Kann denn Restgewinde Sünde sein? Unverschämt tiefer Golf 2 VR6 Turbo

Tuning à la Balkan Connection

Kann denn Restgewinde Sünde sein? Unverschämt tiefer Golf 2 VR6 Turbo: Tuning à la Balkan Connection
Erstellt am 18. April 2013

Man mag den Schwaben ja vieles vorhalten. Die Sparsamkeit etwa. Dieser Golf 2 aus der Nähe von Böblingen geht so sparsam mit dem Thema Bodenfreiheit um, dass es uns fast schon peinlich ist. „Dabei hab ich noch gute acht Zentimeter Restgewinde“, wirft sein Besitzer Nermin Bisevac ein. Wir stehen staunend vor dem Zweier und wundern uns ehrlich gesagt. Würde Nermin den Zweier um weitere acht Zentimeter runterdrehen, läge die Karosserie auf dem Boden auf und die Räder drehten sich in der Luft, was nicht so ganz im Sinne des Erfinders wäre.

Die Lowrider würden es „Pancake“ nennen

Von Kraftübertragung könnte dann keine Rede mehr sein. Gut, auch im vorliegenden Zustand wird es schwer, die knapp 465 PS über die Vorderachse rauchfrei auf die Straße zu bekommen.

Die Leistungsexplosion ist das Resultat umfangreicher Umbauarbeiten, bei dem kein Teil ungeschoren davon kam. Ja, wir sprechen hier von einer Totalsprengung. Aber auch im Prinzip von einem komplett neuen Auto, was Nermin und sein Bruder Benjamin da auf die Beine, pardon, Räder gestellt haben.

Vom nackten Ex-Golf 2 CL zum VR6T de Luxe

66 Bilder Fotostrecke | Kann denn Restgewinde Sünde sein? Unverschämt tiefer Golf 2 VR6 Turbo: Tuning à la Balkan Connection #01 #02 Nichts erinnert mehr an die originalen 55 PS und den 1.3 Liter Motor, mit dem der „19E“ 1988 im Wolfsburger Werk vom Band lief. Der weiße Originallack wich brillantem Silbermetallic aus der Mercedes-Farbpalette.

Gierig schlürft der überdimensionale K&N Luftfilter die Ansaugluft durch das mit Echtcarbon laminierte Ansaugrohr in den Garrett GT30-Lader, wo sie verdichtet und im Ladeluftkühler auf eine vertägliche Celsiuszahl abgekühlt wird. Der 2.8 Liter VR6 „AAA“-Block erhielt eine gründliche Komplettrenovierung. Der Sechszylinder ist aktueller Stand der Dinge in Nermins Umbauprojekt. Das war nicht immer so.

G60 als Zwischenlösung

Als „Zwischenstufe“ installierten die Bisevac-Brüder und (Mit-)Begründer der „Balkan Connection“, einer Gruppe von Auto-Enthusiasten mit dem Vorliebe für extreme und extrem gute Umbauten, nämlich einen G60-Motor in den Zweier.

Auch Felgentechnisch gab es mehrere Zwischenstationen auf dem Weg zum perfekten Golf-Glück.

Von Porsche-Gullideckelfelgen, über BBS RS 16-Zöller, 17er LeMans und R32-Felgen in 18 Zoll reicht der Lebenslauf der Leichtmetallrundlinge.

Nermin spielte mal wieder „Felgen versenken“

Mit jedem Besuch am Wörthersee reiften wieder und wieder neue Ideen in Nermins Kopf heran. Der „Reboot“, wie er selbst sagt, kam 2008. Das Auto sollte so tief werden wie es mit dem Golf 2 nur irgend geht, natürlich „static“, also mit einem fixen Fahrwerk, nix Airride oder so. AH-Exclusive stellte ein H&R-Spezialfahrwerk zusammen, das den Wagen auf brutalste Art und Weise in die Knie zwingt.

Auf gute 120-140mm schätzt Nermin die Tieferlegung des Wagens. Dazu drehen sich BBS RS 302 an den Achsen. Vorne 7x17 ET52, hinten ein halbes Zoll breiter. Der Felgenstern wurde glanzschwarz gepulvert und verkehrt (also von vorne) verschraubt. Diesen Trend zur Modifikation haben wir in letzter Zeit immer öfter gesehen. Er verleiht den Rädern eine extrem eigenwillige und spezielle Optik.

Whoppa –Nankang Style

Bei den Reifen griff Nermin ins Nankang Regal und fischte vier ultraflache 185/35er heraus. Damit das Auto bei soviel Tiefgang noch lenkbar bleibt, kam wieder einmal die Trickkiste zum Einsatz. Die Kotflügel wurden unter Beibehaltung der originalen G60-Optik um 3cm nach außen getrieben.

