Die neue Messlatte? – Der neue VW Golf 7 im Fahrbericht

Unterwegs im neuen Golf – Alles beim Alten?

Die neue Messlatte? – Der neue VW Golf 7 im Fahrbericht: Unterwegs im neuen Golf – Alles beim Alten?
Erstellt am 18. Oktober 2012

Es gibt wohl kaum eine schwierigere Aufgabe für einen Ingenieur als die Entwicklung eines neuen VW Golf. Als Namensgeber seiner Fahrzeugklasse darf sich dieser Wolfsburger keine Schwächen erlauben, sondern muss die Benchmark sein. Denn der Golf soll ein Auto sein, das jedem gefällt, das zu jedem passt und mit dem jeder zurechtkommt. Seit 1974 arbeitet VW daran, die Messlatte mit jeder neuen Generation ein Stück weiter anzuheben. Ob das mit dem neuen Golf 7 gelungen ist, konnten wir bei der Fahrvorstellung auf Sardinien ausprobieren.

“Iconic Design“ oder guter alter Bekannter?

Beim ersten Kontakt mit dem neuen Volkswagen fällt vor allem auf, dass der Golf nicht weiter auffällt - man ist mit dem Anblick vertraut und erkennt die neuen Linien erst auf den zweiten Blick. "Iconic design“ (iconic = ikonisch oder umgangssprachlich auch kultig) nennen es die Designer und sind sichtlich stolz darauf, die gestalterische DNA der neuen Kreation zu erklären.

Ein Typ mit Kanten aber ohne Ecken

Da wäre zum Beispiel die ausgeprägte C-Säule, die den Golf bereits seit Generationen begleitet. Nun fügen sich aber nicht nur die Rückleuchten und die hintere Tür in eine Linie ein, sondern auch der Tankdeckel. Des Weiteren wurden dem neuen VW jede Menge Kanten in der Karosserie mitgegeben, die das Licht unterschiedlich reflektieren und so für optische Spannung sorgen. Doch das Alles ist nicht nur Styling, denn die Gestaltung des Golfs ist auch funktionell. So dienen beispielsweise die nach außen gewölbten Türbleche unterhalb der Fensterlinie nicht nur einer muskulöseren Optik, sondern sorgen auch für eine verbesserte Aerodynamik ebenso wie die konvex gewölbten Dachpfosten.

Über 100 Kilogramm hat der Golf abgespeckt

Die Raffinesse der Blechumformung lässt den Golf nicht nur windschlüpfriger werden, sondern auch leichter. Denn Volkswagen bringt erstmals in der Kompaktklasse warmumgeformte Stähle zum Einsatz, die nicht nur hochfest sind, sondern durch die Möglichkeit sehr geringer Blechstärken auch leichter als die normalerweise verwendeten Stähle sind. Über 100 kg Gewicht hat die siebte Generation so im Vergleich zum Vorgänger abgespeckt. Weniger Gewicht und eine gute Aerodynamik sind auch der Schlüssel für hohe Effizienz, welche auch durch die komplett neu entwickelten Aggregate des MQB-Baukastens unterstützt wird. Die Verbrauchswerksangabe des intern EA288 genannten 2.0 TDI-Triebwerks liegt bei nur 4.1 Liter Diesel auf 100 km.

Besonderen Augenmerk verdient hier neben dem bereits vom Polo BlueGT und Audi A3 bekannten 1.4 TSI mit Zylinderabschaltung deshalb der 150 PS-Diesel. Um den immer strenger werdenden Abgasnormen gerecht zu werden, verfügt der Selbstzünder über ein einteiliges Abgasmodul, das unmittelbar an den Turbolader angeflanscht wird. Der Katalysator befindet sich direkt hinter dem Ausgang der Turbine und die Abgase werden ohne Querschnittsänderung der Rohrführung dem darunterliegenden Partikelfilter zugeführt. Diese Bauweise spart nicht nur Platz und Montagezeit, sie sorgt mit kurzen Wegen und großem Durchlass auch für eine gesteigerte Effizienz und höhere Leistung.

Wassergekühlte Ladeluft für den Siebener

Auf der Ansaugseite wurde ebenfalls Hand angelegt und so gibt es im neuen Golf erstmal einen Ladeluftkühler mit Wasserkühlung. So konnte die Einheit direkt auf dem Saugrohr platziert werden und die Ladeluftstrecke im Volumen deutlich reduziert werden. Im Fahrbetrieb macht sich das durch ein stark verbessertes Ansprechverhalten bemerkbar, da nach dem Gasgeben auf der Strecke vom Turbolader zum Brennraum weniger Luft komprimiert werden muss.

