Wenn es um klassische Sportwagen der 1950er-Jahre geht, fallen meist Marken wie Porsche, Ferrari oder Jaguar. Doch neben diesen Legenden gibt es auch andere, weniger bekannte, aber höchst faszinierende Modelle – wie den WD Denzel 1300, der nun bei RM Sotheby’s zum Aufruf kommt. Dieses Exemplar mit der Chassis‑Nr. DK 28 ist nicht nur extrem selten, sondern blickt auf eine außergewöhnliche Motorsport- und Besitzergeschichte zurück.
Vom Nachkriegs-Werkstatttraum zum Sportwagenpionier
Die Geschichte beginnt 1948 in Wien: Ingenieur Wolfgang Denzel gründete Denzel Automobiles und setzte anfangs auf leichte Sportwagen auf Basis des VW Käfer. Zusammen mit seinem Freund Hubert Stroinigg entstand 1949 das erste Fahrzeug „Volkswagen WD Equipment“ mit Harz- und Textilfaserkarosserie, daraus wurde ein Klassensieger der Österreichischen Alpenrallye. Bis 1952 baute Denzel fünf weitere Exemplare, ehe die Serie II auf den Markt kam.
In den 1950er- und 1960er-Jahren bewährten sich die WD Denzel auf Rallyes und Rundstrecken in ganz Europa – von der Rallye Monte Carlo bis zur Tour de France Automobile. In Portugal wurde das Modell dank des Aristokraten Antonio Guedes Herédi über die Firma Auto Portuguesa vertrieben.
Chassis DK 28: Rennwagen mit Geschichte
Der Denzel 1300 mit Chassisnummer DK 28 wurde am 15. April 1954 an Rennfahrer Joaquim Filipe Nogueira ausgeliefert, mit dem originalen Kennzeichen „FH-20-49“. Nogueira, ein prominenter Fahrer, trat später u.a. mit Ferrari 250 MM, Maserati 300S und Porsche 550 Spider an. Der Denzel selbst absolvierte 13 Wettbewerbe, bevor er 1955 verkauft wurde.
1956 erwarb ein gewisser José Teixeira das Fahrzeug und engagierte den Rennfahrer Daniel Magalhaes, der in mehreren Wettbewerben vordere Platzierungen erzielte, darunter ein Sieg beim Rali Emancipação. Ab 1961 wechselte das Auto in weitere portugiesische Hände und verblieb bis 1999 in der dokumentierten Besitzkette – eine vollständig nachverfolgbare Historie über fast 50 Jahre ist aber vorhanden.
Technik und Design: Österreichische Ingenieurskunst
Der WD Denzel 1300 war ein leichter, kompromissloser Sportwagen: Rohrrahmen-Chassis, Aluminiumkarosserie und ein Gewicht von nur rund 580–650 kg. Der luftgekühlte Vierzylinder-Motor auf VW-Basis wurde von Denzel auf 1300 ccm aufgebohrt, mit optimierten Zylinderköpfen, zwei Doppelvergasern, schärferer Nockenwelle sowie stärkeren Kurbelwellenlagern versehen. So hochgerüstet leistete der luftgekühlte Boxer rund 75 PS. Das klingt im Vergleich zu den aktuellen Motorisierungen nicht sehr sportlich, aber der WD Denzel 1300 wog rund 600 kg. Daraus resultiert ein Leistungsgewicht von 8 kg/PS. Zum Vergleich: ein Golf 1 GTI kommt auf rund 7,5 kg/PS, ein Golf 8 GTI auf ca. 6 kg/PS. Ein Porsche 356 A 1600 S mit 75 PS plagte sich günstigstenfalls bereits mit rund 10 kg/PS herum. Mit diesem Leistungsgewicht konnte der Denzel auf Straße und Rennstrecke also vollauf überzeugen und galt als gefährlicher Konkurrent für frühe Porsche 356-Modelle. Aktuell ist ein 1300er Boxer mit der Motornummer F172966X verbaut. Dieser Motor kam zwischen 1965-1970 beim Käfer zum Einsatz, wurde aber wie man auf den ersten Blick an der fetten Doppelvergaser-Anlage sehen kann, ordentlich aufgebrezelt. Apropos Brezel. Das Lenkrad des Denzel 1300 SS stammt tatsächlich vom Brezelkäfer, die Armaturen sind mit Denzel-Logo versehene Uhren wie sie auch im Porsche 356 zum Einsatz kamen.
43 Bilder Fotostrecke | Österreichische Sportwagen-Rarität sucht neuen Besitzer: Let’s Denzel – Der unbekannte Porsche-Killer Die handgefertigten Karosserien sowie die aufwendige Motoroptimierung machten jedes Fahrzeug zu einem Unikat. Wolfgang Denzel sparte konsequent an jedem Gramm. Kurbelfenster? Vergiß es. Die Seitenscheiben waren Steckfenster. Ein Dach? Ja, aber nur als flatterhaftes Stoffverdeck. So elegant und kommod wie ein Porsche 356 war der Denzel also nicht. Die US-Sportfahrerscene rief den ultraleichten Roadster wenig charmant "Bean", also Bohne. Nicht unbedingt ein Rufname, der verkaufsfördernd ist. Aber er war schnell und kochte in beherzten Händen die Porsche 356 ein uns andere Mal ab. Alte Pressefotos beweisen, war ein Denzel am Start, dann stand er meist in der ersten Reihe. Aber während Porsche den 365 in Serienfertigung baute, blieben die Produktionszahlen des handgefertigten Denzels klein: Insgesamt entstanden - wie auf der Webseite der heutigen Denzel Gruppe nachzulesen ist - gerademal 65 WD Denzel Sportwagen, von denen heute noch bekanntermaßen 31 Fahrzeuge erhalten sind.
Wiederentdeckung und Restaurierung
DK 28 überlebte mehrere Jahrzehnte in Portugal, erlebte seine Hochphase im Motorsport und später auch schwere Zeiten – darunter einen Unfall in den 1960er-Jahren. Der Wagen wurde jedoch restauriert, ist heute voll fahrbereit und mit einem getunten VW-Motor ausgestattet. Originalverdeck und erstes Kennzeichen sind noch vorhanden, der Wagen eignet sich für historische Wettbewerbe wie Tour Auto oder Rallye Monte-Carlo Historique.
Sammler aufgepasst: Ein Stück Motorsportgeschichte wird versteigert
Der WD Denzel 1300, Chassis DK 28, ist ein herausragendes Stück europäischer Sportwagengeschichte. Vom ersten Klassensieg bei der Alpenrallye bis zur langen Karriere in Portugal ist er ein Symbol für die Nachkriegsinnovation und den Pioniergeist kleinerer Manufakturen. Mit dem Wagen erwerben Sammler nicht nur ein automobilhistorisches Juwel, sondern auch ein faszinierendes Fahrerlebnis mit Porsche‑Killer‑Potenzial.
Dieses außergewöhnliche Exemplar wird beim RM Sotheby’s Monaco Auction Event am 24.–25. April 2026 angeboten. Laut der offiziellen Losbeschreibung wird der 1954er WD Denzel 1300 mit einer Schätzung von 180.000 € bis 220.000 € veranschlagt. Das macht ihn zu einer spannenden Angelegenheit für Sammler, die in ein seltenes Stück Nachkriegs‑Rennsport investieren wollen.
Weitere Infos zur Auktion des WD Denzel 1300: https://rmsothebys.com
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