Der VW Golf GTI TCR im VAU-MAX.de Tracktest

Der Über-GTI für die Rennstrecke - selbst gefahren!

Der VW Golf GTI TCR im  VAU-MAX.de Tracktest: Der Über-GTI für die Rennstrecke - selbst gefahren!
Erstellt am 29. November 2017

Golf GTI, GTI Performance, Golf R – geht da noch mehr? Ja, und zwar viel mehr! Zwar nicht für die Straße, aber für die Rennstrecke. Vau-Max.de testete die Kundensport-Waffe von Volkswagen-Motorsport, den VW Golf GTI TRC!

Ein Golf GTI Performance als Vorspeise!

Ein diesiger Morgen in einem Hotel in der Nähe von Rom. Frühes Frühstück, dann Testwagen-Ausgabe. Ein Presse-Fahr-Event, sozusagen tägliches Brot für die Tester von Vau-Max.de. Auf dem Parkplatz steht ein feuerroter VW Golf GTI Performance, nach dem Golf R momentan die Spitze im Wolfsburger Golf-Sport-Sortiment. Schon alleine die Vorstellung, mit diesem Gerät den ganzen Tag durch das Umland von Rom zu fegen, würde die noch verschlafene Stimmung schlagartig heben. Nur haben wir den GTI Performance nicht den ganzen Tag, sondern nur knapp 45 Minuten. Warum uns das nicht die Laune verdirbt? Weil der Performance-Golf nur der Aufgalopp, quasi die Vorspeise ist für einen Tracktest, den man auch als Autotester nicht alle Tage absolvieren darf. Es geht nämlich schnurstracks auf die nahe Rennstrecke in Vallelunga, wo wir den GTI abstellen und sofort tief in den Motorsport abtauchen. In der Box stehen zwei Exemplare des Kundensport-Renners von Volkswagen-Motorsport, dem Golf GTI TCR.

Der TCR stammt vom GTI Performance (links) ab. Der Einser (rechts) ist der Urahn aller Gölfe.

TCR – Tourenwagen für echte Racer!

Die TCR ist eine junge Tourenwagenklasse, die sich aber innerhalb kürzester Zeit größter Beliebtheit erfreut. Es gibt Meisterschaften in unzähligen Ländern und auch ein internationales Championat. Die große Beliebtheit rührt in erster Linie von den Fahrzeugen her. Hier sind keine hochgezüchteten Prototypen wie in der DTM – die das „Tourenwagen“ nur noch im Namen führt – am Werk, sondern klassische Tourenwagen, die auf ganz normalen Autos basieren. Mittlerweile bieten sehr viele Hersteller TCR-Fahrzeuge auf Basis ihrer Kompaktmodelle an. Kein Wunder, dass es sich auch Volkswagen Motorsport nicht nehmen ließ, einen Renner auf Basis des GTI Performance zu entwickeln.

Riesiger Spoiler und dicke Backen begeistern die Fans!

Bezahlbare Technik und spektakuläre Optik!

Die Fans fordern immer wieder spektakuläre Autos, die auch mal die eine oder andere Berührung aushalten. Und genau so wurde das technische Reglement der TCR aufgelegt. Der TRC-GTI kommt sehr maskulin daher, mit breiten Backen, großen Schürzen und einem ausladenden Heckflügel. Der Seriengolf wirkt im direkten Vergleich geradezu schlank, fast mager. Unter der Haube des TCR werkelt hingegen fast ein Serienmotor aus dem GTI. Nur ein großer Ladeluft-Kühler, ein Sportluftfilter und eine Sportauspuffanlage mit in den Endrohren integrierten Kats sorgen in Verbindung mit spezieller Software für 350 PS und 420 Nm Drehmoment. Zugleich sank das Gewicht erheblich. Die angesprochene Auspuffanlage verhilft dem 2 Liter großen Triebwerk darüber hinaus zu einem Sound, der Gänsehaut erzeugt und jedem TÜV-Prüfer die Tränen in die Augen treiben würde.

Auch von vorn einfach ein geiler Anblick!

