Der VW Bora fristete genau wie seine Vorgänger und Nachfolger ein Schattendasein auf dem deutschen Automarkt. So sehr sich der Konzern auch bemühte, bei den Kunden wollte der Funke des Rucksack-Golf einfach nicht überspringen.
Da brachte auch die Namensänderung von Jetta nach Vento und Bora nicht viel. Ergo heißt der ungeliebte Bruder des Millionensellers Golf nun wieder Jetta. So weit der kleine Ausflug in die Modellkunde. Was wir hier auf den Fotos sehen ist dagegen gar kein echter Bora. Vom Jetta gab es den Zweitürer ab Werk, danach war Sense mit dem Rucksack- Coupé.
Der Point of no return fürs Tuning
Irgendwann machte es bei Patrick Strasmann klick und der Schalter fiel um. Das Programm, was von nun an gestartet wurde, kannte nur eine Richtung: Vorwärts. Ab einem gewissen Punkt gibt es kein zurück mehr. Das dürfte wohl der Moment gewesen sein, als der Wagen dem Schrottplatz näher als der Straße war.
Die Bilder der ersten Umbauphasen findet Ihr HIER.
Ursprünglich war dieses Bora Coupé ein viertüriger Golf 4. Leicht angeditscht kam er mit seinem 1.4 Liter Motor zu Patrick in die Halle. Schnell eine Bora-Front drangeschraubt und einen VR6-Motor eingepflanzt, 2003 war gerettet und der Gora fuhr die ersten Treffen an.
Vom theoretischen Totalschaden zum Szene-Objekt
Die nächste Phase bestand aus einer Totalsprengung des ganzen Autos. Und das ist wortwörtlich zu verstehen! Patrick zerflexte seinen Golf, so daß nur noch Vorderwagen, Bodenblech und Fragmente der Seitenteile übrig blieben. Nun ist das Zerlegen eines Autos mit selbsttragender Karosserie wesentlich aufwändiger als zum Beispiel bei einem Käfer. Beim Krabbler läßt sich das Häuschen von der Bodengruppe trennen, da bleibt immer noch der Rahmen, der den Aufbau zusammenhält.
Ein Auto halbwegs moderner Bauart muss man sich wie einen Schuhkarton vorstellen. Mit Deckel ist die Chose sehr stabil, ohne Deckel windet und verschränkt sich die instabile Pappschachtel. Damit das nicht mit Patricks Golf passierte, schweißte der Remscheider etliche Meter Rohr zur Versteifung in das übrig gebliebene Golf-Gerippe.
Ein VW Bora a la Frankenstein
Als nächstes folgte ein Umbau auf Golf Seitenteile, 2türig, inklusive Türen. Danach paßte Patrick die unteren Seitenteile mitsamt Heck vom Bora an und schweißte zusammen, was nie zusammen gehören sollte. Die Dachhaut wurde gegen eine mit Schiebedach ersetzt. Gegen dieses Mammutprojekt wirken solche Details wie der Audi TT Tankdeckel oder etwa die Votex-Schürzen wie pille-palle Fingerübungen.
Den Antrieb baute Patrick auf einen V6 Motor eines R32 um. Und als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, hielt auch noch die Bodengruppe mitsamt Antriebsstrang eines 4Motion-Bora Einzug. Geschaltet wird standesgemäß mit DSG. Als Fahrwerk kommt ein Bagyard Airride zum Einsatz und senkt den Bora/Golf fast bis zum Bodenkontakt ab.
Ein Audi R8 diente als Teilespender
An den Achsen drehen sich die wunderschönen Doppelspeichen eines Audi R8 in 8.5x19 Zoll. Patrick besorgte sich vier vordere Felgen, spannte 225/35er Hankooks auf und steckte sie an sein Projekt. Natürlich nicht, ohne den Bremsen vorher ein Update zu gönnen. 365X34mm R8-Scheiben an der Vorderachse bringen die Fuhre im Ernstfall sicher zum Stillstand.
Zu guter letzt gab es noch ein Update am Heck. Rückleuchten vom kanadischen City Jetta sorgen zusammen mit der Kombination aus modifizierter Vortex-Heckstossstange und in die Kofferraumklappe transplantierter Kennzeichenmulde für Verwunderung bei den Betrachtern.
Geht man weiter um das Auto herum, wird bald klar: Hier ist nichts wie es scheint. Frankenstein erschuf sein Monster. Patrick hat sein Bora Coupé aus einem viertürigen Golf geschaffen. Hoffen wir, dass es sich nicht gegen seinen Schöpfer richtet!
Text & Fotos: Igor Vucinic
VAU-MAX kompakt
Fahrzeugtyp: VW Golf 1.4
Baujahr: 1998
Motor: Umbau auf 3.2 Liter V6 BFH, 241 PS, Abdeckungen glänzend lackiert
Auspuff: 3 Zoll FMS Auspuffanlage
Räder: vier Audi R8 Vorderachs-Alufelgen in 8.5x19 ET42, Lochkreisadapter von 5x100 auf 5x112
Reifen: Hankook in 225/35 R19
Bremsen: R8-Bremse an der Vorderachse, hinten original Bora V6 4motion Bremsanlage
Fahrwerk: Bagyard Airride, 4motion Stabi
Karosserie: Umbau auf Bora-Front, komplette Karosserie aufgetrennt, Seitenteile eines 2-türigen Golf eingeschweißt, Heck von Bora Limousine angesetzt, Dachhaut mit Schiebedach eingeschweißt, 4motion Bodengruppe, Votex Frontschürze, geänderte Votex Heckschürze, Heckklappe und Rückleuchten vom kanadischen City Jetta, Nummernschildmulde in Heckklappe eingeschweißt, Audi TT Tankdeckel, Bora original Xenonscheinwerfer, hintere Seitenscheiben Sonderanfertigung
Innenraum: Golf R32 Lenkrad mit DSG Schaltpaddeln, R32 Instrumente, schwarze Recaro Ledersitze mit Memoryfunktion,
ICE: Alpine IVA W505 R Headunit mit Serienlautsprechersystem
5 Kommentare
Peter William Lemans
21. Dezember 2017 15:17 (vor über 7 Jahren)
Basti Schubert
22. Mai 2017 18:56 (vor über 7 Jahren)
Sibbelysalat
3. Dezember 2012 14:04 (vor über 12 Jahren)
Www.VW-Skoda.de
30. November 2012 14:03 (vor über 12 Jahren)
Www.der-bora.de
29. November 2012 15:16 (vor über 12 Jahren)
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