Führerschein bleibt teuer: Reformpläne sorgen für Frust – und Anmelde-Einbruch

Simulatoren statt Pflichtstunden? Warum die Branche keine schnelle Entlastung sieht

Führerschein bleibt teuer: Reformpläne sorgen für Frust – und Anmelde-Einbruch: Simulatoren statt Pflichtstunden? Warum die Branche keine schnelle Entlastung sieht
Erstellt am 23. Januar 2026

Kaum irgendwo auf der Welt ist der Führerschein derart teuer wie in Deutschland. Das will das Bundesministerium für Verkehr so schnell als möglich senken. Doch die Fahrschulverbände kritisiert das Vorgehen des Bundes heftig. Eine dringend benötigte Kostenreduzierung sei kaum abzusehen.

Patrick Schnieder weiß, wie man markig trommelt. „4.500 Euro für den Führerschein sind zu viel!“, ließ der Bundesverkehrsminister am 21. Juni des vergangenen Jahres publikumswirksam auf „X“ (ehemals Twitter) verlauten. Der Politiker beließ es nicht bei bloßen Ankündigungen. Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) legte am 16. Oktober 2025 ein Maßnahmenpaket mit dem Titel „Bezahlbarer Führerschein – Eckpunkte“ vor, um die Fahrerlaubnis wieder erschwinglicher zu machen. Unter anderem soll die Digitalisierung der Ausbildung und der Einsatz von Fahrsimulatoren die Kosten von durchschnittlich 3.400 Euro (laut dem BMV) reduzieren. In dem Papier ist auch ein Zeitplan angegeben: „Die folgenden Eckpunkte sollen daher zeitnah gemeinsam mit den Ländern diskutiert und weiterentwickelt werden, damit die finalen rechtlichen Änderungen im ersten Halbjahr 2026 auf den Weg gebracht werden können.“

Das Maßnahmenpaket des BMV stößt bei manchen Fahrschulen auf Widerstand. „Die Vorschläge des BMV taugen allesamt nicht zu einer Reduzierung der Preise“, macht Daniel Boßlet, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Saar, unmissverständlich klar. Joachim Einig vom Fahrlehrerverband Rheinland stößt ins gleiche Horn: „Der Wegfall einzelner Pflichtbestandteile spart oft weniger, als öffentlich angenommen wird. Gleichzeitig entstehen neue Kosten, etwa durch Digitalisierung oder Simulatoren.“ An der Qualität der Ausbildung wollen die Fahrlehrer nicht rütteln. Denn sie ist auch entscheidend für das Können der Prüflinge und somit für die Verkehrssicherheit.

Für Daniel Boßlet steht fest: „So lange Fahrschulen nicht finanziell entlastet werden, ist keine Reduzierung der Preise möglich, da unsere Branche sich auch ständig steigenden Energiekosten, Lohn- und Lohnnebenkosten sowie Lebenshaltungskosten ausgesetzt sieht.“ Er hat auch gleich ein paar Vorschläge parat, wie der Fahrschulbetrieb wieder in Schwung kommt: Einerseits könnten die Kosten des Führerscheins bei der Einkommensteuererklärung berücksichtigt werden, andererseits sollte die Politik über eine Reduzierung oder gar Streichung der Mehrwertsteuer nachdenken. „Das würde unsere Kunden direkt entlasten, ohne dass eine zusätzliche Belastung der Fahrschulen zu erwarten wäre“, so Boßlet.

Was folgte, war ein drastischer Rückgang der Anmeldungen bei den Fahrschulen. Offensichtlich warten die potenziellen Fahrschüler, bis der Führerschein günstiger ist. Laut der BILD-Zeitung brachen die Anmeldungen bei den Fahrschulen um bis zu 50 Prozent zurück. Ein „historischer Kollaps“ drohe. Das scheint noch untertrieben. „Viele Fahrschulen im Rheinland berichten seit den öffentlichen Ankündigungen zur Reform des Führerscheins von spürbar weniger Neuanmeldungen. Je nach Region und Betriebsgröße bewegen sich die Rückgänge aktuell zwischen etwa 50 und 70 Prozent, vereinzelt auch darüber“, erklärt Joachim Einig. In anderen Regionen offenbart sich ein ähnliches Bild. Daniel Boßlet bestätigt diese Größenordnung. Auch dort vermelden Fahrschulen einen massiven Rückgang der Anmeldungen in ähnlichen Größenordnungen.

Die Auswirkungen sind dramatisch. Existenzen stehen auf dem Spiel. „Ich hatte schon Anrufe von Fahrlehrern, die aufgrund dieser Situation bereits die Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses erhalten haben“, erzählt Daniel Boßlet. Hauptgrund für diese Zurückhaltung sind angeblich die hohen Kosten von bis zu 4.500 Euro, die beim Erwerb der Fahrerlaubnis anfallen. „Laut unserem aktuellen Branchenreport haben lediglich rund vier Prozent der Führerscheine in Deutschland Kosten von über 4.000 Euro verursacht. Der überwiegende Teil liegt deutlich darunter“, ordnet Joachim Einig die finanziellen Belastungen ein. Im Rheinland fallen meist zwischen etwa 2.500 und 3.000 Euro an. Bei diesen ganzen Zahlen darf nicht vergessen werden, dass die Kosten für den Führerschein auch von der Anzahl der Fahrstunden und dem theoretischen Teil abhängen. „Wer den Führerschein recht schnell und ohne große Unterbrechungen durchzieht und dabei auch die notwendige Motivation mitbringt, bleibt meist deutlich unter 3.000 Euro. Im Durchschnitt muss in unserer Region mit circa 3.400 Euro gerechnet werden“, ergänzt Daniel Boßlet.

Das BMV rudert nun angesichts der Auswirkungen des Vorschlags zurück. Gegenüber dem SWR stellt das Bundesverkehrsministerium klar: „Wer einen Führerschein jetzt machen möchte, sollte langes Abwarten vermeiden und ihn jetzt machen.“ Schließlich dauert es noch mindestens bis Anfang 2027, ehe die vorgeschlagenen Maßnahmen in Kraft treten. Ob das einen Führerschein-Anmeldeschwung auslöst, ist fraglich. Der Führerschein hat nicht mehr die Bedeutung wie das früher der Fall war. Für einige Fahrschulen dürfte dieses „Die Geister, die ich rief“-Manöver zu spät kommen.

Wolfgang Gomoll; press-inform

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