Erste Fahrt im neuen VW Golf GTI Clubsport (2020)

Lohnt sich der GTI Clubsport, oder reicht der Basis-GTI?

Erste Fahrt im neuen VW Golf GTI Clubsport (2020): Lohnt sich der GTI Clubsport, oder reicht der Basis-GTI?
Erstellt am 10. November 2020

Zwischen den Golf GTI und Golf R schiebt Volkswagen mit dem Clubsport noch eine weitere GTI-Version. Doch sind 300 PS für einen reinen Vorderantrieb nicht etwas zu viel des Guten? Im Alltag ist der Clubsport eigentlich ein ganz normaler GTI – fast. Doch bei Volkswagen hält so langsam das Porsche-Prinzip Einzug: Aus möglichst jeder Modellvariante wird das Beste mit höchstem Ertrag herausgepresst und in Salamitaktik vorgestellt. Bestes Beispiel ist der neue VW Golf. Dieser ist nicht nur in den allgemein bekannten Motorvarianten mit Diesel-, Benziner- oder Plug-In-Antrieb zu bekommen, sondern auch als Sportversion. Genügten hier lange Jahre ein bis zwei Versionen, so ist die Palette an sportlichen Sprintern mittlerweile deutlich breiter geworden. Die Basis bildet der normale VW Golf GTI, der mit seinen 245 PS exzellente Fahrleistungen bei hohem Alltagsnutzen bietet. Doch der GTI ist längst kein Einzelkämpfer mehr – auch nicht bei der noch so jungen achten Golf-Generation.

Nur 20 PS bis zum Golf R

Denn neben der Top-Sportversion, dem 320 PS starken VW Golf R, der als einziges Modell über einen vorteilhaften Allradantrieb verfügt, gibt es auch noch den Golf GTI Clubsport. War der Name bis vor wenigen Jahren markenübergreifend ein sicheres Kennzeichen für echte Rennstreckengene, so ist das Kürzel „CS“ hinter dem GTI-Signet mittlerweile ein Ausrufezeichen, das fast schon selbst zur Submarke aufgestiegen ist. Der VW Golf GTI Clubsport ist ein nachgeschärfter GTI, dessen zwei Liter großer Turbovierzylinder eine nennenswerte Leistungsspritze auf 221 kW / 300 PS bekam.

Damit kratzt er an die Tür der Allradversion Golf R oder des Audi S3 mit 320 / 310 PS und lockt die zumeist männlichen Interessenten mit einer Mischung aus Nachschlag und Imagegewinn. Statt der üblichen 370 Nm leistet der nachgeschärfte GTI CS ein leicht erhöhtes Drehmoment von 400 Nm, das stetig zwischen 2.000 und 5.000 U/min zur Verfügung steht. Der stärkste aller Serien-GTIs ist er damit allerdings nicht. Die erste Clubsport-Version lockte 2016 mit 265 und einem kurzzeitigen Boost von 290 PS. Die auf 400 Fahrzeuge limitierte Sonderedition des GTI Clubsport S holte im gleichen Jahr mit ihren 228 kW / 310 PS seinerzeit den Rekord für frontgetriebene Fahrzeuge auf der Nordschleife des Nürburgrings mit einer Zeit von 7:49:21 Minuten.

Schneller darf nur der R sein

Spurtet der normale Golf 8 GTI mit seinen 245 PS und dem siebenstufigen Doppelkupplungsgetriebe aus dem Stand in 6,3 Sekunden auf Tempo 100 und wird bei 250 km/h eingebremst, so bietet der Clubsport nicht nur einen vergrößerten Dachkantenspoiler nebst ovaler Endrohre, sondern auch etwas gesteigerte Fahrleistungen. Da im Unterschied zum bis zu 270 km/h schnellen R-Golf auch beim Clubsport bei Tempo 250 abgeregelt wird, und der Imagespurt mit 5,6 Sekunden zwar schneller, aber nahezu unbemerkt flotter stattfindet, ist der Zugewinn an Fahrspaß überschaubar.

Das Fahrwerk ist straff bis hart, je nachdem in welchem der Fahrprogramme man die Zügel lockerlässt. Dabei ist bereits die Gesamtabstimmung etwas straffer als beim GTI – auch weil der CS 15 Millimeter tiefer über dem Asphalt hängt. Wer besonders schnell unterwegs sein will, sollte sich seinen Individualmodus selbst kreieren. Motor, Getriebe und Lenkung spitz, Dämpfer weicher – das passt zusammen bestens. 

