Gekonnt die Optik wahren

Tipps für Reinigung, Pflege und Reparatur von Autoscheiben

Gekonnt die Optik wahren: Tipps für Reinigung, Pflege und Reparatur von Autoscheiben
Erstellt am 21. Juni 2023

Selbst wenn das Verhältnis von Glas- zu Karosseriefläche seit einigen Jahren (unter anderem aus Sicherheitsgründen) sich immer mehr zu letzterem verschiebt, so sind Autoscheiben doch nach wie vor einer jener Standards, die ganz sicher niemals verschwinden werden.

Nun mag Glas im Allgemeinen und Fahrzeugglas im Besonderen zwar ziemlich unempfindlich gegenüber verschiedensten Einflüssen sein. Dennoch kann ein Besitzer, der die Sache falsch angeht, ganz schnell eine Menge Schaden produzieren. Auf den folgenden Zeilen haben wir deshalb die wichtigsten Do’s und Dont’s rund um diesen integralen Teil jedes Autos zusammengefasst.

Übrigens: Die allermeisten Tipps lassen sich 1:1 auf Scheinwerfer übertragen.

Moderne Autogläser im Portrait

Glas ist bekanntlich das Ergebnis, wenn man Quarzsand, respektive Siliziumoxid einschmelzt. Das aus diesem Prozess resultierende Produkt ist nicht nur ausnehmend hart, sondern hat eine beidseitig sehr glatte Oberfläche. Beides sind wichtige Faktoren, um Glas einerseits widerstandsfähig zu machen und andererseits eine möglichst große Lichttransmission zu gewährleisten. Bei Autoglas kommt zudem noch die Notwendigkeit hinzu, trotz der oft komplex gebogenen Gläser keine optischen Verzerrungen hervorzurufen.

In der Praxis weisen heutige Autogläser die folgenden Faktoren auf:

  • Zum Einsatz kommen zwei Arten sogenannter Sicherheitsgläser, konkret Einscheibensicherheitsglas und Verbundsicherheitsglas. Beide Gläser zeichnen sich dadurch aus, nach der Herstellung eine Wärmebehandlung erhalten zu haben. Brechen sie aus irgendwelchen Gründen, entstehen deshalb deutlich kleinere und dadurch ungefährlichere Stücke.

  • Einscheibensicherheitsglas ist einschichtig. Das heißt, es besteht nur aus einer einzigen Glasschicht. Bricht sie, dann verliert die Scheibe ihre Integrität und zerfällt in ihre Bruchstücke.

  • Verbundsicherheitsglas hingegen besteht aus zwei Sicherheitsglasscheiben, die mit einer dazwischenliegenden Kunststofffolie verbacken sind. Selbst bei schweren Beschädigungen bleibt die Scheibe dadurch als Ganzes erhalten. Lange Zeit wurde dieses Glas nur bei der Frontscheibe genutzt und ist dort gesetzlich verpflichtend. Aufgrund weiterer Stärken derartiger Verbundgläser werden sie jedoch immer häufiger auch an anderen Stellen genutzt.

  • Neben diesen Sicherheitsaspekten zeichnen sich Autogläser heute durch verschiedene weitere Möglichkeiten aus. Sie können durch eine Laminierung diverse Außengeräusche hemmen, können den Lichteinfall reduzieren, indem sie sich dimmen lassen. Moderne Gläser können sogar die Temperatureinstrahlung in den Fahrzeuginnenraum deutlich reduzieren.

  • Seit zirka 30 Jahren werden Frontscheiben ausschließlich fest mit der Karosserie verklebt und üben daher als integraler Bestandteil eine tragende Funktion aus. Bei den Seitenscheiben erfolgt die Befestigung typischerweise je nach Anforderung entweder durch Einschrauben oder mittels speziell geformter Gummiprofile. Lediglich Heckscheiben werden meist ebenfalls geklebt, haben aber keine tragende Funktion.

Was Autoscheiben wirklich zusetzt

Prinzipiell muss man es schon wirklich drauf anlegen, eine Autoscheibe zu demolieren. Dennoch gibt es eine Reihe von Handlungen, die es schaffen:

  • Starke und/oder schockartige Krafteinwirkungen. Dazu zählen nicht nur Schläge gegen das Glas, sondern sehr starke Karosseriebewegungen oder -erschütterungen. Insbesondere bei sehr harten Fahrwerken.

  • Urplötzliche Temperaturwechsel. Auch, wenn sie nur Teile einer Scheibe betreffen.

  • Gegenstände, deren Härte groß genug ist, um Glas zu ritzen oder sich regelrecht einzubrennen. Dazu zählen glühende Schweißfunken ebenso wie Steinchen im Putzlappen.

