Kaufberatung Porsche 911 Typ 996 (1998 bis 2005)

Darauf muss du beim Kauf eines Porsche 911 achten

Kaufberatung Porsche 911 Typ 996 (1998 bis 2005): Darauf muss du beim Kauf eines Porsche 911 achten
Erstellt am 5. März 2021

Lange Jahre rümpften Sportwagenfans über den 996 aus der Baureihe des Porsche 911 die Nase. Doch aus der langen Elfer-Ahnenreihe ist der 996 schon lange nicht mehr wegzudenken. Die Nachfrage auf dem Klassikermarkt wird immer größer – gerade von den Versionen 996 4S und 996 Turbo.

Benzingespräche, Fachsimpeleien und Clubgequatsche – erwachsene Jungs und die ihre Spielzeuge sind so eine Sache, wenn es um das Auto geht. Über kaum ein Auto wird so viel diskutiert wie über den Porsche 911 und hier speziell über die Modellgeneration 996, die zwischen 1998 und 2005 produziert wurde. An ihr schieden sich seinerzeit viele Geister. Der 996 war der erste Elfer-Boxermotor mit einem Wasserkühler und einem Gesicht, das für viel Gesprächsstoff sorgte. Ebenso wie viele andere Komponenten teilte sich die fünfte Generation des Porsche 911 viele Teile mit dem bereits 1996 vorgestellten Boxster.

Der Grund war einfach gefunden: die nahezu 50 Jahre verwandte Luftkühlung war einfach nicht mehr zeitgemäß und die Gleichteilstrategie mit dem Boxster war in der angespannten Finanzlage begründet, denn als der Porsche 911 der Generation 996 entwickelt wurde, stand der Zuffenhauser Autobauer kurz vor dem Aus. Gerettet wurde er nicht zuletzt durch das günstige Einstiegsmodell Boxster und die große Zahl von Gleichteilen vom 996 und 986.

Jahrelang war der Porsche 996 die wohl günstigste Art einen Elfer zu fahren. Gerade die Fahrzeuge vor der Modellpflege des Jahre 2003 mit den Spiegelei-Scheinwerfern, dem ein oder anderen Wertigkeitsproblem und kleinen, aber schmerzhaften Ärgernissen beim 3,4 Liter großen Boxermotor suchten lange ihre Kunden. Die Front war für einen 300-PS-Sportwagen allzu lieblich und der Boxermotor hatte bei sehr sportlicher Fahrweise bisweilen Probleme mit der artgerechten Ölversorgung.

Die Porsche-Entwickler nahmen die Probleme ernst und so gab es Ende 2002 eine Modellpflege, die Optik und Technik gleichermaßen bediente. Die Hubraumerweiterung von 3,4 auf 3,6 Liter brachte einen leichten Leistungsnachschlag auf 320 beziehungsweise 345 PS, die Spiegelei-Augen waren verschwunden auch im Innenraum sah vieles etwas wertiger aus als vorher. Zudem gab es zwischen den normalen Carrera-Modellen und dem 911 Turbo nunmehr eine Zwittervariante, die sich auch baulich deutlich vom Standard-Carrera abhob.

Beim 996er war der Unterschied zwischen normalem Carrera / Carrera 4 und dem Carrera 4S im Vergleich zu Vorgänger- und Nachfolgergenerationen besonders groß. Neben dem breit ausgestellten Turboheck zierte die Rückansicht des Porsche 911 Carrera 4S eine eigens entwickelte rote Reflektorspange zwischen den Leuchten. Die machte den ohnehin sehenswerten Hintern des Zuffenhausener Sportwagens noch schmucker und dynamischer. Und nicht nur von hinten war ein 911 Carrera 4S auf den ersten Blick für jedermann zu erkennen. Auch die Front des Vierers bekam die gewaltigen Kühlöffnungen der damals 420 / 450 PS starken Turboversion. Die vergleichsweise filigranen Einlässe eines normalen Carrera konnten den Angst einflößenden dunklen 4S-Höhlen seinerzeit nichts entgegensetzen. Wer einmal auf der Autobahn bei 220 km/h die Unterschiede im Rückspiegel hat auftauchen sehen, wird es wohl kaum vergessen.

Wer sich heute für einen guten Porsche 911 der Generation 996 interessiert, muss deutlich intensiver suchen als vor ein paar Jahren. Besonders beliebt sind die Modelle von 2003, 2004 und 2005. Keine große Überraschung, dass Sportwagenfans hier in erster Linie nach den Modellen 911 Turbo / 911 Turbo S mit 420 sowie 450 PS und entsprechend exklusiver Ausstattung suchen. Kaum weniger gefragt ist der obligatorisch allradgetriebene Porsche 996 4S mit Heck, Front und Bremsanlage des Turbo.

