VW K70: Das ungeliebte Kind

Der erste wassergekühlte VW war gar keiner!

VW K70: Das ungeliebte Kind: Der erste wassergekühlte VW war gar keiner!
Erstellt am 22. April 2008

Apropos aussehen. Zwar trug der K70 (K für (Hub-)Kolbenmotor im Gegensatz zu "Ro" für Rotationskolbenmotor) ein VW-Emblem im Grill, aber so richtig volkswagenmäßig sah der kantige Neuling mit der komischen Modellbezeichnung und den kastenförmigen Scheinwerfern ja nun wirklich nicht aus. Autokenner erkannten, dass die Radkappen vom NSU Ro80 stammten. Und lagen richtig. denn entwickelt wurde der K70 ursprünglich für die Audi NSU AG, die aber seit 1969 zur VW AG gehörte, welche wiederum ihrerseits nach zukunftstauglichen Technologien für die Zeit nach dem luftgekühlten Boxer suchte. Und so wurde die eigentlich für März 1969 geplante NSU-Vorstellung auf dem Genfer Salon abgeblasen, stattdessen ein Werk in Salzgitter gebaut und das Modell für anderthalb Jahre auf Eis gelegt, bis es dann im September 1970 der Öffentlichkeit als VW K70 vorgestellt wurde.

„Er kommt!“, spielte die Auftaktkampagne, die am 27. Oktober 1970 mit einer doppelseitigen Anzeige im „stern“ auf die Diskussionen an, die in der Fachpresse über die Verzögerung des K70 abliefen. Anstelle von ausschweifenden Produktbeschreibungen beschränkte sich die Anzeige weitgehend auf die Abbildung eines goldfarbenen K70 auf blauem Grund. Und das sah gut aus!

Der „gefühlte“ Audi

Trotzdem blieb er ein „gefühlter Audi“ und somit kein richtiger VW - und das sah man ihm auch an. Tatsächlich war das schnörkellos gradlinige Design mit dem filigranen Dach und den großen Fensterflächen im Vergleich zur übrigen Mittelklasse und erst recht zu einem VW fast schon zu progressiv. Und dabei waren es doch die Zeiten gesellschaftlichen Aufbruchs. Männer ließen sich die Haare wachsen, Frauen auch oder schnitten sie ganz ab! Die Kommune 1 beunruhigte mit ihren Ansichten und Experimenten die bürgerlichen Wohn- und Schlafzimmer und seit den Studentenunruhen 1968 war die Bundesrepublik tatsächlich irgendwie anders. Aber beim Kaufverhalten blieben die VW-Kunden doch eher konservativ.

K70 scheiterte schon im Showroom

Was nicht wirklich überrascht: Die Erklärung ist vielleicht ganz einfach: „Jahrelang mussten unsere Verkäufer die Vorteile des Heckantriebs runterbeten, und als wir durch die Audi-Übernahme dann den K70 bekamen, waren die alle in Argumentationsnöten. Da haben wir doch lieber gleich den 411 empfohlen“, so ein ehemaliger VW-Verkaufsleiter. Stimmt, mit dem K70 und dem 411 hatte VW zwei Angebote in der Mittelklasse. Zwar ungefähr gleich teuer, aber so grundverschieden wie man verschieden nur sein kann. Während der 411 noch die alte VW-Philosophie vertrat, repräsentierte der K70 den Wandel. Und ein Wandel birgt oft Risiken. So auch hier: der K70 schlug sich in den ersten beiden Jahren mit diversen Kinderkrankheiten herum. Nichts Gravierendes, aber sie trugen ihren Teil dazu bei, dass die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurückblieben.

Moderne Technik

Unter der Haube steckte ein moderner Leichtmetallmotor mit obenliegender Nockenwelle und Wasserkühlung, der Antrieb erfolgte auf die Vorderräder. In den Vergleichstests distanzierte der K70 nicht nur seinen Markenbruder 411 deutlich, sondern auch die übrige Konkurrenz. So waren dank seines langen Radstands von 2.67 m die Fahreigenschaften sicher und komfortabel. Das Raumangebot heimste Bestnoten der Tester ein. Nur es half ihm nichts, er wurde nicht gekauft. Und dabei hatten die VW-Strategen darauf gehofft, dass jene Kunden, denen das Käfer-Prinzip mittlerweile zu bieder wurde, für den sportlicheren und dynamischeren K70 zu gewinnen waren. Ein Trugschluss.

Vielleicht lag der mangelnde Erfolg auch daran, dass es den K70 nicht als Kombi gab! Diese Variante war speziell beim 411 sehr beliebt. Dabei hatte es in der Entwicklungsphase tatsächlich auch ein Kombimodell gegeben. Ein sehr schönes sogar. Schon 1965 hatten NSU - Entwicklungschef Ewald Praxl und der Leiter der Design - Abteilung, Claus Luthe, neben der Stufenhecklimousine mit vier Türen auch an einer dreitürigen Kombi – Version gearbeitet. Leider blieb es bei dem 1967 montierten Einzelstück.

Das 1970 erschienene Serienmodell verfügte wahlweise über 75 PS oder 90 PS. In beiden Fällen war ein 1.6-Reihenvierzylinder Quell der Freude. Zwar waren die Motörchen agil, aber die Höchstgeschwindigkeit fiel mit 148 bzw. 158 km/h eher niedrig aus. Was den steilen Scheiben zugeschrieben wurde. Der 1973 im Modell K70 LS nachgeschobene 100 PS Motor mit einem auf 1.8 Liter vergrößerten Hubraum machte dies weitgehend wieder wett. Ein Jahr später musterte VW den 90 PS-Motor ganz aus. Nachdem im August 1971 geänderte Stoßstangen und ein leichtgängigeres Getriebe zum Einsatz kamen, folgte im Herbst 1972 bereits das letzte Facelift: der Bug war jetzt etwas strömungsgünstiger modelliert, ein größeres Windleitblechblech unter der vorderen Stoßstange sorgte für eine verbesserter Kühlung der Bremsen. Optisch auffälligste Änderung: schicke Halogen-Doppelscheinwerfer beim „L“-Modell.

Im Mai 1975 war Schluss

Im Mai 1975 lief nach genau 210.082 gebauten Fahrzeugen der letzte VW K 70 in Salzgitter vom Band. Doch wo sind sie hin? Auf Treffen sieht man einen K70 kaum noch. Selbst auf Oldtimerveranstaltungen macht sich das kantige Kerlchen rar. Und der Autor dieser Zeilen muss zugeben, so ein gelber K70, mit schwarzen Dekorstreifen und Fuchsfelgen wie hier zu sehen, wäre vor der Haustür eigentlich eine prima Sache!



Text: Thomas Ebeling

Fotos: VW

Tipp: http://www.k70-club.de

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2 Kommentare

  • bullileinchen

    Bullileinchen

    Im Klassik-Bereich fehlen noch luftgekühlte, oder kommen da nicht mehr rein? Ich habe euch mal einen tollen Bulli hochgeladen! Also bitte, mehr luftgekühltes.
  • johannes

    Johannes

    Das waren noch Zeiten!!

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