Der ID. Polo soll für VW den Aufbruch in eine neue Ära markieren. Das Interieur zeigt, dass die Wolfsburger von den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, und das Infotainment holt die erste Generation des Golf ins Cockpit. Und zwar das Cockpit des Golf I aus den 1980er-Jahren. Digital. Inklusive der Dioden und der Digitaluhr mit den schwarzen Ziffern auf grauem Grund. Die Detailliebe der Macher geht sogar so weit, dass der Zeiger des Power-Meters rechts zittert, wenn die Regelsysteme den Vorderradantrieb bändigen müssen. Genau wie das beim Golf der Fall war. Fast noch cooler: Auf dem knapp 13 Zoll großen Touchscreen erscheint ein klassisches Radio. Verbindet man sein Smartphone mit dem Infotainmentsystem, kommt ein Kassettendeck dazu. Selbst die Karte des Navigationssystems hat einen Falz, wie man das von der Papierversion kennt. Herrlich. Echter 80s-Style.
Den VW-Entscheidern gefiel die Idee der Grafik-Tüftler so gut, dass sie den Daumen hoben und sie in den elektrischen Kleinwagen hievten. Gut gemacht. Was für ein angenehmer Fortschritt zu den Anzeigen-Schießscharten im VW ID.3, garniert mit einfrierenden Bildschirmen. Die Retro-Karte ist zweifelsohne gut gespielt, aber damit alleine gewinnt man im Bedienungswettlauf noch keinen Blumentopf. Die Handhabung des Infotainments und der damit verbundenen Funktionen muss einfach und möglichst intuitiv sein. Also stehen zwei weitere moderne Anzeigen-Varianten zur Auswahl, aber auch das gesamte Prinzip des Infotainmentsystems ist überarbeitet. „Die Idee ist, klarer und einfacher zu sein“, erläutert Infotainment-Spezialist Andro Kleen. Leicht gesagt, schwer getan. Wie man an den verschachtelten Menüwüsten so mancher Hersteller sieht, bei denen man sich durch schier endlose Befehlsketten kämpft, ehe man die gewünschte Funktion gefunden hat.
Größere Screens – weniger Stress
Die VW-Lösung ist eine Symbiose aus analoger und digitaler Welt. Also findet man unter dem Touchscreen ein „Klavier“ mit Hebeln für die Bedienung der Klimaanlage und die Aktivierung der Warnblinkanlage wie man sonst von Skoda kennt. Die Fernbedienung am Lenkrad folgt ebenfalls einer bekannten Logik: In der linken Steuereinheit findet man die Knöpfe für die Fahrassistenten und rechts unter anderem die für die Programm-Widgets sowie die Musik. Dass die Eingabeelemente klar voneinander getrennt sind, erleichtert das Betätigen des richtigen Buttons, ohne dass man den Blick von der Straße nehmen muss. Apropos: Die Software macht ebenfalls einen Schritt nach vorne. Der ID. Polo bietet One-Pedal-Driving und das System erkennt rote Ampeln sowie Stoppschilder.
Soweit, so gut. Doch die ganze digitale Herrlichkeit verpufft, wenn das Schöner-Wohnen-Ambiente einer Hartplastikhöhle gleicht. Das musste VW beim ID.3 leidvoll erfahren. Eine der Kernaufgaben der Innenraumarchitekten war es deshalb, das Interieur aufzuhübschen, ohne den Preis für den kleinen Stromer durch die Decke schießen zu lassen. Schließlich soll der VW ID. Polo bei rund 25.000 Euro starten. Ein Schlüssel zur Lösung dieser verzwickten Herausforderung war die Gleichteilstrategie, schließlich teilt sich der ID. Polo unter anderem die Technik mit dem Cupra Raval und dem Škoda Epiq. Ein anderer Clou ist die Senkung der Produktionskosten. Dazu gehören auch kostensparende Konzepte beim Antrieb und der Batterie. Wie zum Beispiel das Cell-to-Pack-Prinzip. Also eine direkte Verbindung der Zellen ohne Module. Das spart Material, Gewicht und Bauraum, senkt den Preis und steigert die Energiedichte des kleinen VWs um rund zehn Prozent.
Nachdem die Ingenieure ihren Job erledigt hatten, konnten die Innenausstatter nun ihren machen, ohne jeden Cent zweimal umdrehen zu müssen. Die Prämisse war klar: Man soll sich im kleinen BEV-VW nicht wie in einem Billig-Auto fühlen. Das bedeutet: keine Hartplastik-Orgie wie im ID.3. Das Resultat: Selbst in der Basis-Ausstattung ist das Armaturenbrett unterschäumt und mit Stoff bezogen. Bei den höheren Ausstattungsvarianten sind die Seitenflächen der Mittelkonsole ebenfalls mit weichem Textil bedeckt, was den Knien beim Kontakt schmeichelt. „Das haben wir vom Touareg gelernt“, sagt Colour-and-Trim-Expertin Milene Kazama und spielt dabei auf die Kritik an diesem Element im großen SUV an. Die wird es beim ID. Polo dann sicher nicht geben.
Wolfgang Gomoll; press-inform
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