS schaffte in den 1970ern 182 km/h. Auch beim Nachladen bleibt der Raval VZ hinter den Erwartungen: Maximal 105 kW an der Schnellladesäule sind für dieses Leistungsniveau mäßig, wenngleich mehr als bei den schwächeren Versionen mit 88 kW.
Wer flott unterwegs ist, freut sich dafür über eine präzise Lenkung, ein in verschiedenen Modi justierbares Fahrwerk und gut konturierte Sportsitze mit exzellentem Seitenhalt – auch für groß gewachsene Insassen. Bei flotter Gangart gehen die Mundwinkel schnell nach oben. Allerdings presst genau diese Fahrweise die angezeigte Reichweite schmerzhaft nach unten: Aus den in Aussicht gestellten 380 Kilometern werden bei bestem Wetter schnell deutlich weniger als 300.
Flott durch die City, die Lieblingsmusik aus dem 475-Watt-Soundsystem, diese präzise, etwas leicht geratene Lenkung genießen – der Raval VZ ist einer, der vieles anders macht als die meisten Elektrokleinwagen, bei denen oft das Gefühl von Verzicht mitfährt.
Das verhindert nicht nur das Fahrverhalten, sondern auch das durchdachte Interieur mit sorgfältig verarbeiteten Oberflächen. Das alles muss einem freilich mehr als 40.000 Euro wert sein – in einem Segment, das noch immer gegen die magische 20.000-Euro-Marke kämpft.
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