KLASSIK
VW 147: Ein Herz für VW Fridolin
1000 Stunden sind keine Ewigkeit: Die Auferstehung eines Fridolin
Dieses Auto, das heute ausschaut wie neu, war einst ein Wrack! Bei Restaurationen nichts Ungewöhnliches. Erschwerend kommt hinzu, für einen VW Typ 147 gibt es keine Blechteile zu kaufen. Also musste alles – und wir meinen wirklich alles - in Handarbeit neu gefalzt, gedengelt und getrieben werden. Eine Arbeit für einen, der Vater und Mutter erschlagen hat? Nein, für einen, der einen Fridolin liebt……
Das sind bekanntlich nicht viele! Fridolin-Freunde sind selbst in der luftgekühlten Szene dünn gesät und wenn man einen trifft, dann bringt man ihm oft mehr Mitleid als Respekt entgegen. Warum das so ist? Weil diese Menschen Zeit, Mühe und Geld in ein Auto investieren, dass außer ihnen sowieso niemand haben will (Den Autor dieser Zeilen vielleicht mal ausgeschlossen!) Ein Fridolin sieht weder besonders cool noch sexy aus und er rostet so engagiert vor sich hin, dass Zeitgenossen mit feuchter Aussprache oder Schwitzehändchen der Zugang durch die beiden Schiebetüren besser gleich verwehrt wird.
Gut, dass mit dem Rosten konnte die Post, als sie bei VW einen rollenden Stauraum in der Größenordnung “2 Kubikmeter“ für ihre Zusteller in Auftrag gab, natürlich nicht wissen. Das mit dem Bau beauftragte Unternehmen Westfalia hoffentlich auch nicht. Aber die gelieferte Qualität war lax. Folglich sind die wenigen Fridolin, die mit Hilfe von Komponenten aus Käfer, Karmann, Bus und Typ 3 entstanden, still und heimlich weggerostet. Von den 6139 Exemplaren landeten ursprünglich rund 85 % bei der deutschen Bundespost, den Rest teilen sich die Schweizer Post, Lufthansa und die Verlagsgruppe Gruner und Jahr, die dem Fridolin das Logo des „Stern“ auflackierte und ihn sozusagen als außerordentlichen Büroboten einsetzte. Gab es auch Privatkunden? Vau-Max.de wüsste es gern! Übrigens – Fridolin war nie der richtige Name und die Post, soll ihn auch wirklich nie gemocht haben!
Einer aber, der den Fridolin schon immer mochte, ist Gerd Menneken aus dem Münsterland. Mit seinem Freund Heinrich Sprungmann aus Essen absolvierten sie im Käfer gemeinsam Oldtimer-Rallyes. „Eines Tages hab ich dann gesagt, Heinrich, du brauchst ein eigenes Auto!“, erinnert sich Gerd Mennecken, „und dann haben wir überlegt, welches am besten passt!“ Als erstes wurde ein T1 in Betracht gezogen, dann aber keimte die Idee Fridolin auf. „Da ich den Wagen restaurieren wollte, erschien mir der Fridolin geeigneter als ein T1, bei dem man die Karosse nicht von der Bodengruppe trennen kann. Das hätte wohl einige Platzprobleme gegeben. Und der Fridolin ließ sich – wie ein T1 – als idealer Botschafter für den VW Betrieb von Heinrich Sprungmann verwenden!"
Schweller aus Beton!
Was beide zu diesem Zeitpunkt aber nicht wussten, die Tatsache, dass man beim Fridolin Bodengruppe und Häuschen trennen kann, lässt keine Schlüsse auf die Weiterverarbeitung zu. „Wir haben das dann sehr schnell gemerkt als wir uns auf die Suche begeben haben. Da haben wir Exemplare entdeckt, bei denen Teile der Schweller mit Beton ausgegossen waren!“ Bei dem Auto, das sie dann 2004 gekauft haben, war sogar das Dach durchgerostet. Den hatten die beiden aus einem Schuppen im Mülheimer Hafen gezogen, wo er seit seiner Abmeldung am 10.12.79 vor sich hin dümpelte. Offensichtlich tropfte da über die Jahre hinweg das Wasser immer auf die gleiche Stelle im Dach, bis das dann durchgerostet war.
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Kommentare: 3
Aktualisiert: Freitag, 07. November 2008
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bullileinchen » Lila aus Stuttgart (29)
ich finds super, das auch mal Raritäten vorgestellt werden. Obendrein witzig geschrieben! Weiter so!
lufty » Manfred aus Hannover (33)
Zugegeben, kein schlechter Bericht, aber nach VW do Brasil, 181, den abgedrehtesten Käfern wäre ein bericht über einen normalen Käfer auch mal ganz nett gewesen!
Kaeferpeter » Peter aus Bad Erlach (30)
Wieder einmal ein sehr interessanter Artikel, über ein besonderes, seltenes Auto.
Der Fridolin bzw. Typ 147 ist meiner Meinung nach wie der Typ 4 entweder er gefällt einen oder man weiß damit nichts anzufangen. Ich bin für für ersteres.
Ein sehr schöner luftgekühlter VW!
Nicht zu vergessen der tolle Westfalia-Anhänger.