Alles auf Anfang – 1976er VW Golf 1 L

So war er, der OEM-Look der 70er Jahre

Alles auf Anfang – 1976er VW Golf 1 L: So war er, der OEM-Look der 70er Jahre
Erstellt am 16. Januar 2013

Wenn es um seine persönlichen Fahrzeugprojekte geht, kann es für Gerrit Hägermann nicht exklusiv genug sein. Von allem Normalen hält der VW-Fan so ziemlich gar nichts. Bevor er sich hinter das Lenkrad dieses 1976er Golf 1 L setzte, nahm er im einzigen Golf 5 Speed Platz, der mit einem 2.0-Liter-TFSI-Motor angetrieben wurde. Doch auch die Zeit des Golf Speed war irgendwann gekommen, denn Gerrit hatte Lust auf etwas altes Blech aus Wolfsburg.

So ein Szene-Fahrzeug hat seine Vor- und Nachteile. Zu den größten Nachteilen gehört für viele die nur bedingte Alltagstauglichkeit. In Gerrits Fall lag das am Seltenheitsfaktor seines Golf Speed: Mehr als 100 Exemplare gab es im Lamborghini-Lack “Aarancio Borealis“ nicht. Da Gerrit die Anzahl der Fahrzeuge so hoch wie möglich halten wollte, wurde der Golf geschont so oft es ging.

Vom Daily Driver zum Klassiker

Also kurvte er Tag ein Tag aus in einem 08/15-Dreier (OK, wie es sich für einen Schrauber gehört war auch der mit Fahrwerk und Felgen nicht zu 100% original: siehe www.vw-skoda.de) rum. Also wurde der Golf Speed verkauft und vorerst im 3er weiter gefahren. So richtig glücklich machte den 31-Jährigen das aber nicht. Bei der alltäglichen Suche nach etwas Fahrbarem stolperte er über ein Inserat, das seine volle Aufmerksamkeit weckte. Ein 1976er Golf 1 L zum Preis von 2.500€, 66.000 Kilometer auf dem Tittentacho und noch dazu aus erster Hand. Ein über 10 Jahre alter Wunsch nach einem Einser keimte in Gerrit wieder auf – dieser Golf sollte es werden.

Die wöchentliche Strecke zwischen dem Arbeitsplatz in Bonn und der alten Heimat in Leipzig wurde die nächsten 7 Monate weiterhin im Dreier zurück gelegt, was irgendwann gewaltig nervte. Ein neuer Alltagswagen musste her, damit Gerrit nicht auf dumme Ideen kam, griff der Leipziger zum Skoda Oktavia RS. „Der Octavia RS ist für mich der bessere Golf Variant. Eine kleine Tieferlegung rein, Felgen drauf und ein paar Details genügten fürs Erste.“

66.000 Kilometer auf dem "Tittentacho"

So wurde Gerrit zwei Wochen nach dem GTI-Treffen am Wörthersee 2011 zum Golf 1-Besitzer. Der Plan sah vor, aus dem Golf einen OEMer der 70er Jahre zu machen. Leider entpuppte sich der zuerst angenommene Gesamtzustand von Note 2 später als Note 4-. So kam es, dass die Karosserie einen frischen Lackauftrag im nur fürs Modelljahr 1975 und 76 erhältlichen Farbton “Lofotengrün“ bekam. Vorher mussten die Spritzecken, hinteren Radläufe, Schweller, Stehbleche, Tanklochblech, Frontblech, Heckblech, Windlaufecken, beide Türen und die Kotflügel getauscht werden.

Golf 1-Blechteile werden kapp

Da auch beide Türen “Schrott“ waren, sah sich Gerrit nach Ersatz um. Links ergatterte er noch ein originales VW-Teil aus dem Jahre 1985, das mit kleinem Schloss und kleinen Scharnieren für 450€ an seinen frühen Golf 1 wanderte. Für die rechte Seite war nichts mehr zu bekommen, also wurde die Tür hier kurzerhand eine sehr gute gebrauchte getauscht. Für die sickenlose Motorhaube genügte eine neue Lackierung. Lediglich die Heckklappe durfte ihren originalen Lack und alle die kleinen liebenswerten Macken behalten.

