Der rote Rallye Golf 16V Turbo Rentierschlitten

Expresslieferung zu Weihnachten

Der rote Rallye Golf 16V Turbo Rentierschlitten: Expresslieferung zu Weihnachten
Erstellt am 24. Dezember 2015

Im Zuge der Globalisierung käme der Weihnachtsmann mit seinem klassischen Rentierschlitten und Rudolph mit der roten Nase nicht weit. Weltweite Geschenkelieferungen mit immer größer werdenden Paketen, noch dazu müsste man schneller sein als Amazon Prime, das ist mit dem klassischen Fortbewegungsmittel von Santa Claus nicht zu schaffen. 

VW Rallye Golf Komplettaufbau: Keine Schraube blieb unberührt 

Um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden, müsste sich der Mann mit Rauschebart und rotem Kostüm an einen Experten wie Alexander Flügge aus Bad Münder wenden. Alex hat wohl den Prototypen des modernen, benzinbetriebenen Rentierschlitten gebaut. Dabei ging er mit dem Basisfahrzeug nicht gerade zimperlich um.

Striptease: Alex spannte den Golf wie einen Weihnachtsbraten in ein Drehgestell 

Sieben verflixte Jahre stand der Rallye Golf in einem kleinen Dorf draußen herum und oxidierte vor sich hin. Immer wieder fuhr Alex daran vorbei, immer wieder fragte er den Besitzer ob er sich nicht von seinem seltenen Auto trennen mochte – und ihr ahnt sicher, welche Antwort dieser immer wieder parat hatte.

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Vielleicht hätte er einfach nur sieben Jahre früher seinen Trailer mitgebracht. Denn kaum erblickte der Eigentümer des Rallye das Anhänger-Gespann, wurde er aus unerklärlichen Gründen nachgiebig und verkaufte den Wagen an Alexander, der sogleich mit dem Entfernen von einigen Roststellen loslegte.

Kleiner Umbau: 1,8 Liter 16V und 4-Motion als "Update" 

Wie der Zufall es wollte, fiel ihm günstig ein 4-Motion Antriebsstrang eines Golf 4 in die Hände. „4-Motion und G60 passt irgendwie nicht zusammen“, erklärt der Karosseriebauer, „also musste auch ein vernünftiger Motor her.“ Gesagt, getan. Ein 1,8 Liter 16V sollte fortan der flotten Fortbewegung dienen. Von dem Basismotor ist der Vierzylinder inzwischen aber so weit entfernt wie der Mars von der Erde. Der Block wurde nur mit den feinsten Zutaten gefüttert. Wiseco Schmiedekolben etwa, oder Tuscan Pleuel. Die Ventile wurden auf starren Trieb umgebaut.

32,5mm Einlassventile von Supertech öffnen die Pforten in den CNC-gefräsen „Golfball-Kopf“ mit Ventilsitzringen aus Kupfer-Berrylium. Nach der erfolgten Explosion verkrümeln sich die Abgase durch 29,5mm Inconel-Auslassventile ins Freie. Zuvor versetzen sie auf dem Weg ins Freie noch „nebenbei“ den Garrett GTX 30/76 Turbolader in freudige Drehung. Der hängt, wie auch die Einzelfunken-Zündanlage, an einem KMS MD35 Steuergerät, das mit allen erhältlichen und technischen Finessen ausgerüstet wurde, die es gibt. Dank E85-Sprit und 2200ccm-Einspritzventilen ist immer für reichlich Kraftstoffnachschub gesorgt. Eine Blockversteifungsplatte sorgt dafür, dass der Motor bei den gestiegenen Anforderungen nicht platzt. Die Verdichtung liegt bei 8,1:1; die Leistungsausbeute dürfte sich wohl großzügig geschätzt im Bereich oberhalb der 500 PS bewegen.

Rentierschlitten auf Speed: Sicher eingebremst dank Porsche "Anker" 

Damit die ganzen PS auch möglichst in Vortrieb und nicht in jaulendes Gummi umgewandelt werden, verteilt eine Haldex-Kupplung den Dampf an ein Sechsgang 4-Motion Getriebe und von da möglichst flott an die vier Räder. Die Vorderachse ist mit Teilen der Golf 3 Plus-Achse verfeinert worden, die Hinterachse ist auf 4-Motion-Technik umgebaut worden, inklusive Spur- und Sturzverstellung. Eine Sechskolben-Bremse von Porsche mit 334mm Ebc-Scheiben stoppt den Golf an der Vorderachse. Hinten verbeißen sich R32-Sättel in 288er Bremsscheiben. Für die Tieferlegung zeichnet ein H&R Gewindefahrwerk verantwortlich.

Mehr Grip: O.Z.-Felgen mit Yokohama Semislicks 

O.Z. Ultraleggeras in 8x17 Zoll drehen sich im schwarz-matten Finish unter angelegten Kotflügelkanten. Ihre Schultern tragen 205/40er Yokohama Semislicks zur Schau. Der Unterboden glänzt, nachdem er komplett von der alten, spröden Masse befreit wurde, in Wagenfarbe. Alex entschied sich für LP3G, umgangssprachlich auch „Flashrot“ genannt. Die Scheinwerfer erhielten ebenfalls etwas Farbe, allerdings von innen und schwarz. Die Leuchttechnik wurde mittels Touran-Linsen auf den neuesten Stand gebracht.

