Fahrbericht zum 2021er VW Tiguan eHybrid

Doppelherz mit Sparpotenzial oder Mogelpackung?

Fahrbericht zum 2021er VW Tiguan eHybrid: Doppelherz mit Sparpotenzial oder Mogelpackung?
Erstellt am 24. September 2020

Der Tiguan war sicher nicht durch Zufall im vergangenen Jahr der weltweit meistverkaufte Volkswagen überhaupt. Die leicht geänderte Optik des 2020er Facelift soll weiterhin Kunden locken, doch insbesondere von dem neuen Plug-In-Hybriden und der 320 PS starken R-Sportvariante versprechen sich die Wolfsburger eine anhaltend hohe Nachfrage.

Mit der konsequenten Elektro-Strategie im Hause Volkswagen sind die Kernmodelle wie der Polo, Golf und Tiguan mächtig ins Hintertreffen geraten. Dabei sind diese wichtiger denn je, denn sie verdienen neben dem großen Passat das Geld, mit dem sich Volkswagen die neue ID-Familie überhaupt erst leisten kann. Im Kern des breiten Modellangebotes steht seit einigen Jahren nicht mehr der Dauerbrenner Golf, sondern der Tiguan, der mit mehr als 910.000 verkauften Fahrzeugen 2019 wieder das erfolgreichste Modell der Wolfsburger war. Das dürfte sich in diesem Jahr kaum ändern, auch wenn Produktions- und Verkaufszahlen coronabedingt etwas niedriger ausfallen dürften.

Optisch dezente Updates beim Facelift

Besonders stolz sind die Wolfsburger nicht nur auf die neue Front mit jetzt serienmäßigen LED-Scheinwerfern, geänderte Rückleuchten und das aufgefrischte Cockpit, sondern dass sie endlich auch bei den SUVs einen Plug-In-Hybriden vorweisen können. Im Innenraum gibt es nach der Modellpflege animierte Instrumente und ein neues Entertainment-System auf MIB3-Basis mit einer allzu kleinen (6,5 Zoll) oder einer deutlich größeren 9,2-Zoll-Bildschirmdiagonale der neuesten Generation mit Touchbedienung und neuen Komfortfunktionen. Ebenfalls nachgelegt wurde bei den Fahrerassistenzsystemen, wo der Tiguan nach der technischen Überarbeitung nunmehr auf Golf 8-Niveau unterwegs ist.

Weitere Details zum VW Tiguan eHybrid zeigen wir Euch später hier im Video!

Nicht, dass die verwöhnten Diesel-Kunden im Tiguan einen Plug-In-Hybriden wirklich vermisst hätten, doch durch die üppigen Verkaufsprämien für Fahrzeuge mit Stecker kommt der eine oder andere Kunde nunmehr langsam doch auf den Hybriddreh und will bei der Anschaffung ebenso Geld sparen wie elektrisch hoch subventioniert zur Arbeit oder zum Einkaufen surren.

Viele Grüße vom Golf GTE

Der Antrieb des VW Tiguan eHybrid entspricht weitgehend dem des VW Golf GTE. So wird der 4,51 Meter lange SUV, welcher der ehemaligen Kompaktklasse selbst als Kurzversion längst entwachsen ist, von einem 1,4-Liter-Vierzylinderturbo mit 110 kW / 150 PS angetrieben, der von einem 85 kW / 115 PS starken Elektromotor unterstützt wird. Unter dem Strich stehen so 180 kW / 245 PS und ein maximales Drehmoment von 400 Nm als Systemleistung zur Verfügung. Rein elektrisch hat der VW Tiguan eHybrid eine Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h. Die genauen Fahrleistungen sind noch nicht verfügbar; jedoch ist anzunehmen, dass der VW Tiguan eHybrid rund 220 km/h erreicht und aus dem Stand auf Tempo 100 in rund sieben Sekunden beschleunigt. Der Normverbrauch des Hybriden dürfte bei rund 2,0 Liter auf 100 Kilometer liegen.