Und so fährt sich der Siebener mit dem neuen 2.0 TDI dann auch: Schön agil schon aus niederen Drehzahlen heraus, mit einem satten Drehmoment in der Mitte und erstaunlich drehfreudig in der Spitze. Selbst forschem Beschleunigen bis hin zu 5.000 Umdrehungen verwehrt sich der Selbstzünder nun nicht mehr.

Natürlich flacht die Leistungskurve in dieser Region schon wieder merklich ab, aber wenn man zügig auf der Landstraße unterwegs ist, dann kommt diese Drehzahlreserve gerade richtig, wenn man vor der Kurve den Schaltvorgang in den nächsthöheren Gang vermeiden möchte. Und der Golf lässt sich durchaus schnell bewegen.

Sind die adaptiven DCC-Dämpfer und große Räder an Bord, kann in Kombination mit der elektronischen Differenzialsperre "XDS" durchaus sportlich durch die Kurven geräubert werden. Natürlich ist der normale Golf kein GTI und schon gar nicht ein R, aber für den gebotenen Komfort in der Normaleinstellung des Fahrwerks sind die Möglichkeiten schon beachtlich. Und wer es zu schnell angehen lässt, den bremst der Golf gutmütig untersteuernd wieder ein.

Nicht mehr nur Opel hat jetzt rückenschonende Sitze

Fährt man gelassener, so kann der neue VW andere Stärken richtig ausspielen. Die Federung arbeitet feinfühlig und Fahr- und Abrollgeräuschpegel sind auf angenehm niedrigem Niveau - so lassen sich auch weite Strecken äußerst komfortabel und bequem zurücklegen. Dabei helfen zudem die formidablen Sitze, welche nun auch wie die Bestuhlung der Konkurrenz aus Rüsselsheim ein Gütesiegel der "Aktion gesunder Rücken“ tragen.

Punkten kann der neue Golf auch beim Platzangebot. Mehr Innenraumbreite auf allen Plätzen und die stärker fahrerorientierte Gestaltung des Instrumententrägers lassen die siebte Generation von innen luftiger wirken als den Vorgänger. Der Kofferraum ist ebenfalls um 30 Liter angewachsen. Mit 380 Litern ist er zwar nicht das Maß der Dinge innerhalb seiner Klasse, bietet aber ausreichend Gepäckstauraum für den Urlaub einer vierköpfigen Familie.

Den Weg dorthin weist bei Bedarf das neue Navigationssystem Discover Pro. Mit einer Bildschirmdiagonale von acht Zoll und einem Touchscreen mit Annäherungssensor fahren die Wolfsburger auch beim Infotainment schweres Geschütz auf. Liebevoll gestaltete Animationen, klare Menüführung und Bedienlogik mit "swipe“ und "pinch“ wie man sie vom Smartphone kennt, gestalten den Umgang mit den zahlreichen Funktionen einfach.

Kabelloser Musiktransfer vom Handy im neuen Golf

Dazu übernimmt das System per Bluetooth nicht nur das Freisprechen, sondern lässt auch kabelloses Audiostreaming vom Handy zu. Das alles hat natürlich seinen Preis und so steht das Discover Pro mit 2.725 Euro in der Preisliste. Dafür bleibt der Golf seinem Basispreis treu. Trotz gestiegenem Ausstattungsumfang gibt es die siebte Generation wie auch den Vorgänger ab 16.975 Euro.

Viel Platz für Kritik bietet der neue Wolfsburger demnach nicht. Es sind dann schon eher subjektive Kriterien, bei denen der Golf nicht immer gut abschneidet - aber er ist eben ein Auto, das der Masse gefallen soll und nicht Exzentrikern. Er ist wieder ein richtiger Golf, ein Volkswagen. Und er macht auch in der neuesten Version alles so gut, dass er weiterhin die Messlatte in seiner Klasse darstellt.



Text & Fotos: Fabian Mechtel

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1 Kommentar

  • www.VW-Skoda.de

    Www.VW-Skoda.de

    klingt soweit ganz gut ... mal schaun wann eine Probefahrt ansteht

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