Panamericana - Leningrad Cowboys rocken die Rallye

Ganz Mexiko feiert den „Geist der Carrera“ auf dem Weg nach Nuevo Laredo

Panamericana - Leningrad Cowboys rocken die Rallye: Ganz Mexiko feiert den „Geist der Carrera“ auf dem Weg nach Nuevo Laredo
Erstellt am 16. Dezember 2009

Seelenruhig läßt sich Sakke Järvenpää den kompletten Inhalt einer großen Wasserflasche von oben in seinen feuerfesten Rennanzug laufen. „Das ist beste Methode, um bei diesen Temperaturen frisch zu bleiben. Verdunstungskälte wirkt Wunder!“, erklärt der Sänger der finnischen Rock-Gruppe Leningrad Cowboys mit schelmischem Grinsen. Beim Zwischenstopp an einer Tankstelle im Nirgendwo Mexicos steht er neben seiner 1958er Corvette und wartet auf den Beifahrer. Währenddessen ist der Kassierer sichtlich überfordert vom heuschreckenartigen Ansturm der Teams:

Mit verdutztem Blick nimmt er die Pesos entgegen, mit denen die durstigen Piloten die bereits leeren Getränkedosen bezahlen wollen. Draußen im Schatten prüfen die Mechaniker im Eiltempo Ölstand, Reifen und Kühlerschläuche. Improvisation, Kreativität und Talent entscheiden das härteste Straßenrennen quer durch Mexiko. Die Herausforderungen für Mensch und Maschine sind gigantisch: 3634 Kilometer legen die rund 100 Teams vom südlichen Huatulco bis ins nördliche Nuevo Laredo zurück.

587 Kilometer werden „Speed-Sections“ gefahren

587 Kilometer davon werden als so genannte „Speed-Sections“ gefahren: Hier entfalten die heiß gemachten V8-Motoren ihren charakteristischen, heiseren Klang. Der Asphalt glüht in der kargen Landschaft zwischen Karibik und Pazifik, während die Besatzungen um jede Sekunde kämpfen. Nur Schlangen und Skorpione sind Zeuge, wenn in einsamen Serpentinen das Heck ausbricht und der ungewollte Drift am meterhohen Kaktus endet. In solchen Fällen hilft das grüne „OK“-Schild im 313 Seiten starken Roadbook. Somit kann der nachfolgende Rallye-Arzt die relativ harmlose Situation sofort einschätzen.

Klar ist das Rennen gefährlich

„Klar ist das Rennen gefährlich und manchmal gibt es wirklich böse Unfälle. Doch gerade darin sehen viele Teilnehmer den Reiz der Panamericana“, erklärt Eduardo Leon mit einer Dose Bier in der Hand nach dem Zieleinlauf in Oaxaca den Erfolg der Veranstaltung. Er hat den Mythos im Jahr 1988 wiederbelebt. Gedrungen die Statur, listig der Blick und selbstbewusst das Auftreten des „Paten“ der Carrera.

Mit viel Charme und Sympathie stellt er seine einzigartige Position heraus: „Es ist mein Rennen.“ Er allein entscheidet über Zusage oder Ablehnung der Teilnehmer. Eduardo ist authentisch. Während des Rennens sieht man ihn überall an der Strecke. Er hat für jedes Team ein offenes Ohr und ein aufmunterndes Wort parat.

Sein diplomatisches Geschick hilft ihm auch bei der Planung der Rallye. Polizei und Politik hören auf Eduardo, wenn für die speziellen Wertungsprüfungen öffentliche Straßen für einen halben Tag gesperrt werden müssen. Diese wichtige Aufgabe übernehmen die „Federales“, so nennen sie die Bundespolizei in Mexico. Deshalb werden die Beamten in ihren schweren Limousinen, dunkelblauen Dodge Charger mit massiven Rammbügeln und Dauerblaulicht, beim Passieren von den Zuschauern begeistert gefeiert.

Auch Volker Hauser aus Südbaden profitierte von einem Polizeieinsatz: Nach einer Reparatur seines roten Alfa Romeo mitten im Rennen räumten ihm die Federales per Blaulicht und Sirene die Straße frei. So konnte er im Formationsflug mit dem dunkelblauen Dodge Charger durch den Berufsverkehr von Oaxaca doch noch rechtzeitig den Marktplatz erreichen.