  • UV-Strahlung. Zwar ist Glas selbst dagegen unempfindlich. Aber mitunter(!) kann die Kunststofffolie von Verbundsicherheitsglas dadurch mit der Zeit eintrüben.

Alles andere, selbst gröbste Verschmutzungen, klebrige Rückstände etc. lässt sich mit der richtigen Herangehensweise in Eigenregie wieder beheben. Allerdings gibt es eine Ausnahme von dieser Regel: Glasschäden.

Bei kleinen Steinschlägen und großen Rissen (speziell in der Frontscheibe) können selbst versierte Schrauber gar nichts tun. Hier müssen Profis ran, die mit speziellen Techniken die Sache beheben oder die Scheibe gleich austauschen. Hinsichtlich der Kosten ist das kein Problem – Teil- und Vollkasko übernehmen solche Arbeiten meist komplett. Selbst beim Austausch fällt typischerweise nur die Selbstbeteiligung an.

How-to 1: Scheiben bei Eis und Schnee

Wenn der Wagen im Winter nicht abgedeckt wird, dann ist es zwingend notwendig, vor dem Losfahren alle(!) Scheiben restlos(!) von Eis und Schnee zu befreien.

Absolutes No-Go: Warmes Wasser einsetzen. Das bringt garantiert jede Scheibe zum Reißen.

So geht’s richtig:

1. Scheiben mit einem Kunststoff- oder Gummi-Schaber mit seitlicher Bewegung vom Schnee befreien

2. Falls noch weiterer (Pulver-)Schnee verbleibt, mit einem weichen Handfeger arbeiten, der ausschließlich für diesen Zweck verwendet wird.

3. Vereisungen ausschließlich mit speziellem Spray (Kfz-Zubehör) behandeln. Nach der Einwirkungszeit abkehren oder mit dem Schaber entfernen

4. Vorsichtig mit den Fingern testen, ob sich die Wischerblätter noch anheben lassen. Falls nicht, dort ebenfalls Enteisungsspray applizieren.

5. Gegen das Beschlagen die Klimaanlage so lange laufen lassen, bis der Motor warm genug ist, damit die Heizung ausreichende Wärme produziert.

How-to 2: Scheibenwischer ohne Glasschaden wechseln

Über die Jahrzehnte dürften beim Wischerblatttausch zurückschnappende Scheibenwischerarme schon Millionen von Autoscheiben beschädigt haben. Denn die Federspannung ist ziemlich stark, damit die Blätter in allen Fahrzuständen an die Scheibe gepresst bleiben. Dabei ist es eigentlich ganz einfach

1. Wischerarm mit einer Hand hochklappen

2. Mit der anderen Hand sofort ein dickeres Stück Holz oder Kunststoff dicht beim Scharnier auf die Scheibe legen.

3. Wischerarm ganz langsam zurückgleiten lassen, bis er auf dem Holz aufliegt.

Erst dann sollte das Wischerblatt gelöst werden, denn es besteht keine Gefahr, dass der dann freiliegende Haken des Wischerarms gegen das Glas schlagen kann.

How-to 3: Innen angelaufene Scheiben zuverlässig verhindern und beheben

Vor allem in den kälteren Monaten sind innen beschlagene Scheiben ein dauerhaftes Ärgernis und können die Verkehrssicherheit extrem beeinträchtigen.

Wichtig: Ähnlich wie beim Entfernen von Schnee und Eis sollten alle Scheiben gleichermaßen gesäubert werden.

Grundsätzlich beschlagen schmutzige Scheiben schneller als saubere. Das liegt daran, weil selbst feinste Staubpartikel die Oberfläche vergrößern. Darauf kann sich also mehr Feuchtigkeit niederschlagen. Alle zwei Wochen, bei Rauchern sogar wöchentlich, sollten deshalb wenigstens die Front- und vorderen Seitenscheiben innen geputzt werden (wie es geht, zeigen wir im letzten Kapitel). Dann gilt

1. Feuchtigkeit im Innenraum möglichst dauerhaft binden. Etwa durch Aufstellen eines Töpfchens mit speziellem Granulat (Baumarkt) oder ersatzweise Salz oder Reis.

2. Sofern die Luft draußen trocken ist (es also nicht regnet, neblig oder diesig ist), vor dem Losfahren alle Türen für einige Augenblicke öffnen, damit ein Luftaustausch stattfinden kann. Zudem während der Fahrt die Lüftung auf Frischluftzufuhr schalten.