Um die Vorderachse möglichst schmal zu halten, stellten die beiden Brüder eine Konstruktion aus einer linken Scirocco 16V- und rechten Corrado 16V-Antriebswelle zusammen. Querlenker und Stabis stammen vom G60. 1,5 Zentimeter weniger pro Seite können entscheidend sein, wenns um das letzte Quentchen Freigängigkeit bei größtmöglicher Tiefe geht.

Amerikanischer chic am Wolfsburger Kasten

Abgesehen davon geriet der Golf äußerlich sehr dezent. Der Umbau auf US-Optik bescherte dem 2er die voluminösen Stoßstangen und die Westmoreland-Scheinwerfer inklusive Grill. Die weiß-schwarzen Rückleuchten lieferte Hella.

Ein braunes Armaturenbrett setzt den amerikanischen Gedanken im Innenraum fort.

Bei den Sitzen und den Verkleidungen umweht Nermins Golf dann aber wieder ein Hauch von europäischem Luxus. Die elektrisch verstellbaren Leder-Recaros stammen aus einem Edition One, wurden aber wie auch die komplette Innenausstattung mitsamt Himmel in cognacfarbenes Leder aus dem Hause Bentley gehüllt.

Ein Alpine CDE 9880 Steuergerät sorgt in Verbindung mit den Audio System Komponenten (Verstärker, Woofer und Lautsprecher) für die nötigen Wohlklänge mit Showeffekt. Wobei, den einzig wahren Sound produziert der Motor. Die angeflanschte 3-Zoll Abgasanlage müht sich, den Abgasgegendruck möglichst gering zu halten. Den Besitzer, Nermin, plagen indes ganz andere Sorgen: „Ich will noch ne Ecke tiefer. Und dann am besten 18 Zoll!“ Ja dann...

Fotos & Text: Igor Vucinic

VAU-MAX kompakt

Fahrzeugtyp: VW Golf 2 CL

Baujahr: 1988

Motor: Umbau auf 2.8 VR6 „AAA“, Motor komplett überholt, GT30/76HF Turbolader, externer Ölkühler, Ölpumpe gekürzt, AMG Zusatz-Benzinpumpe, offener Luftfilter, Ladeluftverrohrung carbonbeschichtet, Motorraum gecleant, Batterie entfernt, Leistung: 465 PS

Auspuff: Eigenbau 3 Zoll Auspuffanlage

Kraftübertragung: Spec Phase 3 Kupplung, VR6-Getriebe

Räder: BBS RS 302 Felgen, Stern schwarz pulverbeschichtet und von vorn montiert, VA in 7x17 ET52, HA in 7.5x17 ET52, H&R-Lochkreisadapter, vorn 15, hinten 35mm stark

Bremsen: Audi S3

Fahrwerk: Vorderachse mit Scirocco- und Corrado-Antriebswellen, G60-Querlenker und -Stabis, H&R Spezial Gewindefahrwerk von AH-Exclusive

Karosserie: Kotflügel in G60-Optik um 3cm verbreitert, Umbau auf Westmoreland-Front und USA-Optik, Stoßstangen glattgefüllert und lackiert, Heckklappenspoiler und Aussenspiegel in Echtcarbon laminiert, schwarz-weiße Hella Rückleuchten, Heckklappe gecleant, Neulackierung in Mercedes-Brillantsilbermetallic

Innenraum: braunes USA-Armaturenbrett, Holzlenkrad, VR6-Instrumente, elektrisch verstellbare Recarositze aus einem Edition One GTI, Verkleidungen, Himmel und Sitze mit cognacfarbenem Bentley Nappaleder bezogen

ICE: Alpine CDE 9880 Headunit, Audio System F4 und F6 Verstärker, Audio System Subwoofer, Audio System Lautsprecher als Frontsystem

3 Kommentare

  • citycruiser

    Citycruiser

    Respekt vor dem gesamten Aufwand, der Stil gefällt mir - wenn auch die vorderen Kotis mir persönlich schon zu extrem wären. Und ich möchte auch nicht kleinlich sein aber kann es sein, daß der Lack z.b. vom rechten Kotflügel sichtbar heller ist als der von der Tür? Oder liegt das nur an den Fotos?
  • www.VW-Skoda.de

    Www.VW-Skoda.de

    ein 2er VR6 Turbo ist schon was feines > dann optisch noch so super wie der hier (abgesehen davon das ich den US Look nicht so mag va. die Stoßstangen) > das ist schon was
  • michael400

    Michael400

    Klasse Motorumau, aber die Karosse(vor allem die Spaltmasse) könnten schöner gemacht sein bzw noch ein bisschen mehr kosmetik vertragen.

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