Erster Fahrbericht - 2021er Chevrolet Corvette C8 mit Mittelmotor

Hat die Corvette C8 das Herz am rechten Fleck?

Erster Fahrbericht - 2021er Chevrolet Corvette C8 mit Mittelmotor: Hat die Corvette C8 das Herz am rechten Fleck?
Erstellt am 10. Oktober 2021

Lange mussten wir auf diesen Termin warten. Nicht nur seitdem der neue Supersportwagen im Juli 2019 auf einem eigenen Event im kalifornischen Orange County vorgestellt wurde. Viele Kollegen sind die neue Corvette der achten Generation schon gefahren und konnten erste Fahreindrücke des Mittelsportwagens vermitteln, doch wie sieht das aus der Perspektive des amerikanischen Autofans aus?

Ich mag Hecktriebler - keine Fronttriebler! Klar, Kutschen wurde früher von Pferden gezogen, Motor und Antrieb quasi vorne. Aber das Zerren an der Lenkung beim Gas geben mochte ich noch nie - weder bei Kutschen noch bei Autos. Jetzt habe ich zum ersten Mal Gelegenheit, ein Auto mit Mittelmotor zu fahren. Ja, ich gestehe - mein Erstkontakt! Ich hab z.B. nie am Steuer eines Ford GT40 oder Pontiac Fiero - dem ersten amerikanischen Serienfahrzeug mit Mittelmotor (1984-'88) - gesessen...

Hat die Corvette C8 das Herz am rechten Fleck?

Nicht nur das Mittelmotor-Konzept polarisiert, auch das Design. Aber das war eigentlich schon immer so. Das Design der Corvette - die es als Coupé und Cabriolet gibt - ist nicht wie bei einem VW Golf von Generation zu Generation weichgespült worden, bei jeder neuen Generation kann man von einer Revolution statt Evolution sprechen, so auch bei der achten Generation, die nun in Frankfurt beim Fahrtermin vor mir steht. In Supersportwagen typischen Rot. Die Front weiß zu gefallen und das Design der vorderen Kotflügel erinnert an die der Corvette der zweiten und dritten Generation. Das Heck wirkt bulliger als das der C7 und C6 - eben revolutionärer. Allein die Seitenlinie mit der weiter vorne sitzenden Kabine ist so gar nicht Corvette - da fehlt mir einfach die lange Haube...

Unter der sitzt ja nun bekannterweise kein Motor mehr, sondern ein Frunk. Frunk? Ja, so nennt man den Front Trunk, den vorderen Gepäckraum - Kofferraum wäre wohl geschmeichelt. In die Höhlen vorne und hinten passen alle Mal 357 Liter Gepäck - sofern man das leicht abnehmbare Hardtop an seiner Dachposition lässt. Ansonsten nimmt das Teil den hinteren Gepäckraum ein - im Gegensatz zum Klappdach des Cabriolets, das sich über dem Motor kleinfaltet. "Nachteil" des Cabriolets ist allerdings, dass man auf den Blick von außen auf den Motor verzichten muss.

Zwischen dem hinteren Gepäcksabteil und der Kabine sitzt nun also - von außen gut sichtbar durch eine "Plexiglas"-Scheibe - der bewährte 6,2-Liter V8 - für Europa dank Abgasnorm Euro 6d und zusätzlichem Partikelfilter mit nur 482 PS statt 495 US-PS und einem max. Drehmoment von 613 Nm bei 4500 U/min. Gekoppelt ist der ultratief verbaute Small-Block an ein Acht-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, das von General Motors zusammen mit Tremec entwickelt wurde.

Der Einstieg ist ein kleiner Schritt für mich - die Schweller sind dank des hydrogeformten Aluminium-Chassis schmal geblieben. Ich enter also das Interieur des nur 1,23 m hohen Cockpits und im Gegensatz zu Top-Gun-Piloten geht es nicht eine Leiter rauf, sondern tief runter. Zum Glück habe ich heute meine bequeme Stretch-Jeans-Hose an. Eine ebenso bequeme Sitzposition ist schnell gefunden, wenn ich auch nur wenig seitlichen Platz für meine Beine habe - der Länge nach passt es besser als in der C7.

Das Cockpit ist wie in einem Kampf-Jet

Die Jungs von Chevrolet haben nicht nur eine Torch-Red farbene Vette ausgesucht, sondern auch ein Modell mit Adrenaline-Red und schwarzem Interieur - ein Traum. Selbst die Verarbeitung ist kein Albtraum, sondern ist super! Angefangen von der Optik über die Haptik der Leder-Oberflächen weiß der Innenraum zu gefallen. Allein die beiden Hebel für Blinker und Scheibenwischer wirken in dem futuristischen, fahrerorientierten Cockpit mit unten und oben (!) abgeflachtem Lenkrad mit angenehmen Mikrofaser-Veloursbezug wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Der Innenspiegel, der für mein Gefühl etwas zu tief angeordnet ist und bei Rechtskurven die Sicht einschränkt, ist kein Spiegel mehr sondern ein Monitor für die Rückspiegelkamera. In Griffweite befindet sich etwas, was ich von anderen Herstellern als Dreh-Rücksteller für das Infotainment-Center kenne, doch mitnichten! Stattdessen kann man mit dem unter einer Handauflage versteckten Drehrad lediglich die Fahrprogamme wechseln.

