Der neue Mercedes-AMG A45 S im Fahrbericht

Der Überflieger unter den Kompakt-Sportlern

Der neue Mercedes-AMG A45 S im Fahrbericht: Der Überflieger unter den Kompakt-Sportlern
Erstellt am 30. Juli 2019

Mit dem neuen Mercedes-AMG A 45 S und dem stärksten Serien-Vierzylinder der Welt möchte die Performace-Marke aus Affalterbach wieder die Krone unter den Kompakt-Sportlern erobern. Reichen 421 PS und ein voll variabler Allrad-Antrieb inklusive Drift-Mode, um gegen gestandene Größen wie Audi RS3, VW Golf R oder Ford Fokus RS zu bestehen?

Video-Fahrbericht unseres Partner-Mediums Mercedes-Fans.de:

Wenn Mercedes-AMG sich ein Modell aus dem Mercedes-Benz-Portfolio zur Brust nimmt, dann entsteht meist eine absolute Referenz-Maschine der jeweiligen Klasse. Seit einigen Generationen hat sich dies bei C- und E-Klasse bewahrheitet und auch der erste AMG der A-Klasse war – zumindest in Sachen Motorleistung – an der Spitze seines Segmentes. Das sollte sich natürlich auch bei der Neuauflage des A45, die gerade präsentiert wurde, nicht ändern.

Stärkster Serien-Vierzylinder der Welt!

Der Vorgänger hatte die Messlatte bereits sehr hoch gehängt. Mit 360 PS war der Kompakt-Bolide mit seinem 2-Liter-Turbomotor bereits „ausreichend“ motorisiert und übertraf seine Klassen-Gegner zum Teil deutlich. Hier legt AMG nun noch ein paar Schippen drauf und spendiert dem A 45 ganze 387 PS. Neu ist auch, dass es neben der „Basis-Variante“ nun noch eine schärfere „S“-Version analog zum C63 und E63 gibt. Diese stemmt kaum glaubliche 421 PS ins Getriebe, was einer Literleistung von 211 PS/Liter entspricht. Wohlgemerkt in einem Serienmotor. Damit ist diese Maschine der stärkste Serien-Vierzylinder der Welt. Wahnsinn! Dafür wurde das Triebwerk in Affalterbach komplett neu entwickelt und wird nun erstmals auch genau dort montiert. Endlich hat nun also auch das AMG-Prinzip „One Man – one engine“ bei der A-Klasse Einzug gehalten. Gut so!

Scharfe Front und runde Endrohre

Wir durften uns in der Nähe von Madrid mit dem A 45 S austoben und auch ein paar Runden auf der Traditionsrennstrecke von Jarama drehen. Unser Testwagen im knalligen „Sun Yellow“ machte bereits optisch klar, wohin die Reise mit ihm gehen würde – ganz klar in Richtung Fahrspaß! Die komplett neue Front mit tief herunter gezogener „Shark Nose“, Panamericana-Grill und verbeiterten Kotflügeln blitzt grimmig aus ihren LED-Scheinwerfern. Am Heck betonen ein großer Dachspoiler und der Diffusor mit vier Rippen die Sportlichkeit. Vier runde Endrohre sind ab sofort das Kennzeichen der AMG-Spitzenmodele, die Zeit der eckigen Doppelrohe ist anscheinend vorbei. Während der A 45 mit vier 82mm-Rohren aufwartet, bringt es der A 45 S auf 4x 90 Millimeter.

