VW Golf 1 Cabrio Kaufberatung

Oben ohne in den Sommer

VW Golf 1 Cabrio Kaufberatung: Oben ohne in den Sommer
Erstellt am 12. Mai 2021

Als die Cabrios in den 80er Jahren noch heiße Teile waren, war er der bezahlbare Star unter dem nächtlichen Sternenhimmel: Das VW Golf 1 Cabrio wurde nicht nur wegen seines Überrollbügels zumindest in Europa zur automobilen Oben-ohne-Legende.

Das Erdbeerkörbchen ist längst ein begehrter Klassiker. Für die einen war es der absolute Traumwagen; andere spotteten über das viersitzige Golf Cabrio der Einstiegsklasse, das mit seinem charakteristischen Überrollbügel im Jahre 1979 das technisch allzu betagte VW Käfer Cabrio ablöste. Zugegeben, eine Schönheit war der Überrollbügel, der das Golf Cabrio zum Erdbeerkörbchen oder Henkelmann abstempelte, nicht. Doch die bei geöffnetem Dach wenig filigrane Überschlagslösung war in den 1980er Jahren die einzig bezahlbare Möglichkeit, den neuen Sicherheitsanforderungen Genüge zu tun.

Die direkten Wettbewerber Opel Kadett und Ford Escort machten es dem Golf I Cabrio nach und trugen bei schönem Wetter mehr oder weniger ihren schwarzen Henkelmann zur Schau, der sich sonst unter der stramm sitzenden Mütze versteckte. Der Überrollbügel hatte auch etwas Gutes. Bei heruntergelassener Seitenscheibe ließ es sich bei entsprechendem Elan in den Innenraum hüpfen – bei geschlossener Tür. Mehr als einmal zeigte Schauspieler Sascha Hehn in dem TV-Massenerfolg der Schwarzwaldklinik das Manöver, als er so höchst dynamisch in sein einst weißes Golf Cabriolet der CC-Edition sprang.

Das VW Golf Cabriolet der ersten Generation ist ein Golf I, der als Limousine im Jahre 1983 an sich vom Golf II abgelöst wurde. Doch das Golf I Cabrio wurde nahezu unverändert bis ins Jahr 1993 / 1994 gefertigt – beim Cabriolet-Spezialisten Karmann in Osnabrück. Die letzten Modelle verfügten teilweise sogar über einen spät nachgerüsteten Fahrerairbag, um den immer strenger werdenden Sicherheitsregularien gerecht zu werden. Der Rest blieb wie er war.

Es gab während der knapp 15jährigen Produktionszeit zahlreiche kleinere und größere Modellpflegen, die sich auf das Aussehen des Golf Cabrio jedoch kaum auswirkten. Die größte Unterscheidung gab es zum Modelljahr 1988, als der offene Osnabrücker die verkleideten Stoßstangen bekam, die ihn deutlich moderner erschienen ließen. Beim Antrieb gab es ebenfalls verschiedene Generationen. Angefangen beim allzu schmächtigen 1600er-Vierzylinder mit 70 / 72 PS, gab es letztlich nur noch 1,8-Liter-Vierzylinder in verschiedenen Leistungsstufen mit 90, 95 und 98 PS. Der Einspritzer war letztlich vom Golf GTI abgeleitet, der in den 90er Jahren jedoch aus dem gleichen Hubraum 112, 107 und später als 16-Ventiler 129 PS holte. Immerhin konnten sich die Fans des VW Golf I aussuchen, ob sie manuell schalten wollten oder der überschaubaren Fahrdynamik des Erdbeerkörbchens mit einer Getriebeautomatik jegliche Dynamik rauben wollten.