3. Als erste Maßnahme die Klimaanlage voll aufdrehen und den Luftstrom auf die Scheiben lenken – die Klimaanlage ist in Zweitfunktion ein Lufttrockner. Gibt es in der Mittelkonsole ein „Frontscheibe“-Symbol, dann darauf drücken. Das ist ein spezieller Lüftungsmodus, der die Scheibe optimal trocknet.

4. Sauberes Mikrofasertuch oder Schwamm im Auto bereithalten, aber nur einsetzen, wenn das Lüften nichts bringt (das Putzen erhöht das Risiko für Schlieren, die wiederum Lichtreflexionen hervorrufen können).

How-to 4: Tote Mücken entfernen

Je nach Jahreszeit, Region, Fahrtdauer und Tempo kann die Frontscheibe bei Ankunft ein regelrechter Mückenfriedhof sein. Das Problem daran: Durch den Fahrtwind sind die toten Insekten meist eingetrocknet und haften überraschend hartnäckig am Glas, weshalb oft nicht einmal der Schrubber an einer Tankstelle hilft.

Mit etwas Geduld geht es jedoch völlig ohne Chemie oder Risiken:

1. Die ganze Frontscheibe mit ausgebreitetem, gut durchnässtem Zeitungspapier, Küchenrolle oder Tüchern bedecken (alte Bettlaken eignen sich hervorragend).

2. Falls das Auto notgedrungen in der Sonne stehen muss oder es sehr warm ist, das Material immer wieder befeuchten, damit es nicht austrocknet (Sprühflasche).

3. Nach 10 bis 15 Minuten sollten die Insekten eingeweicht sein. Meist lassen sie sich dann durch etwas Reiben mit dem feuchten Material spurenlos entfernen. Falls nicht hilft ein Stück Strumpfhose, das als Schwamm genutzt wird.

How-to 5: Baumharz, Blütensaft und Kleberreste entfernen

Egal ob man unter dem falschen Baum geparkt hat oder einen alten Sticker loswerden will: Klebrige Überreste können ziemlich hartnäckig sein – wenn man die Sache nicht richtig angeht.

1. Grundsätzlich sollte der erste Versuch stets mit Glasreiniger und einem fusselfreien Tuch erfolgen. Da ersterer Alkohol enthält, kann er verschiedene Verschmutzungen sehr gut lösen. Falls das nicht genügt, geht es folgendermaßen weiter:

2. Gegen Baumharz hilft ein Stück Küchenrolle oder Stoff, das mit etwas Baby- oder Speiseöl getränkt wurde. Harz ist fettlöslich. Scheibe danach unbedingt konventionell reinigen.

3. Bei (eingetrocknetem) Blütensaft bzw. Honigtau hilft Reinigungsknete weiter.

4. Aufkleber werden zunächst sehr vorsichtig mit einem Haarföhn erwärmt. Dann können sie mit einem Ceranfeldschaber oder einer Rasierklinge abgelöst werden (das Metall ist weicher als Glas, kann dieses also bei sorgfältiger Handhabung nicht verkratzen). Sollten Kleberreste verbleiben, dann hilft ein Tuch mit Feuerzeugbenzin.

Für besonders hartnäckige Fälle hält der Kfz-Handel spezielle Aktiv-Scheibenreiniger bereit. Diese sind zwar recht teuer, werden aber dafür wirklich mit sämtlichen Verschmutzungen fertig.

How-to 6: Scheiben professionell putzen

Egal ob Waschstraße, Handwäsche oder „Laissez faire“: Wenigstens die Scheiben sollten in regelmäßigen Abständen sorgfältig geputzt werden, damit stets freie Sicht herrscht. So machen es die Profis:

1. Scheibe außen mit Schwamm oder Reinigungspistole ordentlich einseifen. Etwas einwirken lassen und dann alle Verschmutzungen mechanisch entfernen.

2. Scheiben von oben nach unten mit klarem Wasser abspülen.

3. Verbliebenes Wasser mit einem Gummirakel nach unten abreiben. Dann die Scheibe mit einem Ledertuch gänzlich trockenreiben (Wischerblätter nicht vergessen).

4. Unbedingt im Schatten: Glasreiniger auf mehrere Lagen Küchenrolle sprühen (nicht direkt aufs Glas). Dann nacheinander jede Scheibe erst gründlich schrubben und anschließend mit trockener Küchenrolle abreiben, bis sie streifenfrei ist.

5. Türen öffnen und #4 auf der Innenseite wiederholen. Sollte die Frontscheibe sehr flach stehen, sodass man ganz unten mit den Unterarmen gegen das Glas kommt, etwas mit langen Ärmeln tragen.

Wer sich dann noch die Rückspiegel auf ähnliche Weise vornimmt, der bekommt streifenfreie Sicht.

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