Postgolfrückleuchten gab es nie

Im Zuge der anschließenden Montage kamen die weithin als Postgolfrückleuchten bekannten Schlusslichter hinzu. Gerrit entdeckte auf seiner Teilesuche allerdings, dass es Postgolfheckleuchten niemals für den Golf 1 gab. Ganz das Gegenteil ist der Fall. In einer Zeitschrift für das Post und Fernmeldewesen – Ausgabe 22 von 1974 heißt es:

“Für die DBP werden künftig VW grundsätzlich mit folgenden, von der Serie abweichenden Mehrausstattungen beschafft. Gasfederaufhalter für die Heckklappe und Rückfahrleuchten. Alle ein- und zweisitzigen Fahrzeuge erhalten außerdem zusätzlich einen rechten Außenspiegel.“

Bedeutet also, alle Golf 1 ab 1975, die ohne Mehrausstattung “Rückfahrleuchten“ bestellt wurden haben die als "Postgolf-Heckleuchten" bezeichneten Schlusslichter. An der Heckklappe hatte Gerrits Einser ab Werk den Gasdruckdämpfer verbaut, jedoch wurde dieser gegen die ältere und selten gesehene mechanische Haltestange getauscht.

Motorhaubenschloß ohne Bowdenzug

Auch das Motorhaubenschloß ist nicht 100% original, es stammt vom 1975er Modell und wird noch direkt neben dem VW-Zeichen entriegelt. Zu den seltenen Golf 1-Teilen zählt der Zierkeder zwischen Kotflügel und A-Säule. Hier konnten noch 2 neue NOS-Teile besorgt werden. Leider ist das Teil so begehrt, dass jemand beim GTI-Treffen am Wörthersee 2012 den Keder auf der Beifahrerseite sogar herauszog und klaute. Einen Ersatz hat der Schrauber leider noch nicht finden können.

Chrom darf am Golf 1 nicht fehlen

Serienmäßig ist sein Golf mit Chromstoßstangen ausgerüstet. Originale Einser mit Metallstoßstangen (also bis August 78) haben übrigens vorne und hinten keinen Abschlepphaken in der Karosse sondern direkt an den Stoßstangen eine „Öse“, falls Euch einmal jemand fragt. Die Chromtürgriffe und die Chrom umrandeten Fenster waren 1976 ausschließlich am L-Modell zu haben, die Chromspiegel gab es serienmäßig sogar nur im Modeljahr 1975 beim L-Model. Die 15“- BBS-Felgen stammen hingegen vom Golf 2, passen aber dennoch irgendwie zum OEM-Look der 70er Jahre.

Käfer-Teile im Golf 1

Fürs Interieur hatte Gerrit in Form eines kultigen GTI-Spucknapf-Lenkrad ein kleines Upgrade. Der Rest ist weitestgehend original belassen und vollständig. So gab es die Heizungseinheit mit den drei Schiebereglern ohne Drehregler nur bis zum 76er Modelljahr. Auch die Schaltanzeige am Armaturenbrett (statt auf dem Schalthebel) war im Golf nicht allzu lange zu finden. Der Blinker- und Fernlichthebel aus Metall (vom VW Käfer) sind ebenfalls echte Raritäten der frühen Golf 1 Modelle.

Ein 5-Watt-Musiksystem muss genügen

Wer genau in den Tittentacho schaut, sieht, dass das linke Instrument kein Drehzahlmesser sondern eine XXL-Uhr ist. Drehzahl und Batteriespannung liest Gerrit von den Zusatzinstrumenten in der Mittelkonsole ab.

Neben dem Sound, den der überholte 1,1-Liter-Motor mit seinen 50 PS produziert, kann der Golf noch mit einem solitären 5-Watt-Lautsprecher im Armaturenbrett und einem originalen Blaupunkt-Radio “Braunschweig“ glänzen.

Alles auf Anfang und Time to say goodbye

58 Bilder Fotostrecke | Alles auf Anfang – 1976er VW Golf 1 L: So war er, der OEM-Look der 70er Jahre #01 #02 Für Gerrit und seinen Golf heißt es diesen Winter – Alles auf den Anfang zurück und „Time to say goodbye“. Denn sämtliche Modifikationen wie Fahrwerk, Tieferlegung, BBS-Felgen, Heckklappenstange oder die geänderte Heckleuchten werden verschwinden und der Golf komplett auf seinen Auslieferungszustand anno 1976 zurückgerüstet.

Als Ausgleich bekommt er ein Kennzeichen mit “H“ am Ende, und für Gerrit heißt es dann Abschied nehmen, der Golf steht nämlich zum Verkauf. Warum fragt Ihr Euch? Weil das nächste Projekt schon bereitsteht. Gleiches Modell, doppelte Serienleistung, dreifachfacher Spaß = GTI.