MBUX und neue Grafiken

Wir starteten im zivilen „Comfort“-Modus und lassen zunächst den Innenraum auf uns wirken. Das Widescreen-Cockpit inkl. MBUX-Bedienung ist aus den normalen A-Klassen gut bekannt und funktioniert auch im A 45 bestens, wenngleich man sich an die etwas verschachtelte Bedienung auch hier ein wenig gewöhnen muss. Zudem sind viele Funktionen doppelt und dreifach über verschiedene Eingabe-Tools bedienbar. Für das Cockpit entwickelte AMG eine eigene Oberfläche. Beim Kombiinstrument kann der Kunde zwischen den drei AMG Anzeigestilen „Klassisch“, „Sport“ und „Supersport“ wechseln. Besonders markant ist der „Supersport“ Modus mit zentralem, runden Drehzahlmesser und balkenförmigen Zusatzinformationen, die sich links und rechts vom Drehzahlmesser befinden: Sie reichen perspektivisch dreidimensional bis in die Tiefe des Hintergrunds zu einem künstlichen Horizont. Über das AMG Menü kann der Fahrer verschiedene Sonderanzeigen abrufen. Auch das Touchscreen-Multimedia-Display betont mit individuellen AMG-Anzeigen wie der Visualisierung der Fahrprogramme, AMG TRACK PACE und Telemetriedaten die dynamische Ausrichtung.

Top-Sitze und "eckiges" Lenkrad

Die Dynamik steht auch bei den Performance-Sitzen im Vordergrund, die dank ihrer zahlreichen elektrischen Einstellungsmöglichkeiten für jede Fahrerstatur die passende Sitzposition anbieten. Ganz neu ist ebenfalls das AMG-Sportlenkrad, das nun einen etwas dünneren Kranz besitzt und an den Seiten leicht abgeflacht wurde, wodurch das Lenkrad etwas „eckig“ wirkt. Dies ist zunächst ungewohnt und auch nach vielen Kilometern will das neue Steuer nicht wirklich gut in der Hand liegen. Vor allem die geraden Griffflächen irritieren in schnellen Kurven etwas. Zudem ist die Bedienung der kleinen Touch-Flächen nach wie vor fummelig. Die beiden AMG-Regler in den Speichen des Lenkrades lassen sich mit individuellen Funktionen belegen, wirken aber nicht sehr hochwertig. Dafür glänzt das restliche Interieur mit einer extrem guten Verarbeiten, edlen Materialien und feinen Details. So sind etwa die „S“-Modelle mit gelben Akzenten im Innenraum abgesetzt, was die Sportlichkeit nochmals betont. Großflächiger Einsatz von Sichtcarbon gehört in diesem Preissegment mittlerweile zum guten Ton.

Beschleunigung wie ein Heckaufprall

Mittlerweile sind wir im madrilenischen Hinterland angekommen, wo wir ein Paradies aus verschlungenen Bergstraßen und Kurven jeden erdenklichen Radius vorfinden. Also schnell den Fahrdynamik-Regler von „Comfort“ auf „Sport+“ und ab geht’s! Die Stellung „Race“ heben wir uns für den späteren Besuch auf den Racetrack auf, denn „Sport+“ ist für öffentliche Straßen mit gutem Belag optimal geeignet. Sofort spannt der A 45 seine Muskeln an, schärft sämtliche Sinne und knurrt uns heiser an. Zur Einstimmung aktivieren wir den Racestart-Modus und testen die Beschleunigung aus dem Stand. Wobei „Beschleunigung“ nur unzureichend beschreibt, was nach dem Loslassen des Bremspedals passiert. Der AMG schießt mit einem derart starken Ruck nach vorn, dass man im Rückspiegel sofort nach dem Unfallverursacher sucht, er einem da gerade ins Heck gerauscht sein muss. Danach treibt es den A 45 mit Urgewalt nach vorn, das AMG Speedshift Doppelkupplungsgetriebe lädt die Gänge im Sekundentakt durch und der Druck will einfach nicht nachlassen. Wie meinte PS-Gott Walter Röhrl einmal? „Die Tränen der Freude müssen waagerecht zu den Ohren abfließen“ oder so ähnlich? Genau so fühlt man im A 45. In Zahlen: 3,9 Sekunden von 0-100 km/h! Diese Beschleunigung macht einfach süchtig. Zumal der neue Motor einen betörenden Sound in den Innenraum schickt.

