Es gibt Projekte, die entstehen nicht am Reißbrett, sondern aus dem Bauch heraus. Dieser VW Golf 3 von Pascal Kusch aus Essen ist genau so ein Fall.
Was ursprünglich als fast schon verlorene Karosse im Halbdunkel einer Halle stand, entwickelte sich über drei Jahre zu einem kompromisslosen Turbo-Monster, das äußerlich bewusst tief stapelt und technisch völlig eskaliert.
Vom Beinahe-Schlachtobjekt zum Herzensprojekt
Die Geschichte beginnt unspektakulär: Pascal entdeckte die Golf-3-Karosse bei seinem besten Freund, der eigentlich schon mit dem Gedanken spielte, das Fahrzeug zu schlachten. Für Pascal war klar: Das darf nicht passieren. Ein Deal war schnell gemacht – die Karosse wechselte den Besitzer, ursprünglich sogar nur als „Tauschobjekt“ für ein paar Felgen. Doch aus dieser spontanen Rettungsaktion entwickelte sich ein Projekt, das Pascals gesamte Schrauberleidenschaft widerspiegelt. Unterstützt von seinem Kollegen „Kulle“ fiel früh die Entscheidung: keine halben Sachen. Das Motto war schnell gefunden: innen kompromissloser Racer, außen cleaner Golf 3. Genau diese Mischung macht den Reiz des Wagens heute aus.
VR6 Turbo: 550 PS ohne Kompromisse
Herzstück des Golfs ist ein 2,8-Liter-VR6, der mit der Serie nur noch wenig gemeinsam hat. Die Basisleistung von 174 PS dient hier lediglich als historischer Anfangswert. Der Motor wurde komplett neu aufgebaut und mit Wössner-Kolben und -Pleueln, verstärkten Stehbolzen sowie einem mächtigen BorgWarner S363 SX-3 Turbolader versehen. Gesteuert wird das Ganze über ein ECU-Master-Steuergerät, befeuert von 980-ccm-Düsen und gezündet über R32-Zündspulen.
Das Ergebnis: 550 PS, die über ein klassisches 5-Gang-Schaltgetriebe an die Vorderachse geschickt werden. Die Abgase entweichen über eine eigens gebaute 3-Zoll-Abgasanlage ab Katalysator mit standesgemäßem 76-mm-Endrohr.
Der Weg dorthin war allerdings alles andere als einfach. Anfangsprobleme mit Motor und Abstimmung gehörten ebenso dazu wie der spätere Wechsel zu „Turbo Gockel“, der schließlich für die finale Abstimmung sorgte. Ein Innenraum-Kabelbrand brachte dann die radikalste Entscheidung mit sich: Alles raus, komplette Neuverkabelung – ein Schritt, der das Projekt zwar verzögerte, am Ende aber konsequenter und sauberer machte.
Luftfahrwerk, starke Bremsen und Motorsport-Details
30 Bilder Fotostrecke | Essen ist fertig: 550 Turbo-PS im VW Golf 3 VR6 Turbo mischen den „Pott“ auf Damit die Leistung nicht nur beeindruckt, sondern auch beherrschbar bleibt, setzt Pascal auf ein Luftfahrwerk von TA-Technix. Die sportliche Bremsanlage mit gelochten Scheiben ist dem Leistungsniveau mehr als angemessen.
Klassischer Look mit US-Einflüssen
Optisch bleibt der Golf bewusst ein Golf. US-Stoßstangen vorne und hinten, Votex Frontspoiler, Seitenschweller und Heckscheibenspoiler sorgen für einen zeitgenössischen Look, der perfekt zur Golf-3-Ära mit dem gewissen OEM-Etwas passt. ProjektZwo-Außenspiegel, ein Eigenbau-Grill mit zusätzlichen Lufteinlässen und die USA-Heckklappe mit kleiner Nummernschildmulde runden das Paket ab. Die Seitenteile wurden dezent gezogen, um Platz für die Räder zu schaffen. Der Lack in VW Indianrot Perleffekt verleiht dem Wagen Tiefe und Eleganz, ohne aufdringlich zu wirken
Goldene OZ und kompromissloser Innenraum
Die Qual der Räderwahl fiel auf goldene O.Z. Mito: vorne in 8x17 Zoll, hinten in 8,5x17 Zoll, ergänzt durch 20-mm-Distanzscheiben pro Seite. Bereift ist der Golf rundum mit Radar Dimax Pneus in 205/40 R17 – bis 300 km/h zugelassen, was bei diesem Leistungsniveau kein theoretischer Wert bleibt. Auf 276 Sachen hatte Pascal seinen Dreier bereits und brach den Temporausch dann ab. Auch bemerkenswert: Die 100er-Marke knackt der „handgerissene“ Turbo-Golf nach 3,8 Sekunden. Nach 6,7 Sekunden fällt die 200-km/h-Grenze.
Im Innenraum wird klar, dass es hier nicht um Komfort, sondern um Kontrolle geht. Ein geschüsseltes Luisi-Lenkrad, Coolerworx-Shifter und Sparco Sprint Sitze bestimmen das Bild. A-, B- und C-Säulen sind mit Alcantara bezogen, dazu kommt ein sauber ausgeführter Kofferraumausbau: Rückbank raus, Rohre und Airride-Tank rein.
„Das Auto“ ist mehr als nur ein Auto
Für Pascal ist der Golf mehr als ein Leistungsdatenblatt. Er steht für eine klare Haltung innerhalb der Szene: Respekt und Zusammenhalt, unabhängig von Marke oder Herkunft. Ob VW, Opel, Honda oder Nissan – am Ende eint alle die Leidenschaft fürs Schrauben und Fahren.
Genau das spiegelt dieser Golf 3 wider: Ein Auto, das nicht gefallen will, sondern überzeugt. Ein Projekt, das aus Zufall entstand und durch Konsequenz zu einem echten Statement wurde. Understatement auf den ersten Blick und Eskalation auf Knopfdruck.
Technische Daten
Fahrzeugtyp: VW Golf 3
Baujahr: 1992
Motor: 2,8-Liter VR6, Basis 174 PS, Motorumbau mit Kolben und Pleueln von Wössner, Stehbolzen, Turbolader S363 SX-3, 980ccm Düsen, ECU Master, R32 Zündspulen, Leistung 550 PS
Auspuff: Eigenbau 3-Zoll-Auspuffanlage ab Kat, 76mm Endrohr
Kraftübertragung: 5-Gang-Schaltgetriebe
Räder: O.Z. Mito, an der Vorderachse in 8x17 Zoll, an der Hinterachse in 8,5x17 Zoll, 20mm Distanzscheiben je Seite
Reifen: rundum Radar Dimax in 205/40 R17 (bis 300 km/h zugelassen)
Bremsen: Sportbremse mit gelochten Scheiben
Fahrwerk: Luftfahrwerk von TA-Technix
Karosserie: US Stoßstange vorn und hinten, Votex Frontspoiler, Votex Heckscheibenspoiler, Votex Seitenschwellerverkleidungen, ProjektZwo Außenspiegel, Eigenbau-Grill mit Lufteinlässen, USA-Heckklappe mit kleiner Nummernschildmulde, Seitenteile leicht gezogen, Lackierung in VW Indianrot Perleffekt
Innenraum: geschüsseltes Luisi Lenkrad, Coolerworx Shifter, Sparco Sprint Sitze, Käfig, Radio-Blende, A-, B- und C-Säulenverkleidungen mit Alcantara bezogen, Kofferraumausbau mit entfernter Rückbank und Airride-Lufttank
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