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Am Ende des dritten Tages sind Instandsetzungsarbeiten an den Rennern dringend nötig

Die Nacht liegt über dem Parkplatz des Fiesta-Inn-Hotels in Queretaro. Die Stadt, 200 Kilometer nördlich von Mexico-City, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist für zwölf Stunden Zwischenstopp der „Carrera Panamericana“. Während die Fahrer bei der Besprechung für den kommenden Tag sitzen, stehen hier die Hudson, Ford und Lincoln. Bei trübem Licht der Arbeitslampen liegen die Mechaniker unter den Autos.

Knarrende Drehmomentschlüssel, klappernde Wagenheber und natürlich das Klirren der Bierflaschen dringen durch die Dunkelheit. Am Ende des dritten Tages sind Instandsetzungsarbeiten an den Rennern dringend nötig. Knietiefe Schlaglöcher, Temperaturschwankungen bis zu 30 Grad und das mörderische Tempo haben Fahrwerk, Motor und Karosserie schwer zugesetzt.

Die Nacht liegt über dem Parkplatz des Fiesta-Inn-Hotels in Queretaro. Die Stadt, 200 Kilometer nördlich von Mexico-City, gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und ist für zwölf Stunden Zwischenstopp der „Carrera Panamericana“. Während die Fahrer bei der Besprechung für den kommenden Tag sitzen, stehen hier die Hudson, Ford und Lincoln. Bei trübem Licht der Arbeitslampen liegen die Mechaniker unter den Autos. Knarrende Drehmomentschlüssel, klappernde Wagenheber und natürlich das Klirren der Bierflaschen dringen durch die Dunkelheit. Am Ende des dritten Tages sind Instandsetzungsarbeiten an den Rennern dringend nötig. Knietiefe Schlaglöcher, Temperaturschwankungen bis zu 30 Grad und das mörderische Tempo haben Fahrwerk, Motor und Karosserie schwer zugesetzt.

"Wir haben die 911er in monatelanger, mühevoller Arbeit aufgebaut"

In der Ecke des Hotel-Parkplatzes schrauben mehrere Mechaniker hoch konzentriert an drei Porsche. „Wir haben die 911er in monatelanger, mühevoller Arbeit aufgebaut“, berichtet Alfredo Villa Calleja mit stolzem Blick. Insider nennen ihn „Pipo“ Villa. Der Mittfünfziger ist für die jeweils 900 Kilogramm leichten Wagen verantwortlich. Um die Rennmaschinen in Form zu halten, ist mehr nötig als eine Kiste Werkzeug und eine Kiste Bier.

Der komplett ausgestattete, dreiachsige Service-Lkw des Teams Televisa, Mexicos größtem Fernsehsender, ist sauber wie ein Operationssaal. „Das hier ist eine ernsthafte Angelegenheit. Schon kleinste Fehler von uns können für die Fahrer auf einer der „Speed-Sections“ recht unerfreuliche Konsequenzen haben“, erklärt er mit ernster Stimme. Auf den Serpentinenstrecken der Sierra Madre donnern die Piloten mit mehr als 180 km/h durch die Kurven. Leitplanken sind selten und dahinter gähnen felsige Abgründe.

In den Etappenorten der Rallye regiert der Ausnahmezustand

In den Etappenorten der Rallye regiert der Ausnahmezustand, wenn Stig Blomquist in seinem Studebaker die Stadtgrenze erreicht. Auf dem Marktplatz in Oaxaca und beim Mittagsstop in Tehuacán herrscht Volksfest-Stimmung. Fahrer und Autos sind umringt von Zuschauern. Die aufwendigen Autogrammkarten werden den Amateuren genauso aus den Händen gerissen wie den Profis. Aus allen Richtungen ertönt Mariachi-Musik. Ganz Mexiko ist stolz auf dieses weltweit einzigartige Rennen – und feiert den „Geist der Carrera“. Nationale Diskussionen um CO²-Belastung, Benzinverschwendung und Unfallgefahr finden nicht statt.

Gestern erreichte der Rallyetross schließlich Nuevo Laredo. Zum Sieger der 26. Carrera Panamericana wurde „NAME NACHNAME“ auf „MODELL“ gekürt. Aber auch alle anderen Teilnehmer werden glücklich zurückkehren – nach Seattle, Stuttgart und Monaco. Nachdem sie ihre Flüche über die kraterzerfurchten Straßen Mexikos vergessen haben, werden sie von der großartigen Kameradschaft bei der Rallye schwärmen und bei einem Glas Tequila vielleicht darüber nachdenken, 2010 doch wieder an den Start zu gehen.

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