Göttlicher Sound - via Verstärker

Wobei hier nun einige Puristen schockiert aufstöhnen werden, denn der Sound kommt mitnichten ausschließlich vom Motor und Auspuff, sondern wird – zumindest wenn man den optionalen „AMG Real Performance Sound“ gebucht hat - mittels Lautsprecher im Innenraum verstärkt. Die Option „Performance Auspuff“ ist hingegen entfallen. Somit ist der AMG innen lauter als außen, was zwar den Emissionsvorschriften entspricht, dem Auto aber einiges von seiner Faszination nimmt. Leider.

Suchtpotenzial: 100 %

Nachdem wir uns von der Längsdynamik ausgiebig überzeugt haben, surfen wir durch die spanischen Landstraßenkurven. Und genau hierfür wurde dieses Auto gebaut. Der AMG verschmilzt im „Sport+“-Modus mit der Straße, lenkt messerscharf ein, stützt sich mit seinem von AMG entwickelten Fahrwerk sicher ab und krallt sich mit seinem 4Matic+-Antrieb fest in den Asphalt, um die nächste kurze Gerade niederzureißen. Keine Spur von Untersteuern, was im Lastenheft des A45 auch an oberster Stelle stand. Entwicklungschef Steffen Jastrow bestätigte im Gespräch, dass man sehr viel Entwicklungsarbeit leistete, um der A-Klasse das Untersteuern abzugewöhnen. Gezielte Karosserieversteifungen gehören ebenso dazu wie eine deutlich breitere Spur an der Vorderachse und das neue Fahrwerk. Nächster Anbremspunkt, knallharte Verzögerung der AMG-Bremse und das Spiel geht von vorne los. Kurve um Kurve. Stundenlang. Wenn es nach uns geht, gerne tagelang. Das ist fast schon magisch, macht absolut süchtig und ist das Beste, was man heutzutage in Sachen Fahrspaß erleben kann. Dazu bietet der A 45 auch noch in den Sport-Stellungen ausreichend Komfort, wobei die Grundabstimmung natürlich standesgemäß straff ausfällt.

Tracktool vom Feinsten

Irgendwann sind aber alle Kurven abgesurft und wir treffen wieder in Jarama auf der Rennstrecke ein. Nun gilt es herauszufinden, was der A 45 als Tracktool taugt. Hinter Instruktor Bernd Schneider nehmen wir die Rennstrecke unter die Räder, nun natürlich im „Race“-Modus und im ESP-Sport-Handling-Mode. Die Gasannahme ist nochmals schärfer, das Fahrwerk noch straffer und durch das neue Hinterachsgetriebe mit zwei Lamellenkupplungen dreht sich der A45 beim Beschleunigen wunderbar in die Kurven hinein. Bei harter Gangart fällt schon noch ein leichtes Einlenkuntersteuern auf, vor allem, wenn man beim Bremspunkt mal wieder etwas optimistisch war. Aber ein Gasstoß am Scheitelpunkt genügt, um das Auto blitzartig zu drehen und auszurichten, um sofort auf die nächste Gerade hinaus zu beschleunigen. Diese Lastwechsel verzeiht der A45 nicht nur, sondern nutzt sie gezielt zur Dynamiksteigerung. Grandios! Fairerweise muss man anmerken, dass die eigentlich grandiosen Michelin Pilot Sport 4S am Testwagen nach dem Trackday ihre besten Tage bereits deutlich hinter sich hatten.