Mehr Platz für Geschenke: Leergeräumter Innenraum mit Überrollkäfig

Alexanders Golf ist ein echter Racer, das wird auch im Innenraum deutlich. Viel Komfort ist nicht übrig geblieben: Zwei Sparco Schalen halten die Passagiere in Position, die Rennsport-Gurte fixieren Pilot und Beifahrer fest in den Sitzen. Wenn Alex „am Rad dreht“, hält er ein geschüsseltes Wildlederlenkrad in den Händen und reißt am CAE-Shifter durch die Gänge. Statt Dämmstoff und Matten gab es glänzenden Lack auch im Innenraum. Eine Feuerlöschanlage sorgt im hoffentlich nie eintretenden Ernstfall mit ihren sechs Düsen schnell für eine Abkühlung im Motorraum. 

Mehr Flashrot: Der Golf bekam eine Lackdusche, oben wie "untenrum" 

Nach vier Jahren und vielen Tausend Arbeitsstunden war es für Alex eine riesige Erleichterung, den Rallye Golf zum ersten Mal aus eigener Kraft fahren zu sehen. Auf Treffen will sich der VW-Fan damit allerdings nicht zeigen, er möchte seine Maschine einfach nur zum Fahren und Spaß haben benutzen. Obwohl, einmal an den Wörthersee fahren?

Ein wenig juckt das Thema dann doch noch. Und wie geht es weiter? Den Winter will Alexander nutzen um ein paar Feinheiten zu verändern, darunter den Umbau auf eine elektrische Servolenkung. Und Gerüchten zufolge schraubt er nebenbei auch an einem turbogeladenen Rentierschlitten für den Weihnachtsmann. Wenn wir uns diesen turbo-gepowerten Wahnsinns-Golf ansehen, ist das auch kein Wunder.

Denn wenn Amazon Geschenke zukünftig mit Drohnen ausliefern will, ist der Weihnachtsmann garantiert mit 16V-Turbo eine Rentiernasenlänge voraus!

Technische Daten

Fahrzeugtyp: Volkswagen Golf 2 Rallye

Baujahr: 1990

Motor: Umbau auf 1,8 Liter 16V, Garret GTX 30/76 Turbolader, Kennbuchstabe „KR“, „2E“-Kurbelwelle, 2 Liter Hubraum, Wiseco Schmiedekolben, 144mm Tuscan Pleuel, starrer Ventiltrieb, verstellbares Nockenwellenrad, CNC-gefräster Zylinderkopf („Golfball“) mit Kupfer-Berrylium Ventilsitzringen und -führungen, 32,5mm Supertech Einlassventile, 29,5mm Inconel Auslassventile, Verdichtung 8,1:1, Einzelfunken-Zündung, 2200ccm-Einspritzdüsen, KMS MD35 Steuergerät, Eigenbau-Edelstahlauspuff in 76mm Durchmesser, HJS 200-Zeller Kat, ETP Schalldämpfer

Getriebe: 02M 4-Motion-Sechsganggetriebe mit Audi S3 Haldexkupplung

Fahrwerk: H&R Clubsport Gewindefahrwerk, Vorderachse mit Golf 3 „Plus“-Teilen modifiziert, Hinterachse

Bremsen: vorne 6-Kolben Porsche-Bremse mit 334 mm Ebc-Scheiben, hinten 288mm Ebc-Scheiben mit R32 Bremssätteln, Stahlflex-Bremsleitungen, ABS vom Golf 3

Räder: O.Z. Ultraleggera in 8x17 ET35, schwarz-matt

Reifen: Yokohama Semislicks in 205/40 R17

Karosserie: Radlaufkanten angelegt, Unterbodenschutz entfernt, neue Schweller eingeschweißt, Heckwischer und Heckklappenschloss entfernt, Scheinwerfer innen in glanzschwarz teillackiert, Umbau auf Touran Linsen, kompletter Wagen in Flashrot LP3G lackiert

Innenraum: geschüsseltes Wildlederlenkrad mit 340mm Durchmesser, KMS Can-Bus Display mit Haldex Steuerung, CAE Shifter, Sparco Pro 2000 Schalensitze mit Rennsport-Sicherheitsgurten, Innenraum komplett auslackiert, alle Verkleidungen und Teppiche entfernt, Schiebe-Hubdach vom VW Scirocco, OMP Feuerlöschanlage mit sechs Löschdüsen im Motorraum, Gel-Batterie

Dank an: Freundin Julia, NG-Motorsport, Boba Motoring, ADT Adrenalin Tuning, Turbotechnik SeMi, L&S Cartec, ETP Hamburg, Arlows, Autolackiererei Kunkel in Hameln, Grommes, Grille, Husky, Ampel, Akki und alle, die vergessen wurden

 

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