Er muss mit 320 / 345 PS auskommen und verzichtet auf den Doppelspoiler, von dem sich beim Turbo der obere Teil elektrisch in den Fahrwind reckt. Der 996 4S hat einen flachen Heckdeckel wie die anderen Carrera-Modelle und der Spoiler fährt komplett aus. Vielen Elfer-Fans gefällt das deutlich besser als das wenig schmucke feststehende Doppelleitwerk der Topmodelle mit Aufladung.

Technischen Schwachstellen sind überschaubar

Die technischen Schwachstellen des Porsche 911 der Generation 996 sind überschaubar und recht leicht auszumachen. Gerade bei Motoren mit Laufleistungen jenseits der 150.000 Kilometer sorgt der Kurbelwellensimmerring (KWS) immer wieder für Ärgernis. Die kleine Dichtung kostet nur ein paar Euro, doch der Arbeitsaufwand ist durch Heckmotor und einen etwaigen Allradantrieb groß. Unter 1.000 bis 1.500 Euro ist da kaum etwas zu machen. Und wer sich einmal an den Kurbelwellensimmering wagt, der sollte sich gleich noch die Kupplung und das im Motor verbaute Mittenwellenlager anschauen.

Hier gibt es einen kleinen aber feinen Konstruktionsfehler, denn das Lager ist nicht speziell geschmiert und sollte an sich ein Motorleben halten. Entweder man tauscht es aus oder man lässt von einem Boxermotoren-Spezialisten eine Ölschmierung einbauen. Entsprechende Nachrüstsätze kosten jedoch mindestens 1.000 Euro und die komplette Reparatur verschlingt schnell 3.500 bis 5.000 Euro – je nachdem, was man sonst noch erledigen lässt. Ansonsten sollte man sich wie immer bei einem Porsche Reifen, Fahrwerk, Bremsanlage sowie Kühler und Zündspulen anschauen, die wenig sinnvoll in Kunststoffgehäusen untergebracht sind. Dann fallen schon einmal einzelne Zylinder aus oder es kommt zu Fehlzündungen – nicht allzu teuer, aber ärgerlich.

Vom Porsche 911 gibt es als 996 die Karosserievarianten Coupé, Targa und Cabriolet. Im Vergleich zu den Vorgängermodellen war der ab 1998 produzierte 996 die erste Version mit einem überzeugenden Cabriodach. In das waren zahlreiche Verstärkungen eingezogen und so war es wirklich hochgeschwindigkeitstauglich. Das verbesserte sich nochmals nennenswert mit der 2002er-Modellpflege, denn dann wurde die bis dato verbaute Plastikheckscheibe von einer deutlich stabileren Glasscheibe inklusive Heizung ersetzt. Deutlich besser als beim 993 war nicht nur die Cabrioversion, sondern auch das Targadach, das jedoch ein großes Glasschiebedach blieb.

Die Wassereinbrüche einiger Porsche 993 waren bei der Konstruktion jedoch vergessen und es gab als Sonderfunktion eine von außen zu öffnende Heckscheibe für das Beladen der zweiten Reihe.
Ob Sechsgang-Handschaltung oder Fünfgang-Automatik ist Geschmackssache. Dynamischer ist der Handschalter; doch auf dem Gebrauchtwagenmarkt sind beide Modelle mittlerweile gleichermaßen begehrt. Hier geht es eher um eine vollständige Wartungshistorie, fehlende Vorschäden und eine gute Ausstattung. Kauftipp ist seit Jahren das allradgetriebene Porsche 996 4S Coupé. Mit einer nachvollziehbaren Historie und einer Laufleistung von unter 150.000 Kilometern geht es für ein Modell der Jahre 2003 – 2005 bei rund 40.000 bis 45.000 Euro los – Tendenz steigend.

Die Cabriolets sind genauso begehrt und liegen auf dem gleichen Preisniveau – haben jedoch eine größere Automatiknachfrage. Viele Interessenten suchen auch den 2003 angebotenen Porsche 911 Edition 40 Jahre, der ab Werk unter anderem die 25-PS-Leistungsspritze, die Front des 4S, Innenraumdetails und spezielle Felgen bekam. Wer mehr Power will, bezahlt für einen 996 Turbo – ebenfalls immer mit Allradantrieb - in ähnlichen Rahmenbedingungen mindestens 60.000 Euro. Die günstigsten Versionen sind die 996 Carrera 2 aus der Vor-Modellpflegeära zwischen 1998 und 2002, die sogar ab Werk mit schmalen 17-Zöller und Sparausstattung ausgeliefert wurden. Doch selbst hier geht unter 32.000 Euro fast nichts mehr. Gute Modelle liegen jedoch immer noch unter 45.000 Euro. Und wer träumen will: da gibt es auch noch die GT-Varianten…..
Stefan Grundhoff; press-inform

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