Im Laufe der Jahre gab es auch mehrere Dachkonstruktionen. Das bezieht sich nicht darauf, dass es in den späteren Produktionsjahren auch Varianten mit teilelektrischem Dach gab, sondern es gab abhängig vom Baujahr verschiedene Dachgestänge. In den ersten Jahren reckte sich das PVC-Dach hoch im Heck des Fahrzeugs und versperrte die Sicht nach hinten beinahe ebenso wie beim VW Käfer. Über die Jahre gab es deutlich flachere Gestänge, die das aufgeklappte Dach weniger störend sein ließen. Jedoch musste das zurückgeklappte Dach – egal, ob manuell oder mit Motorkraft – mit einer Persenning abgedeckt werden, die die offenen Haken aus Sicherheitsgründen abdeckte.

Die Komfortausstattung war bis zur großen Modellpflege in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre überschaubar. Doch um den erhöhten Kundenerfordernissen auf Märkten wie den USA, Südeuropa oder Australien zu genügen, wurde schrittweise draufgesattelt. So bekamen gerade begehrte Sondermodelle wie die Bel Air, Acapulco, Classic Line oder der Etienne Aigner Details wie beheizbare Ledersitze, ein elektrisches Stoffdach oder elektrische Fensterheber. Die gab es seltsamerweise nur vorne und die hinteren Fenster, die sich ohnehin nur ein Stück nach unten fahren ließen, mussten manuell gekurbelt werden. Die Modelle der Sportline bekamen mit ihren schicken Stoffsportsitzen sogar eine elektrische Sitzhöhenverstellung.

Heute ist das VW Golf I Cabrio, der erst 1993 mit dem Golf III Cabrio einen deutlich weniger charakterstarken Nachfolger bekam, längst ein begehrter Klassiker. Wie so oft wollen die Interessenten sich mit dem Fahrzeug die eigene Jugend zurückholen. Günstige Modelle sind nach wie vor zahlreich auf dem Markt. Chancen auf eine Wertsteigerung haben jedoch nur die sehr gepflegten Fahrzeuge mit einer Laufleistung von nennenswert unter 150.000 Kilometern und mit einer entsprechenden Ausstattung. Gerade das VW Golf I Cabrio Classic Line in den besonders beliebten Farbkombinationen in Dunkelgrün mit beigem Dach und entsprechenden Ledersitzen ist ebenso begehrt wie das gleiche Fahrzeug in Dunkelblau oder Dunkelrot.

Das elektrische Dach gilt nicht als anfällig – ist jedoch kein Muss. Es ist nicht schneller, als wenn man das Stoffdach manuell öffnet und die Persenning muss ohnehin per Hand übergezogen werden. Wichtig ist jedoch die maximale Originalität. Ein als Rollo am Überrollbügel nachgerüstetes Windschott ist zu vertreten – das gab es auch ab Werk. Doch originale Felgen sind ebenso ein Muss wie ein gepflegter Innenraum. Ansonsten ist die Vollausstattung gesetzt.

Gerade der 1,8 Liter große Vierzylindereinspritzer mit 72 kW / 98 PS macht den offenen Niedersachsen zwar gerade einmal 170 km/h schnell, gilt jedoch als nahezu unzerstörbar und ist ebenso wie das gesamte Golf Cabriolet einfach zu reparieren. Obschon es sich in der Basis um einen echten Golf I mit jedoch verstärkter Bodengruppe handelt, gelten die Modelle nicht als besonders rostanfällig.

Und auch hier ist von Vorteil, dass die Teile Massenware aus dem Konzernregal ist und selbst das PVC- / Stoffdach lässt sich mit überschaubarem Aufwand von einer Sattlerei ebenso wechseln wie die Sitzbezüge. Ein Fahrzeug aus dem Jahre 1991 / 1992 mit rund 100.000 Kilometern in gepflegtem Zustand kostet schnell 15.000 bis 20.000 Euro – Tendenz steigend. Schlechter ausgestattete Sondermodelle der Young Line, Fashion Line oder Sportline sind deutlich günstiger. Einige unfallfreie Modelle aus erster Hand im Topzustand mit deutlich unter 50.000 Kilometern kosten mittlerweile jedoch 30.000 Euro oder mehr.

Stefan Grundhoff; press-inform

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