Renn-Legende als Fahrlehrer!

In der Box treffen wir zunächst auf gute Bekannte. Renn-Legende Hans-Joachim „Striezl“ Stuck ist als VW-Markenbotschafter ebenso vor Ort wie TCR-Ass Benjamin Leuchter und VW-Teamchef Franz Engstler. Leuchter und Stuck übernehmen die Einweisung in das Rennfahrzeug, bevor es zunächst mit den normalen GTIs hinaus auf die Strecke geht. Rennlinie lernen steht auf dem Programm. An neuralgischen Stellen steigen wir aus und lassen uns von den Profis die Eigenheiten der Strecke erklären. Dabei wächst der Respekt vor der Aufgabe. Schließlich bewegen wir nachher ein knapp 100.000 Euro teures Werks-Sportgerät.

Streckenbesichtigung mit den Profi-Racers Stuck und Leuchter!

Safety First – Komfort egal!

Zurück in der Box schlüpfen wir in die feuerfeste Unterwäsche, ziehen den coolen VW-Rennanzug darüber und steigen das erste Mal zur Sitzanpassung in den TCR-Golf. Da heute mehrere Kollegen mit dem Auto fahren, wurde für die Sitzposition eine Kompromiss-Stellung gewählt. So sitze ich ein wenig zu hoch und das kleine Lenkrad verdeckt einen Teil des digitalen Displays, das anstatt der normalen Instrumententafel auf der Lenksäule sitzt. Aber egal, ich lasse erstmal das abgespeckte Interieur auf mich wirken. Hier wurde wirklich alles entfernt, was zum Rennfahren nicht unbedingt nötig ist. Dafür kam eine massive Sicherheitszelle an Bord, eine Feuerlöschanlage sowie ein Schalensitz samt Sechspunktgurten. Mit diesen werde ich nun von Benjamin Leuchter gnadenlos festgezurrt. Noch kurz das abnehmbare Lenkrad mit den vielen Knöpfen aufgesteckt, ein kurzes „Viel Spaß“ von Benjamin und schon schließt sich die Tür.

Mittels des Startknopfes am Lenkrad werfe ich den Motor an und ziehe den Schalthebel – mehr oder weniger das einzige Serien-Bauteil im Interieur - des DSG-Getriebes auf „M“. Der TCR-Golf wird mit zwei verschiedenen Getriebe-Variante angeboten. Standard ist das DSG, das über eine ganze Saison nicht revidiert werden muss und entsprechend günstig im Unterhalt ist. Es ist schon bemerkenswert, dass dieses früher oft gescholtene Getriebe mittlerweile eine komplette Saison im harten Rennbetrieb klaglos übersteht. Respekt. Die zweite, mit 20.000 Euro Aufpreis sehr kostspielige Variante ist eine sequenzielle Schaltbox, die zwar in Sachen Performance noch ein paar Sekundenbruchteile heraus holt, aber deutlich aufwendiger zu warten und zu bedienen ist. Mit dem DSG lege ich einfach bei getretener Bremse den ersten Gang ein und rolle los.

Einfädeln: Redakteur Christopher Otto schält sich in den TCR!

Langsam ans Limit!

Zunächst geht es zum eingewöhnen hinter Benjamin in seinem Serien-GTI auf die Piste. Schon jetzt begeistert der TCR-Golf mit seinem extrem lauten Sound, der bissigen Gasannahme und dem knackigen Handling. Ich gebe mir größte Mühe, die Slicks auf Temperatur zu bringen, was gerade auf der Hinterachse des Fronttrieblers einerseits extrem wichtig, andererseits aber auch sehr schwierig ist. Nach ein paar Runden Aufwärmtraining biegt Benjamin in die Box ab und ich kann auf Zeitenjagd gehen. Nach der schnellen Start-Ziel-Geraden und einem leichten Linksknick kommt eine ultraschnelle Rechts, die kurz angebremst werden muss. Durch die verstärkerlose Bremse und die Slicks ist es anfangs sehr schwer, ein Gefühl für den perfekten Bremsdruck zu bekommen. Außerdem ist der Respekt vor dieser Mutkurve sehr groß. Profi Franz Engstler, bei dem ich später als Gast auf dem Beifahrersitz des TCR Platz nehmen durfte, flog hier mit einem kurzen Antipper der Bremse mit einem beängstigendem Speed durch. Ich lasse es lieber etwas langsamer angehen, schließlich möchte man nicht der Depps ein, der den TCR in der ersten Runde in die Leitplanken stopft…

Hammer-Bremse und Slicks fordern den ganzen Kerl!

