Rekordwagen Auto Union Lucca neu aufgebaut

Rasend schnell: Dieser „AUDI“-Silberpfeil war schon 1935 schneller als 320 km/h

Rekordwagen Auto Union Lucca neu aufgebaut: Rasend schnell: Dieser „AUDI“-Silberpfeil war schon 1935 schneller als 320 km/h
Erstellt am 7. Mai 2026

Audi kämpft heute in der Formel 1 gegen Red Bull, Ferrari und Mercedes um Sekundenbruchteile. Doch der Kampf um Geschwindigkeit hat bei den vier Ringen eine viel längere Geschichte. Bereits Mitte der 1930er-Jahre jagte Auto Union mit kompromisslosen Rekordwagen über öffentliche Straßen – und schrieb Motorsportgeschichte. Einer dieser legendären Silberpfeile wurde jetzt komplett neu aufgebaut: der Auto Union Lucca.
Der Name klingt harmlos, die Werte dahinter waren damals jedoch völlig absurd. Im Frühjahr 1935 raste der Auto Union Lucca mit bis zu 326,975 km/h über eine abgesperrte italienische Autostraße nahe der Stadt Lucca. Die offiziell gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit bei fliegendem Start lag bei 320,267 km/h. Damit war der Auto Union damals der schnellste Straßenrennwagen der Welt.

Die frühen 1930er waren geprägt vom gnadenlosen Wettlauf zwischen Mercedes-Benz und Auto Union. Fahrerlegenden wie Rudolf Caracciola, Manfred von Brauchitsch, Hans Stuck oder Bernd Rosemeyer lieferten sich ein Duell um Rekorde, Prestige und technische Überlegenheit. Frontmotor gegen Mittelmotor, Stern gegen vier Ringe – alles schien plötzlich möglich.
Auto Union selbst war erst 1932 aus dem Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer entstanden. Doch die neue Marke wollte schnell zeigen, dass sie technisch zur Weltspitze gehört. Nachdem Rudolf Caracciola 1934 mit einem Mercedes neue Geschwindigkeitsrekorde aufgestellt hatte, sollte der Lucca die passende Antwort liefern.
Der heute neu aufgebaute Rekordwagen existierte ursprünglich längst nicht mehr. Audi ließ das Fahrzeug deshalb auf Basis historischer Zeichnungen, Fotos und Dokumentationen komplett neu erschaffen.

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Verantwortlich für den Aufbau war die britische Spezialfirma Crosthwaite & Gardiner. Ganze drei Jahre dauerte die Rekonstruktion des 4,57 Meter langen Silberpfeils.
Technisch war der Wagen seiner Zeit weit voraus. Der ursprünglich fünf Liter große V16-Motor erhielt eine Hubraumerweiterung auf sechs Liter sowie einen Kompressor. Dadurch stieg die Leistung von bereits brutalen 343 PS auf gewaltige 502 PS. Werte, die Mitte der 1930er-Jahre fast unfassbar wirkten.

Auch aerodynamisch wurde der Lucca extrem aufwendig optimiert. Die geschlossene Karosserie wurde fein verschliffen und mit Klarlack behandelt, die großen Speichenräder erhielten Verkleidungen zur Verbesserung des Luftstroms. Jeder kleine Vorteil sollte helfen, die Mercedes-Rekorde zu knacken.
Die Rekordjagd verlief allerdings alles andere als problemlos. Testfahrten im ungarischen Gyón sowie südlich von Mailand wurden zunächst von Regen und später sogar von Schnee ausgebremst. Also suchte das Team kurzerhand weiter nach geeigneten Strecken und besserem Wetter. Schließlich fanden die Ingenieure zwischen Pescia und Altopascio nahe Lucca ein passendes Teilstück: fünf Kilometer lang, acht Meter breit und schnurgerade.
Pilot Hans Stuck benötigte mehrere Anläufe, weil der 960 Kilogramm schwere Rennwagen immer wieder weiter optimiert wurde. Doch am Ende funktionierte alles perfekt. Mithilfe modernster Zeitmessung per elektrisch auslösender Fotozelle wurde der neue Rekord offiziell bestätigt.

Besonders beeindruckend: Die Ingenieure und Mechaniker reagierten damals extrem flexibel auf Probleme und Wetterumschwünge. Genau das fasziniert auch Projektleiter Timo Witt bis heute: „Mich begeistert, mit welcher Dynamik und Geschwindigkeit man schon damals auf den Wettbewerb reagiert hat. Ohne diese große Flexibilität wäre die Rekordfahrt letztlich nicht möglich gewesen.“
Mit dem Neuaufbau holt Audi jetzt ein fast vergessenes Kapitel der eigenen Motorsportgeschichte zurück ins Rampenlicht. Und eines wird dabei mehr als deutlich: Der Traum von maximaler Geschwindigkeit begann bei den vier Ringen nicht erst in der modernen Formel 1.

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