Erste Fahrt im neuen BMW 2er Coupé

Schon gefahren! Der 2er mit dem Reihensechszylinder

Erste Fahrt im neuen BMW 2er Coupé: Schon gefahren! Der 2er mit dem Reihensechszylinder
Erstellt am 17. Mai 2021

Der BMW 2er gilt in der weißblauen Fan-Gemeinde als das Spaßmobil unter den Modellen des Münchner Automobilbauers. Daher liegt die Querdynamik-Latte für den Nachfolger hoch. Die Fahrt in den Prototypen zeigt, dass auch dieser 2er seinem Ruf gerecht wird.

Das 2er Coupé nimmt in der BMW-Modellportfolio seit jeher einen besonderen Platz ein. Die Ahnenreihe der sportlichen Zweitürer beginnt 1968 mit dem grandiosen BMW 2002, damals der Inbegriff der Freude am Fahren. Das BMW M3 Coupé setzte diese Tradition 1986 fort, doch es dauerte bis zum Anfang des vergangenen Jahrzehnts, ehe der kleine BMW dauerhaft einen ausgewiesenen Agilitätsmeister im Programm hatte.

Die Spitze der 2er-Gattung ist natürlich der BMW M2 mit seinen ganzen Derivaten, doch um den soll es heute noch nicht gehen. Wir beschäftigen uns mit zwei „kleinen“ Brüdern: Dem BMW 230i und dem BMW M240i xDrive und das ist spannend genug. Jeder, der jetzt leicht spöttelnd „ach, ein M-chen“ vor sich hinmurmelt, sollte ein Blick auf das Datenblatt werfen. Der Reihensechszylinder befeuert das Gefährt mit 275 kW / 374 PS, da kann man auf der Bahn ganz schön Rabatz machen. Doch dazu später mehr.

Ein potentes Herz allein macht aus einem Auto noch keinen Querdynamiker, da gehört schon mehr dazu. Zumal der Vorgänger kein Kostverächter ist, wenn es um die Ecken geht. Also haben sich die BMW-Ingenieure sich dem 2er angenommen und an entscheidenden Stellen den Hebel angesetzt. Die Voraussetzungen sind ohnehin gut, da die CLAR-Architektur und daher Teile aus der Technik vom BMW 4er stammen.

Schon beim Anblick des Coupés fällt auf, dass der 2er stämmiger dasteht als bisher: Vorne ist die Spur um 52 Millimeter breiter, hinten sind es 31 Millimeter. Unterstrichen wird die Breitbeinigkeit durch ausgestellte Radläufe, die sich unter der Tarnfolie abzeichnen. Dazu kommt noch der um satte fünf Zentimeter längere Radstand. Neben diesen offensichtlichen, weil optischen Merkmalen haben sich die Techniker dem Rohbau gewidmet und Versteifungen im Vorderwagen sowie im Unterboden mit V-förmigen Streben zur Hinterachse eingezogen. Dazu kommen steifere Buchsen am Hinterachsträger und ein erhöhter negativer Sturz an der Vorderachse. Für die Fahrdynamik sorgt ein Dreiklang bestehend aus einer Aerodynamik, die 50 Prozent weniger Auftrieb generiert, einem elektronisch geregelten Sperrdifferenzial und beim BMW M240i der Allradantrieb, hecklastig ausgelegt – versteht sich.

Genug der Theorie. Wir schwingen uns hinter das Steuer des BMW M240i- Prototypen, bei dem die Ingenieure noch mitten in den Erprobungsfahrten sind. Anstelle von feinem Leder und verchromten Knöpfen empfangen uns Kabel und Plastikelemente. Schließlich dauert es noch knapp ein Jahr, ehe der 2er beim Händler steht. Wir greifen in das BMW-typische Volant samt dicken Lenkradkranz. Klar, der bayerische PS-Protz will mit Nachdruck durch die Kurven geleitet werden. Die etwas hohe Sitzposition lässt keinen Zweifel daran, dass wir uns in einem Coupé befinden. Falls sich an der Bauweise des Gestühls nichts ändert, sollten großgewachsene Zeitgenossen besser zu einem Sitz mit mechanischer Sitzverstellung greifen.

Schon nach wenigen Kilometern haben wir die Nähe zum Dachhimmel vergessen und freuen uns über das gut ausbalancierte Coupé. Das sich dank des hecklastig ausgelegten Allradantriebs freudig um die Kurven schwingt, und wenn der Übermut des Fahrers die physikalischen Grenzen etwas austesten will, hilft die Traktion der Vorderachse und zieht den Vorderwagen aus der Ecke heraus. Allerdings ist die Lenkung noch nicht so mitteilsam, wie man es von den bayerischen Fahrzeugen gewöhnt ist und die Rückstellekräfte erfordern nicht so viel Muskelkraft, was wir als angenehm empfinden. Bei BMW sind die Fahrprogramme mittlerweile eine kleine Wissenschaft für sich, mit der man sich gerne beschäftigt, da es eine ganze Menge an Einstellungsmöglichkeiten gibt. In der Grundkonfiguration könnte die Spreizung noch etwas ausgeprägter sein. Grundsätzlich ist Fahrwerk des 2ers schon sehr ausgewogen und gut abgestimmt, aber bei aller sportlichen Straffheit (vor allem beim M240i) immer noch genügend komfortabel.

Dass wir uns richtig verstehen, hier dreht sich um Nuancen, die im Abstimmungsprozess alltäglich sind. Wie gut der BMW M240i bereits in diesem Entwicklungsstand ist, zeigt sich abseits öffentlicher Straßen, wenn die Fahrsysteme scharfgeschalten oder komplett deaktiviert sind. Die Grundabstimmung stimmt und der M240i feuert um die Ecken, dass es eine wahre Freude ist, ohne den Fahrer auch nur einmal vor unlösbare Probleme zu stellen. Ganz im Gegenteil, der BMW meldet stets höflich, wie es um die Traktion bestellt ist und kündigt an, wenn es eng wird. Dieses Coupé wird jetzt schon seinen Vorfahren gerecht und verleiht dem Slogan "Freude am Fahren" Substanz. Nicht auszudenken, was der BMW M2 auf den Asphalt zaubern wird.

Nicht ganz so brachial wie der M240i agiert der BMW 230i, bei dem das Coupé mit einem Heckantrieb und dem 180 kW / 245 PS starken Vierzylinder bestückt ist. Der Motor hat seine Kinderkrankheiten längst abgelegt, schiebt den Zweitürer engagiert an und ist mit einer Sprintzeit von null auf 100 m/h von 5,9 Sekunden nur um 1,4 Sekunden langsamer als der große Bruder. Dass der 230i rund 200 Kilogramm leichter ist, ist dabei sicher nicht von Nachteil. Vor allem beim Einlenken und Durcheilen von Kurven macht sich der Gewichtsunterschied durch eine ausgeprägte Leichtfüßigkeit der Vorderachse bemerkbar. Wir freuen uns jetzt schon auf diesen BMW 2er, bei dem man bei diesen beiden Motorisierungen sicher nichts falsch macht.

Wolfgang Gomoll; press-inform

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