Ein kleiner Druck auf den Start-Knopf und der Small-Block dreht hoch, pendelt sich dann bei unter 900 Touren ein und wartet auf meinen Druck aufs Gaspedal. Zunächst muss ich an dem "D" der Schaltkulisse ziehen. Dann geht's los, und ich bugsiere vorsichtig aus dem Parkbereich heraus. Die Route wurde von Chevrolet ins Navigationssystem einprogrammiert und wird mir optisch auf dem 8-Zoll-HD-Farb-Touchscreen angezeigt - bis ich mein Smartphone zum Laden an den USB-Port in der Mittelkonsole angeschlossen hatte. Apple Carplay schaltete sich ein und löschte die Route, also ging's erstmal über die Autobahn Richtung Spessart.

Auf der zum Teil vierspurigen Bundesautobahn A3 konnte ich nun in den Tempolimit freien Streckenabschnitten mal erfahren, was die Corvette so kann. Sie kann gemütlich im Verkehr mitschwimmen und von anderen Verkehrsteilnehmern bewundert werden. Und nach meinem Tritt aufs Gaspedal, mal eben in Wimpernschlag-Zeit vom achten Gang in den fünften herunterschalten, was man nur akustisch merkt, und dann ohne Unterlass beschleunigen. Die Höchstgeschwindigkeit von 296 km/h wollte ich dann allerdings nicht testen, auch wenn viele dem roten Flitzer "Platz machten". Die Beschleunigung - Chevrolet gibt 3,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h - ist aber mehr als beeindruckend. Der V8 kommentiert das Geschehen entsprechend - und hält sich bei Reisegeschwindigkeit fast vornehm zurück. Die Abrollgeräusche der hinteren 305/30 ZR20 Michelin Pilot Sport 4 S wirken lauter.

Geradeausfahren kann jeder - die Corvette kann auch Kurven!

Irgendwann entdeckte ich unter Favoriten die Zwischenziele und ich ließ das Navi mich wieder leiten. Statt der von Chevrolet ausgesuchten Route ging es über die sicher nicht minder interessante "Romantische Straße" durch kleine Dörfer mit schmalen Gassen, Wein- und Apfel-Anbaugebiete und kurvenreiche Landstraßen. Die Corvette konnte nun zeigen, dass sie nicht nur schnell geradeaus sondern auch Kurven kann. Überraschend gut gab die Lenkung dabei Rückmeldung und auch die Bremsen ließen sich gut dosieren und verzögerten einwandfrei. Auch hier zeigt sich der Sportwagen äußerst komfortabel, so dass man nicht mehr aussteigen will.

Aber irgendwann muss man ja mal aussteigen. Zum Glück bin ich bei meinem ersten Versuch unbeobachtet, denn so einfach wie der Einstieg ist mein Ausstieg nicht sehr elegant und ähnelt mehr einem Herausklettern. Doch Übung macht den Meister und nach dem dritten Anlauf hab ich's raus, solange die Tür weitgenug aufgeht, was auf den üblichen Parkplätzen wohl schwierig ist. So alltagstauglich wie Chevrolet die Corvette sieht, ist sie - zumindest für mich - dann doch nicht. Was ich auch beim Ticket-Ziehen an einer Parkplatz-Schranke feststellen musste - ich sitze in der Corvette so tief, dass ich nicht an den Ticket-Taster komme, ohne mich abzuschnallen, die Tür etwas zu öffnen und meinen Körper hochzudrücken.

Doch all das Jammern wird auch beim Blick auf die Preisliste entschädigt. Die Corvette ist dafür bekannt, eine echte Alternative zu anderen Sportwagen zu sein, auch finanziell! Die Preise für die Corvette C8 beginnen für das Coupé bei 86.900 Euro, das Cabrio mit elektrischem Klappdach beginnt bei 93.400 Euro - und das bereits serienmäßig mit Z51-Performance Paket und 2LT-Ausstattung! In Sachen Verbrauch gibt sich die Corvette übrigens genügsam. Die angegebenen 12,1 Liter auf 100 km kombiniert konnte ich mit dem Sportwagen bei meinen ersten Erfahrungen nicht erreichen, aber auch die 13,8 Liter sind voll okay! Der "Heartbeat of America" schlägt weiter, auch als Mittelmotor! Mehr in unserem ausführlichen Testbericht - hoffentlich ganz bald und dann vom Cabriolet... 

2021er Chevrolet Corvette Stingray

Antrieb: V8-Benziner, 6.162 ccm, Mittelmotor, Heckantrieb, 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung: 354 kW / 482 PS bei 6.450 U/min
Max. Drehmoment: 613 Nm bei 4.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 296 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 3,5 Sek.
Länge x Breite x Höhe (m): 4,63 x 1,93 x 1,24
Radstand (m): 2,72
Wendekreis: 11,6 m
WLTP-Durchschnittsverbrauch: 24,3 (Stadt), 9,6 (ausserorts), 12,1 Liter (kombiniert)
CO2-Emissionen: 277 g/km
Effizienzklasse: G
Leergewicht / Zuladung: min. 1.730 kg / max. 250 kg
Kofferraumvolumen: 357 Liter
Basispreis: 86.900 Euro

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