Allrad-Drift für Anfänger

Nach dem herrlichen Rumgebolze probierten wir auf einem abgesperrten Stück noch den neuen Drift-Mode aus, der ein Leistungsübersteuern („Powerslide“) für noch mehr Fahrspaß ermöglicht. Der Drift Mode kann im Fahrprogramm „RACE“ über die Schaltpaddles aufgerufen werden, sofern das ESP deaktiviert ist und sich das Getriebe im manuellen Modus befindet. Hierbei wird die Kraft gezielt auf das kurvenäußere Hinterrad gelenkt, um steile Driftwinkel und Powerslides zu ermöglichen. Allrad-Drifts sind normalerweise nur etwas für Kenner, aber mit dieser Konfiguration können auch Anfänger (natürlich abseits öffentlicher Straßen) nach Herzenslust das Heck raushängen lassen. Dabei bleibt der Antrieb aber trotzdem im Allrad-Modus und ermöglicht so eine beeindruckende Traktion trotz Driftwinkel. Sogar Donuts sind in dieser Konfiguration möglich. Nicht unbedingt nötig, aber ungemein unterhaltsam. Und der Reifenhändler um die Ecke hat sicher auch nichts dagegen.

Preise konnten oder wollten uns die AMG-Männer noch nicht verraten, aber es ist davon auszugehen, dass der bisherige Leader A 35 mit seinem Einstiegspreis von rund 47.000 Euro deutlich übertroffen wird. Wir rechnen mit etwa 56.000 Euro für den A 45. Das Top-Modell A 45 S dürfte bei deutlich über 60.000 Euro liegen. Los geht es ab Herbst 2019.

Fahrspaß um jeden Preis!

Fazit: Den will man haben, egal wie teuer! Es ist AMG (wieder einmal) gelungen, aus einer biederen Großserien-Basis ein hoch emotionales Sportgerät zu bauen, ohne dabei die Alltagstauglichkeit aus dem Blick zu verlieren. Der A 45 bietet eine große Bandbreite von Möglichkeiten. Im Comfort-Modus fährt er sich wie ein ganz normaler Mercedes, während er in der Race-Stellung zum gierigen Track-Tool mutiert. Aber egal, in welchem Modus man sich befindet – Fahrspaß ist im Überfluss garantiert. Das geht in dieser Klasse nicht besser!

Unsere Galerie mit allen Details: 36 Bilder Fotostrecke | Der neue Mercedes-AMG A 45 S im Fahrbericht: Der neue Star unter den Kompakt-Sportlern #01 #02

Technische Daten:

 

 

Mercedes-AMG A 45 4MATIC+

Mercedes-AMG A 45 S 4MATIC+

Motor

2,0-Liter-R4 mit wälzgelagertem Twin-Scroll-Abgasturbolader

2,0-Liter-R4 mit wälzgelagertem Twin-Scroll-Abgasturbolader

Hubraum

1.991 cm3

1.991 cm3

Max. Leistung

285 kW (387 PS) bei 6.500/min

310 kW (421 PS) bei 6.750/min

Max. Drehmoment

480 Nm bei 4.750-5.000/min

500 Nm bei 5.000-5.250/min

Antrieb

AMG Performance 4MATIC+ vollvariabler Allradantrieb mit AMG TORQUE CONTROL

AMG Performance 4MATIC+ vollvariabler Allradantrieb mit AMG TORQUE CONTROL

Getriebe

AMG SPEEDSHIFT DCT 8G Doppelkupplungsgetriebe

AMG SPEEDSHIFT DCT 8G Doppelkupplungsgetriebe

Kraftstoffverbrauch
kombiniert

 

8,4-8,3 l/100 km*

 

8,4-8,3 l/100 km*

CO2-Emissionen kombiniert

192-189 g/km*

192-189 g/km*

Effizienzklasse

E

E

Beschleunigung 0-100 km/h

4,0 s

3,9 s

Höchstgeschwindigkeit

250 km/h**

270 km/h***

 

1 Kommentar

  • Patrick Reichler

    Patrick Reichler

    Liebes VauMax Team, Hier in dem Artikel stimmen ja wirklich einige Dinge nicht! Auch schon bei den Vorgängen wurde der Motor in „One Man one Engine“ Bauweise gefertigt. Nur nicht in Affalterbach! Auch hatte der direkte Vorgänger des neuen A45 keine 360 sondern 381 PS.

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