Schnell geht anders!

War es beim VW Golf GTE noch zu verkraften, dass dieser allein über die Vorderachse angetrieben wird, sieht das beim Tiguan eHybrid durchaus anders aus. Er startet rein elektrisch und rollt allemal munter vor sich hin. Bei stärkeren Leistungsabfragen springt dem Elektromotor – im sechsstufigen Doppelkupplungsgetriebe unsichtbar versteckt – der 1,4 Liter große Vierzylinder zur Seite. Rein elektrisch schafft der elektrifizierte VW Tiguan so laut Volkswagen 62 km Kilometer bis das Akkupaket mit seiner Kapazität von 13 kWh zuneige gegangen ist. Wer die Akkus am Unterboden via Ladeklappe vorn links wieder aufladen will, braucht Geduld. Mindestens 5 Stunden nuckelt der Tiguan eHybrid dafür an einer gewöhnlichen Schuko-Dose bei 2,3 kW rum. Aber auch an einer Ladesäule oder Wallbox beim Discounter um die Ecke geht’s mit 3,6 kW und einer Ladezeit von 3 Stunden und 40 Minuten nur unwesentlich schneller voran.

GTE-Taster für den richtigen Fahrspaß

Wer es sportlich angehen will, drückt auf den etwas versteckten, rechts oberhalb vom Getriebewahlhebel liegenden GTE-Taster und schärft so die dynamischen Sinne. Heißt, dann steht die maximale Leistung beider Antriebe zur Verfügung und wartet nur auf die Gaspedalwünsche des Piloten. Geht der in die Vollen, zerrt die üppige Motorleistung spürbar an der Vorderachse. Genauso, wie man es sich von einem souveränen Familien-SUV gerade nicht wünscht. Die Konkurrenz macht das besser und bietet Modelle wie den Toyota RAV4 PHEB oder einen BMW X1 25e zumindest mit einer elektrischen Hinterachse an.

Wer lässig unterwegs ist, bringt den Tiguan PHEV nicht in Bedrängnis – zumindest nicht, bis die Fahrbahn nass ist oder das nächste Glatteis droht. Dann ist man besonders im Elektromodus fein unterwegs und auch die Abstimmung mit dem Verbrenner klappt gekonnter denn je. Wer im GTE-Modus munter aufs Gas steigt, spürt allerdings den überschaubaren Hubraum von 1,4 Litern und der Klang des Vierzylinders wirkt bei starkem Beschleunigen oder hohem Tempo angestrengter denn je.

Die verschiedenen Fahrmodi kann kann der Fahrer auf der Mittelkonsole sowie auf dem neuen Touchdisplay ansteuern. „Mit der zweiten Tiguan-Generation haben wir 2016 unsere globale SUV-Offensive eingeleitet. Aus ihr gingen weltweit viele erfolgreiche Modelle hervor“, so VW Marken-CEO Ralf Brandstätter. „Jetzt geht Volkswagen den nächsten Schritt und elektrifiziert, digitalisiert und vernetzt den neuen Tiguan. Damit ist das Kompakt-SUV für die Herausforderungen unserer Zeit gerüstet.“

Das wäre noch besser, wenn die elektrische Reichweite und  Ladegeschwindigkeit etwas größer wäre. Kein Wunder also, wenn sich stattdessen der eine oder andere Interessent zukünftig für den vollelektrischen VW ID.4 entscheidet. Sein Leistungsspektrum ist vergleichbar und das Platzangebot fällt noch großzügiger aus. Auch preislich dürften die Modelle in ähnlichen Dimensionen unterwegs sein. Wenn der VW Tiguan eHybrid im kommenden Jahr seine Marktpremiere feiert, dürfte es bei rund 45.000 Euro losgehen. Dafür wird man auch schon in der Elektro-Liga fündig.

Stefan Grundhoff; press-inform | Redaktion VAU-MAX.de

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