Elektro, nein Danke

Lamborghini hält dem 12 Zylinder die Treue

Elektro, nein Danke: Lamborghini hält dem 12 Zylinder die Treue
Erstellt am 14. Juli 2020

Lamborghini opfert den Zwölfzylinder nicht auf dem Altar der Elektrifizierung, sondern nutzt die Extrakraft der E-Maschinen sowohl mit Super-Kondensatoren als auch mit Plug-in-Hybriden. Einen reinrassigen Elektrosportler wird es aber so schnell nicht geben, aus gutem Grund. Das Ende der Zwölfender naht. BMW verabschiedet sich so langsam vom Motor mit einem Dutzend Zylindern, auch Mercedes-AMG hat das finale Kapitel der mächtigen Triebwerke eingeläutet. Aber noch wehrt sich eine kleine verschworene Schar gegen das Aus der Zwölfzylindermotoren. Neben der VW-Tochter Bentley mit dem verschränkten W12-Aggregat ist das unter anderem auch Lamborghini. „Der Zwölfzylinder bleibt bei Lamborghini der Gipfel der Motorbaukunst. Denn er gehört zu unserer DNA“, erklärt Entwicklungschef Maurizio Reggiani.

Der Ingenieur hätte am liebsten einen frei atmenden hochdrehenden Sauger und es gibt sicher so manchen Autofahrer, der sich diesem antriebstechnischen Klassizismus anschließen würde. Doch die standhaften Italiener können sich dem CO2-Verdikt der EU nicht ganz verschließen. Also bekommt der Zwölfzylinder elektrische Unterstützung. Wie ein elektrifizierter Motor nach dem Lamborghini-Gusto aussehen wird, zeigt der Sian Roadster, bei dem Super Caps (Super Kondensatoren) samt 25 kW / 34 PS Elektromotor für einen besseren Durchzug und eine Systemleistung von 602 kW / 819 PS sorgen.

Diese Energiespeicher stammen aus dem Rennsport, sind drei Mal so leistungsfähig, wie eine herkömmliche Lithium-Ionen-Batterie und werden vor allem dann eingesetzt, wenn der Strom extrem schnell abgegeben werden muss. Ebenso kurzfristig steht die Leistung dann wieder zu Verfügung. „Diese Kondensatoren passen sehr gut zu einem Supersportwagen. Sie altern kaum und sind platzsparend“, sagt Maurizio Reggiani.

Dass der Aventador-Nachfolger 2021 einen V12 Plug-in-Hybrid Antriebsstrang bekommen wird, pfeifen die Spatzen in Sant' Agata Bolognese von den Dächern. Schließlich wollen die dynamikverliebten Kunden ihr Auto auch in den Innenstädten bewegen. „In Zukunft wird es bei uns zunehmend Hybridversionen geben“, bestätigt Reggiani. Das bedeutet auch, dass per Doppelkupplungsgetriebe geschaltet wird. Neuartige „intelligente Materialien“ soll es bei Lamborghini in Zukunft öfter geben. Auch hier ist der Sian Roadster ein Vorreiter, dessen Klappen der Abgasanlage von temperaturempfindlichen Elementen gesteuert werden. Der italienische Sportwagenbauer hat sich dieses System patentieren lassen und wird es in kommenden Modellen bei der Aerodynamik einsetzen. „Das kann uns einen klaren Wettbewerbsvorteil sichern“, freut sich Technikchef Reggiani.

Und wie schaut es mit einem rein elektrischen Lamborghini aus? Da gibt die Studie Terzo Millennio Aufschluss, wie sich Lamborghini dieses Unterfangen vorstellt. Allerdings ist dieses Auto aktuell fast unbezahlbar. „Die Technik ist noch nicht so weit“, sagt Reggiani und wird gleich konkreter: „Ein elektrischer Lamborghini muss eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h erreichen und in der Lage sein, drei echte Rennrunden auf der Nordschleife zu absolvieren.“ Zusammen mit dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) tüfteln die Italiener an Superkondensatoren, die deutlich mehr Energie speichern können als bisher, umso dieses anspruchsvolle Konzept umzusetzen.

Beim Urus sind die Verhältnisse klar: Es wird es eine PHEV-Variante geben. Das Integrieren des elektrifizierten Antriebsstrangs ist bei einem SUV deutlich einfacher, als bei einem Supersportwagen, bei dem um jeden Kubikzentimeter Platz gerungen wird. Geht es nach dem obersten Vertriebschef, wird allerdings kein zweites SUV geben. „Das kann ich nicht empfehlen“, so Giovanni Perosino. Beim Design will sich Lamborghini nicht festlegen und sich mit jedem Auto neu erfinden. „Den Sian zu kopieren wäre viel zu einfach. Die Erwartungen hier bei Lamborghini sind viel höher“, sagt Chef-Formengeber Mitja Borkert. Natürlich werden sich Elemente des schmucken Roadsters in zukünftigen Modellen wiederfinden, aber der italienische Autobauer verfolgt seine eigene Agenda. „Erwarten Sie das Unerwartete“, lächelt Borkert.

Wolfgang Gomoll; press-infiorm

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