Wiedergefunden: SKODA SPORT

Stark gescheitert: Strietzel Stuck über den ersten Ost-Block-Rennwagen in LeMans

Wiedergefunden: SKODA SPORT: Stark gescheitert: Strietzel Stuck über den ersten Ost-Block-Rennwagen in LeMans
Erstellt am 25. August 2020

Wer an die ersten richtig sportlichen Skodas denkt, kommt vermutlich schnell auf die Heckmotor-Coupes vom Schlage Skoda 110 R und 130 R. Nicht schlecht, aber die Tschechen waren schon vorher schnell unterwegs. Der hier gezeigte Roadster, der ein bisschen ausschaut wie die Kreuzung aus britischem Roadster und sportlichem Käfer-Derivat auf Brezel-Basis, ist wahrlich eine kleine Sensation....

1950 holperte ein tschechischer Renntransporter die letzten Meter hoch zum Fahrerlager von LeMans. Hier würde an diesem Wochenende so oder so wieder Motorsportgeschichte geschrieben werden, wenn nach 24 Stunden am Sonntagnachmittag Auto und Fahrer als Sieger abgewunken werden. Aber der Renntransporter hatte eine echte Sensation geladen.

Nach dem Neuanfang 1949 war dies also die zweite Neuauflage des Langstreckenrennens nach nach dem 2. Weltkrieg. Überrollbügel und Gurte waren fast noch völlig unbekannt, verkappte Werksteams wie das von Briggs Cunningham gab es damals aber auch schon. Cunningham brachte einen gewaltigen Cadillac Seville mit 5.4 l-V8 an den Start und zur allgemeinen Überraschung landete das Ungetüm auf dem 10. Gesamtrang.  Namen wie Ferrari, Bentley oder Jaguar fanden sich natürlich schon damals in der Starterliste. Und dennoch hatte das 24 Stundenrennen von LeMans in diesen Tagen einen ganz anderen Charakter als heute. Viel dazu beigetragen haben die Teams, die mit einem Renault 4 CV (Cremeschnittchen), einem MG oder einem Panhard Dyna bei diesem materialmordendem Langstreckenrennen angetreten sind. Sie spekulierten auf einen Klassensieg, oder darauf, durch Ausfälle der empfindlicheren Rennwagen, ein Stückweit  im Klassement nach vorn gespült zu werden. Und dann gab es ja noch die Ökonomiewertung, da war so ein 4CV eine echte Waffe.

Dieses Szenario wurde dann an diesem Juniwochenende durch eine weitere Sensation angereichert. A.Z.N.P, so der neue Name der Rennabteilung des tschechischen Herstellers Skoda, der in der Automobilsportwelt damals schon eher durch seine Rallye-Einsätze bekannt war, hatte einen ultraflachen Roadster, den Skoda Sport gemeldet.  Das Fahrerduo Václav Bobek und Jaroslav Netušil ging in mitten im kalten Krieg als erstes Ost-Team bei dem westlichen 24 Stunden-Spektakel in LeMans an den Start. Als wäre das nicht schon sensationell genug, schlug sich der mit einer Alukarosse verkleidete Roadster, der weder einen Sicherheitsgurt noch einen Überrollbügel besaß, dafür aber stramme 50 PS, gar nicht so schlecht.

Rund 140 Sachen soll der 590 kg leichte Skoda Sport auf den langen Geraden von Le Mans geschafft haben. Václav Bobek und Jaroslav Netušil fuhren damit im Rennen eine schnelle Runde nach der anderen. Bis ein Pfennigartikel die Jagd nach dem Ruhm beendete. Auf Platz 2 in ihrer Klasse liegend mussten Václav Bobek und Jaroslav Netušil das Rennen aufgeben, als ein Sicherungsring an einem Kolbenbolzen brach. LeMans erlebte bei unerwarteten Schäden schon die größten Wunder. So fanden sich im Wald neben der Piste des öfteren schon Schaufeln, Keilriemen, Reserveräder, aber ein Sprengring ward in der Sarthe noch nicht gesehen.

Zumal der kleine Vierzylinder nach dem Kollaps seines Kolbens ohnehin irreparabel gewesen sein dürfte. Die Hoffnungen der rennfahrenden Arbeiterklasse zerschellten ungeachtet aller Mühen an einem kleinen Sprengring.

Der zweifache Le Mans-Sieger Hans-Joachim Stuck ist vom Skoda Sport fast schon ein bisschen beeindruckt

Die Leistung des 1,1 Liter kleinen Vierzylinders, der es im Serientrimm auf 32 PS brachte, verdoppelten die Techniker nahezu. Eine auf 8,6:1 erhöhte Verdichtung, der Einbau eines Solex-40-Vergasers und die Verwendung eines Rennkraftstoffs aus Benzin, Ethanol und Azeton entlockten dem 1.089-Kubikzentimeter-Aggregat eine Leistung von 50 PS (37 kW) bei 5.200 Umdrehungen. Im Zusammenspiel mit der kaum hüfthohen Alukarosserie reichte das für 140 km/h Topspeed. LeMans-Sieger Stuck dürfte bei diesem Tempo 1986 bei seinem Porsche 962C  gerademal im zweiten Gang gewesen sein.
Ein weiterer Wettbewerbsvorteil des Skoda lag im geringen Verbrauch von nur etwa zwölf Litern pro 100 Kilometer. Eine Tankfüllung ermöglichte daher vier Stunden Fahrzeit. Vaclav Bobek und Jaroslav Netušil, die sich am Steuer des Skoda Sport abwechselten, konnten deutlich längere Stints absolvieren als ihre Konkurrenten. Die Frage nach dem "was wäre wenn" beschäftigt im Motorsport wohl all jene, die mit einem siegfähigen Auto angereist kamen, schlussendlich aber mit einem geplatzten Traum nach Hause fahren mussten.

Lange Jahre nach dem Ereignis wurde das Auto von Michal Velebný, dem Enkel des damaligen Konstrukteurs, wieder aufgespürt und behutsam restauriert. Skoda will den Skoda Sport im Jahr 2021 noch einmal nach LeMans zurückbringen. Wir drücken die Daumen, dass alle Sprengringe halten. Übrigens gewonnen hatte 1950 das 24h-Rennen ein Talbot-Lago. Das Schicksal aber sollte diese Marke noch härter strafen als Skoda. Es gibt sie heute nämlich nicht mehr.

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