VAU-MAX kompakt

Fahrzeugtyp: VW Golf 1 L (L=Luxus)

Baujahr: März 1976, Neupreis 10.860 DM
Motor: 4 Zylinder mit 1095 ccm Hubraum, Kennbuchstabe FA, Vergaser, 50 PS, Serienauspuff mit Schrick SR1-Endrohr, Motor komplett überholt
Getriebe: 4-Gang-Schaltgetriebe
Fahrwerk: TA Technix Gewindefahrwerk
Bremsen: Serie, Scheibenbremsen vorn, Trommelbremsen hinten
Räder: BBS-Felgen vom Golf 2 GT in 6J x 15“ ET35 rundum. Felgenstern golden lackiert, Felgenbett poliert
Reifen: 165/50 R15 rundum
Karosserie: Motorhaube ohne Sicke, Schwalbenschwanz-Heckblech, Chromstoßstangen (nur am L-Modell zu finden), kein Abschlepphacken am Heckblech, Chrom-türgriff Seitenleisten und Fensterrahmen, Chromspiegel vom 75er L-Modell, Hauben-Schloss vom Sparmodell ohne Seilzug, Heckklappenstab vom Sparmodell, “Postgolf“-Rückleuchten, komplette Neulackierung im originalen Lofotengrün (nur MJ 75/76)Innenraum: Schaltbild neben Aschenbecher, Zusatzinstrumente (Drehzahlmesser und Spannungsanzeige), GTI-Spucknapf-Lenkrad, originale Sitze, Klo-Häckelrolle u. -Kissen auf der Hutablage samt Wackeldackel, Käfer-Blinkerhebel,
ICE: Radio Blaupunkt Braunschweig mit Metalloptikblende (Serien L-Modell), Mono-Lautsprecher mit 5 Watt Belastbarkeit
Dank an: Daniel (Z) , Moriz

7 Kommentare

  • www.VW-Skoda.de

    Www.VW-Skoda.de

    Ich hab auch schon geantwortet :-)
  • VAU-MAX.de

    VAU-MAX.de

    Schreib ihm doch einfach eine PN, er hat vor dir ja schon einen Beitag geschrieben. Klick auf sein Profilbild und los gehts.
  • GolfDriver

    GolfDriver

    Hallo, wie kann ich direkt mit Gerrit Hägermann in Kontakt treten? Danke für eure Hilfe! Gruß Markus
  • www.VW-Skoda.de

    Www.VW-Skoda.de

    Postgolfrückleuchten sind die OHNE RÜCKFAHRSCHEINWERFER, d.h. ja die inneren sind rot statt weiß und da ist Serienmäßig auch keine Glühbirne dahinter. Es gab die natürlich nicht nur bei der Post (da genau genommen nach dem Postartikel gab es sie gar nicht) sondern alle einfachen Modelle und auch L (Luxus) Modelle die nicht das extra Paket "Z10M" für 290DM genommen haben hatten diese Rückleuchten. Der Name hat sich wohl mal so eingebürgert weil die Post und auch andere Behördenmodelle (die Post war damals noch eine Behörde) immer sehr karg ausgestattet waren, somit ist die einfache Rückleuchte das Synonym für karge Ausstattung und bekam den Namen. Ähnlich verhält es sich mit dem Haubschloß und dem Heckklappenstab > auch nur die karge Ausstattung und heute entsprechend gesuchte rare Teile @Freakazoid: deswegen wird der Wagen auf org Stahlfelgen verkauft > die waren drauf, die gehören drauf und sind Zeitgemäß
  • janneman

    Janneman

    Also ich finde den Wagen auch super - bis auf die Felgen. Aber sonst echt Bombe! Nur das mit den Postleuchten kapier ich nicht ganz. Heißt das das die innenligenden kammern auch rotes Glas hatten? Gab es das nicht auch bei den ganz einfachen Modellen? Hallo Gerrit, du liest doch hier mit: Mach mich bitte mal schlau!
  • Freakazoid

    Freakazoid

    Sehr schöner Wagen! Gefällt mir echt gut. Leider passen die Felgen vom 2er GT überhaupt nicht dazu...denke da wäre was dem alter entsprechendes passender... Trotzdem vollsten Respekt für die gelungene Wiederbelebung!!!
  • www.VW-Skoda.de

    Www.VW-Skoda.de

    Sehr schöner Wagen ;-) toller Artikel - Danke =o)

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