Mit den folgenden Kurven steigt das Gefühl und das Vertrauen in das Fahrzeug. Der Golf liegt extrem gut und hat sehr viel Grip. Durch das hohe Drehmoment kann man auch mal einen Gang höher durch die Kurven fahren und so unnötiges Untersteuern beim heraus beschleunigen vermeiden. Die Slicks beißen in den Kurven und beim Bremsen dramatisch in den Asphalt, so dass man unglaubliche Kurvengeschwindigkeiten erreicht. Nur die Hinterachse des Fronttrieblers zeigt sich etwas zickig und schnalzt gern mal in Kurven heraus, was wohl vor allem in der noch fehlenden Temperatur in den Reifen liegt. Mehr als einmal muss ich das ausbrechende Heck wieder einfangen. Daher bleibe ich auch in der engen Schikane eher vorsichtig, bevor ich mit der langen Rechts wieder auf Start/Ziel einbiege. Nach ein paar Runden hat man begriffen, wie viel dieses Fahrzeug und vor allem die Kombination Slickreifen und Rennbremse eigentlich kann und tastet sich immer mehr ans Limit heran. Schade nur, dass genau in diesem Moment die karierte Flagge kommt und meine enthusiastische Fahrt beendet.

Der Redakteur nähert sich dem Limit - mit viel Respekt!

Profi Engstler zeigt, was geht!

Nach der Session ging es stilecht zur Datenanalyse. Hier wurden anhand der Aufzeichnung von sämtlichen Fahrdaten gnadenlos meine Schwachpunkte offenbart. Vor allem in den schnellen Passagen verlor ich auf die Referenzrunde von Benjamin Leuchter viel Zeit, während es in den engen Kurven doch deutlich besser aussah. Die anschließende Taxi-Fahrt mit Franz Engstler zeigt dann aber nochmals deutlich, wie viel Potenzial im TCR steckt. Der Tourenwagen-Profi ließ den Golf derart um die Strecke fliegen, dass es eine wahre Freude war. Sogar heftige Drifts mit dem Fronttriebler meisterte Franz nicht nur souverän, sondern zelebrierte sie geradezu. Was für ein Genuss.

Profi Franz Engstler nähert sich ebenfalls dem Limit - von oben!

Ich will mehr…!

Dieser Tag weckt ungesunde Überlegungen in einem. Den ganzen Rückflug über grübelt man, wo man das Budget für eine Rennsaison auftreiben könnte. Oder auch nur für ein Rennen. Oder wenigstens weitere Testfahrten… Diese Sucht lässt erst viel später nach, wenn die Vernunft wieder  die Kontrolle übernimmt. Ähnlich ging es wohl auch dem ebenfalls anwesenden „PS-Profi“ Sidney Hoffmann, der nach seinem Test ebenfalls extrem begeistert war und auffällig lange mit TCR-Boss Engstler und den VW-Motorsport-Leuten die Köpfe zusammen steckt. Kaufbar ist der VW Golf GTI TCR ab 95.000 Euro mit DSG-Getriebe. Für 115.000 Euro bekommt man den Renner mit der sequenziellen Schaltbox. Einsetzen kann man das Fahrzeug zum Beispiel in der Serie TCR Germany im Rahmen des ADAC GT Masters.

Der PS-Profi mit den Renn-Profis!

Weitere Golf GTI TCR-Bilder findet Ihr hier 63 Bilder Fotostrecke | Der VW Golf GTI TRC im Tracktest: Der Über-GTI für die Rennstrecke! #01 #02

 

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