Die Rückmeldung der Vorderachse ist exzellent, die Lenkung nebst entsprechender Unterstützung ebenfalls. Doch die hohen Antriebskräfte mit 300 PS und 400 Nm sind trotz elektronischer Quersperre noch spürbar. So hat der Clubsport, nicht zuletzt wegen kühler Reifen und zudem Winterpneus, allemal Mühe, sein schäumendes Temperament auf der Fahrbahn umzusetzen. Die Vorderachse verhält sich prächtig, die Hinterachse kaum schlechter, und der ungestüme Vorwärtsdrang überrascht bei einem Fronttriebler in dieser Leistungsklasse nicht wirklich. Klar dreht der Zweiliter-Turbo noch etwas williger und bissiger nach oben. Aber muss es dafür ein Clubsport sein, oder hätte es nicht auch ein normaler GTI getan? Der geneigte Kunde dürfte sich im Alltag schwer tun, die Unterschiede ohne optischer Dreingaben verifizieren zu können. Denn dazu ist die 245-PS-Version einfach zu gut, zu sportlich und zu hungrig, Kurven und Kilometer zu fressen.

Überschaubare Unterschiede

Die überschaubaren Unterschiede im Fahrbetrieb setzen sich, in dieser Liga der Sportler nicht ganz unbeachtlich, im Innenraum fort. Die Sportsitze sind toll konturiert und bieten auch ohne die fehlende Oberschenkelauflage für groß gewachsene Insassen eine gute Langstreckenqualität. Wie schon beim normalen GTI bekommt der GTI Clubsport jedoch deutliche Abzüge für seine Bedienung.

Die viel zu empfindlichen Sensortasten am Lenkrad sind nervig. Bei schneller Kurvenfahrt oder Unaufmerksamkeit rutscht man im frei konfigurierbaren Instrumentendisplay allzu schnell eine Menüstation zu weit, verpasst den Druckpunkt oder wechselt den Radiosender, ohne es zu wollen. Dass die Slider an der Unterseite des zentralen Multifunktionsbildschirms ebenso unbeleuchtet sind, wie der für die Lautstärke, kann nur ein schlechter Witz sein. Und wenn das Bediensystem sich zum wiederholten Male mit einem schwarzen Bildschirm verabschiedet, wünscht man sich schneller als erwartet das bewährte System des Golf 7 zurück.

Das gilt nicht für das Platzangebot, denn im VW Golf GTI Clubsport haben allemal zwei Erwachsene und zwei Kinder ausreichend Platz. Mehr ist in dieser Klasse nicht zu machen, und nur selten dürften in dem allein als Fünftürer erhältlichen Golf mit Sportabzeichen mehr als ein oder zwei Personen sitzen. Der praktikable Laderaum ist mit 380 Liter, die sich auf 1.270 Liter erweitern lassen, groß genug. Doch wie wäre es mit einer elektrischen Heckklappe? Die wird mittlerweile selbst in der Kompaktklasse von einigen Mitbewerbern angeboten. Und wie bei einer Sitzheizung oder elektrischen Fensterhebern gilt: Wer diese einmal besessen hat, will nie wieder darauf verzichten.

Lohnt es sich denn nun, einen mindestens 40.227 Euro teuren Clubsport in die eigene Garage zu holen oder tut es auch der normale GTI, der immerhin 2.600€ günstiger ist? Die Wahl fällt leichter als gedacht. Denn mit seinem recht geringen Mehrpreis rückt der Clubsport dem Top-Modell der Golf Baureihe bedrohlich nah und ist mit ihm verglichen fast schon ein Schnäppchen. Wer den Golf R mit seinem Allradantrieb will muss nämlich weitere 7.800 € drauf legen, bekommt dafür aber gerade einmal 20 PS an Mehrleistung.

Preislich geht es beim Clubsport fast immer noch ein ganzes Stück weiter nach oben. Denn so sinnvolle und für viele schon längst selbstverständliche Ausstattungsdetails wie Navigationssystem mit DAB und Smartphone-Ladeschale (1.033 Euro), Head-Up-Display (682 Euro), Alarmanlage (341 Euro), Abstandstempomat (311 Euro), Einparkhilfe (565 Euro) oder die adaptive Fahrwerksregelung (1.018 Euro) sind nur optional zu haben, obwohl das meiste davon bei einem derartigen Topmodell eigentlich serienmäßig an Bord sein sollte.
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Technische Daten: 2020 VW Golf GTI Clubsport

Motor: Vierzylinder-Turbomotor
Hubraum: 1968 ccm
Leistung: 221 kW / 300 PS
Max. Drehmoment: 400 Nm ab 2.000 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0 – 100 km/h: 5,6 Sekunden
Normverbrauch: 6,6 Liter SuperPlus / 151 g CO2

 

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