Aller Anfang ist schwer - VW Touareg Hybrid im Test (2011)

Ein 380 PS Ökomobil: Wie sparsam ist diese Technik wirklich?

Aller Anfang ist schwer - VW Touareg Hybrid im Test (2011): Ein 380 PS Ökomobil: Wie sparsam ist diese Technik wirklich?
Erstellt am 20. Juli 2011

Die ganze Welt blickt seit einiger Zeit ganz besonders den Automobilherstellern auf die Finger wenn es um die CO2-Reduzierung geht. Dabei machen die Kraftfahrzeuge nur einen minimalen Teil der CO2-Emissionen aus. Nichtsdestotrotz reagieren die Konzerne auf den Druck und schicken verstärkt umweltfreundlichere Autos ins Rennen. Im Hause Volkswagen kann sich der Touareg als erstes Serienfahrzeug mit dem Zusatz “Hybrid“ in der Typenbezeichnung schmücken. Wir haben getestet, ob ein 380 PS SUV wirklich ein Kraftstoff-Sparwunder sein kann.

Allein die nackten Fakten lassen erste Zweifel und Fragen an der Effizienz des Touareg Hybrid aufkommen. Immerhin schleppt der Touareg Hybrid stattliche 2.300 Kilogramm an Gewicht mit sich rum. Und nicht erst seit Audi Leichtbau betreibt ist bekannt, dass mit zunehmenden Fahrzeuggewicht auch der Verbrauch steigt. Im Polo, Golf oder Passat wäre ein Hybridantrieb sicherlich deutlich effizienter als im Dickschiff Touareg.

Ein sauberes Gewissen hat einen hohen Preis

Aber sei es drum, denn mehr als ein Imageträger ist der Öko-Touareg ohnehin nicht. Zu wenige seiner Art sind unterwegs, um wirklich irgendetwas für die Umwelt zu tun, doch ist es nicht der Wille der zählt? Weshalb die Käuferschaft des Touareg Hybrid sich mit der stolzen Preisdifferenz von 25.750 Euro im Vergleich zum V6 TDI eher ein grünes Gewissen erkauft.

Dabei funktioniert die Volkswagen Hybridtechnik absolut problemlos. In Sachen Fahrspaß muss man keinerlei Abstriche machen. Allein das Abschalten des Motors im normalen Fahrbetrieb bei Geschwindigkeiten bis 160km/h ist anfangs gewöhnungsbedürftig, ebenso wie das lautlose Ausparken.

Einzig allein, dass die Nadel des Drehzahlmessers nach dem Starten manchmal auf Null stehen bleibt verwirrt zuweilen und verleitet zum erneuten Drücken des Startknopfs in der Mittelkonsole, falls das schlüssellose VW-System “keyless“acesse an Bord ist.

Es kann losgehen

Nach dem Einlegen des Rückwärtsgangs - um das Dickschifft aus der Parklücke zum manövrieren - passiert immer noch nichts, lediglich das Umfeld hinter dem Öko-SUV wird im RNS 515er Navigationssystem angezeigt. Also dann Bremse los und schon setzt sich der Touareg völlig lautlos und sanft in Bewegung und im Handumdrehen steht der Touareg auf der Straße.

Wer nun einen sanften Gasfuß beweist kann rund zwei Kilometer mit Hilfe des 46 PS starken (oder auch schwachen) Elektromotors lautlos dahin rollen. Allerdings darf dann keine Ampel und kein Berg auf der Strecke liegen. Tritt man das Gas auch nur etwas zu kräftig, erwacht der V6-Kompressor-Motor sofort zum Leben.

Damit sich der Touareg Hybrid dennoch etwas leichter im Elektrobetrieb bewegen lässt, haben ihn die Wolfsburger mit einer “E-Mode“-Funktion in der Mittelkonsole versehen. Sind die Nickel-Metallhydrid-Akkus (NiMH) im Kofferraum ausreichend geladen wird der Einsatz des Benzinmotors deutlich verzögert.

Die Challange Benzin- vs. E-Motor

Ein etwas ehrgeiziger Fahrer wird jedoch recht schnell versuchen, den Benzinmotor wann immer es geht aus zu lassen. Immerhin ist der Blick auf den Durchschnittsverbrauch dann ein echtes Schauspiel. Fällt der doch fast im Sekundentakt, zumindest solange bis die Akkus leer sind und der Benziner wieder anspringt.

Doch auch der drei Liter V6-Kompressor macht eine gute Figur im Touareg. Kein Wunder, immerhin stammt die 333 PS Maschine aus dem Audi-Regal und kommt nicht rein zufällig im S4 und S5 zum Einsatz. Im Touareg muss sich der mechanisch aufgeladene TFSI jedoch mit dem Übergewicht des SUV´s herumschlagen. Die 440 Nm, die von 3000 bis 5200 U/min anliegen, lassen den 2.995 ccm großen V6 dennoch perfekt zum Touareg passen.

Gemeinsam stark im Boost-Modus

Doch Benzin- und Elektromotor arbeiten nicht nur perfekt nebeneinander her. Auch zusammen können sich beide sehen lassen. Wer nämlich die Kick-Down-Funktion aktiviert kann beide Antriebe zusammenkoppeln und im Boost-Modus über 380 PS und gewaltige 580 Nm Drehmoment verfügen.

In die Quere kommen sich Benzin- und E-Motor in keiner Situation. Der Übergang zwischen den Konzepten ist perfekt abgestimmt. Eine zusätzliche Trennkupplung zwischen Motor und Getriebe sorgt dafür, dass im Zusammenspiel mit dem Drehmomentwandler des 8-Gang Automatikgetriebes je nach Betriebszustand das Zusammenspiel perfekt und ohne Ruckeln abläuft.

Der Motor wird dann übrigens nicht via Anlasser gestartet sondern vom E-Motor angeschleppt. Dieser sitzt ebenfalls direkt zwischen dem V6 und dem Getriebe und ist mit 55 Kilogramm verhältnismäßig leicht.

Guter Durchschnittsverbrauch – aber weit weg von der Werksangabe

Insgesamt haben wir dem Touareg Hybrid über 3.100 Kilometer auf den Zahn gefühlt. Und erstaunlicherweise erreichten wir im Stadtverkehr mit unter die besten Verbrauchswerte. Ganz anders auf der Autobahn, hier kann der E-Motor seine Vorteile kaum ausspielen.

An die von Volkswagen angegeben Durchschnittsverbräuche kamen wir trotz aller Bemühungen langfristig nicht heran, gut zwei Liter mehr trennten uns immer von der wohl sehr optimistischen Werksangabe. Und dennoch überzeugte der Verbrauch am Ende unseres Tests.

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Die 12,3 Liter Durchschnittsverbrauch sind für den 2,3 Tonnen schweren Touareg durchaus ein respektabler Durchschnittswert, zumal wir dem SUV auch mal die Sporen gegeben haben. Die Hybrid-Technik aus dem Hause Volkswagen jedenfalls funktioniert und muss jetzt nur noch ihren Weg in die Fahrzeugklassen unterhalb des Touaregs finden. Der Anfang jedenfalls ist schon einmal gemacht.

Text & Fotos: Marcus Berger

VAU-MAX-kompakt: VW Touareg Hybrid im Test

Typ: VW Touareg Hybrid (Modell 2011)

Motor: V6-Zylinder Benzin-Motor, Direkteinspritzung, Kompressoraufladung, 2.995ccm Hubraum, Euro 5 Abgasnorm, Hybridantrieb Nickel-Metallhybrid Akkus (NiMh)
Leistung: Motor: 333PS/440 Nm; E-Motor 46PS/140Nm Kombiniert: 380 PS/580Nm
Getriebe: 8-Gang Automatikgetriebe mit Freilauf
Fahrwerk: Einzelradaufhängung mit Doppelquerlenker vorn und hinten, Luftfederung optional, Scheibenbremsen innenbelüftet und mit Festsätteln rundum, ABS, EBV, ESP, Bremsassistent
Felgen: Leichmetallfelgen “Sonora“ in 7,5J x 17“ rundum
Bereifung: 235/65 R17
Länge: 4795 mm Breite: 1940 mm Höhe: 1923 mm
Höchstgeschwindigkeit: 240km/h
Verbrauch: im Test auf 3.100 Kilometer Fahrtstrecke 12,3 Liter (Werksangabe im Mix 8,2 Liter)
0-100km/h: 6,5 Sekunden
Leergewicht: 2315 kg
Fahrzeugpreis Testwagen: 92.245 €
Basispreis ab: ab 74.500 €

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