"Null Liter auf 100 Kilometer"

Die Volkswagen e-Auto Historie

"Null Liter auf 100 Kilometer": Die Volkswagen e-Auto Historie
Erstellt am 21. November 2018

Mit den ID.-Modellen setzt Volkswagen seine Flotte ab 2020 flächendeckend unter Strom. Dabei reicht die Historie der VW e-Autos weiter zurück als man denkt. Denn bereits in den frühen 1970er-Jahren begann bei Volkswagen die Forschung an rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Als der „Elektro-Transporter" vor 40 Jahren als erstes öffentlich bestellbares elektrisches Serienmodell von Volkswagen auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) Premiere feiert, sorgt er beim Publikum für Staunen und anerkennend hochgezogene Augenbrauen.

„Null Liter auf 100 Kilometer". Der Slogan, mit dem dieser besondere Volkswagen T2 bei seiner Messepremiere 1977 beworben wird, ist verheißungsvoll und trifft den Puls der Zeit. Denn: Kraftstoff ist in diesen Tagen ein teures und knappes Gut – und der VW Elektro-Pionier seiner Zeit und den meisten Wettbewerbern weit voraus. Während andere allenfalls hinter verschlossenen Türen mit alternativen Antrieben experimentieren, bringt Volkswagen Elektromobilität bereits in Serie und auf die Straße – beispielsweise in Form des insgesamt 120 Mal gebauten „Elektro-Transporters" T2. Seine bis heute beachtliche Reichweite von 50 bis 80 Kilometern und eine elektrische Dauerleistung von 16 kW / 22 PS lassen ihn für den städtischen Lieferverkehr prädestiniert erscheinen.

  Technisch betrachtet, liefert der T2 „Bulli" die optimale Basis für den e-Antrieb. Er bietet ausreichend Platz für die seinerzeit noch voluminöse und schwergewichtige Speichertechnik. „Die 850 Kilogramm schweren Blei-Säure-Batterien passten perfekt unter die T2-Ladepritsche und konnten mit Hilfe eines Gabelstaplers herausgenommen werden", erinnern sich ehemalige Mitarbeiter der 1970 gegründeten Abteilung Zukunftsforschung, die mit der Entwicklung und Erprobung alternativer Antriebe beauftragt waren.

Elektro-Golf I: der Impulsgeber

Doch die Volkswagen Forschung stellt nicht nur alternativ angetriebene Transporter auf die Räder. Sie liefert auch der Pkw-Bereich neue Ideen und emissionslose Antriebskonzepte. Kompetenz auf diesem Gebiet stellt Volkswagen 1976 mit dem Elektro-Golf I unter Beweis. Ein 20 kW / 27 PS leistender Gleichstrommotor, der kurzerhand ans serienmäßige Vierganggetriebe angeflanscht wird, ersetzt dabei den sonst üblichen Vierzylinderbenziner 75 PS. „Ich fahre elektrisch" verrät eine Aufschrift das Geheimnis des strombetriebenen Golf I, der seinen verbrennungsmotorisierten Modellgeschwistern ansonsten zum Verwechseln ähnlich sieht.

Die Blei-Säure-Batterien, die die nötige Energie liefern, finden im Kofferraumboden Platz. Auch über die Ladeinfrastruktur, ein bis heute viel diskutiertes Thema, macht man sich schon damals intensiv Gedanken. Die Idee: Öffentliche Ladestationen sollen in Parkuhren integriert werden, eine Stunde Nachladen und Parken auf exklusiv für E-Autos reservierten Stellplätzen 50 Pfennig kosten. Der elektrisch angetriebene Golf bleibt zunächst ein Unikat. 1981 gehen dann anfänglich 20 VW Golf I CitySTROMer zu Testzwecken an den Energieversorger RWE. Insgesamt werden 25 Fahrzeuge als Kleinstserie gebaut, die mit rund 60 Kilometern Reichweite zu den ersten alltagstauglichen Elektrofahrzeugen mit vier vollwertigen Sitzen gehören. Mit Nachladung sind 100 Kilometer am Tag möglich. Bis 1986 dient der Elektro-Golf der ersten Stunde als Versuchsfahrzeug, in dem unterschiedliche Batteriekonfigurationen und Elektromotoren getestet werden.

Der Golf als Technik- und Hoffnungsträger

Auch in den folgenden Modellgenerationen bleibt der Golf in Sachen E-Mobilität Versuchs- und Technikträger Nummer eins für Volkswagen. Das zeigt unter anderem der 23 kW / 31 PS leistende und bis zu 100 km/h schnelle CitySTROMer von 1985 auf Golf II-Basis. In einer Kleinserie von 70 Exemplaren gefertigt, dient er ebenfalls Feldversuchen. Sogar Renneinsätze im „Grand Prix Formel E" werden mit einer modifizierten Version des Elektroautos erfolgreich absolviert.

Weitere Meilensteine folgen: Dazu zählt 1993 der gemeinsam mit Siemens entwickelte Golf III CitySTROMer, der erstmals mit Dreh- statt Gleichstrommotor ausgeliefert wird. Er ist der erste Serien-Elektro-Pkw von Volkswagen, der in den freien Verkauf kommt. Auf Stadtfahrten bei konstanten 50 km/h sind damit bereits Reichweiten von bis zu 90 Kilometern möglich – ein für den damaligen Stand der Technik beachtlicher Wert. Insbesondere angesichts der 300 Kilogramm Mehrgewicht der Blei-Gel-Batterieblöcke, deren Kapazität sich auf nunmehr 180 Ah erhöht hat. Das Aufladen der Akkus auf 80 Prozent ihrer Kapazität dauert gerade einmal anderthalb Stunden.

Doch die Speichertechnik ist zu dieser Zeit eine Nischenanwendung und entsprechend kostspielig: Mit einem Verkaufspreis von 49.500 D-Mark ist der Golf III CitySTROMer mehr als doppelt so teurer wie ein vergleichbar ausgestatteter Golf III mit Verbrennungsmotor (ab 19.975 D-Mark). Zwischen 1992 und 1996 werden letztlich nur 120 Exemplare des Elektromodells ausgeliefert. Die CitySTROMer der dritten Generation erreichen zudem aufgrund der zwischenzeitlich erzielten Entwicklungssprünge bei Batterie- und Ladetechnik nicht den Wirkungsgrad heutiger E-Mobile. Dafür sind bereits Innovationen im Fahrzeug, die heutzutage branchenweit Standard sind - wie das damals schon erfolgreich in Serie eingesetzte System zur Bremsenergierückgewinnung (Rekuperation).

2010: Die nächste Generation – Golf VI Blue-e-Motion

Einen wahren Quantensprung in puncto Reichweite und Fahrleistungen markierte der Golf Blue-e-Motion, der 2010 auf dem Berliner E-Mobilitätsgipfel präsentiert wurde. Das Fahrzeug basierte auf der sechsten Generation des Volkswagen Golf und wurde als Vorserie im Flottenversuch erprobt. Verglichen mit seinen elektrischen Vorgängern symbolisierte der Blue-e-Motion den Beginn einer neuen Ära emissionsfreien Fahrens bei VW. Mit modernster Lithium-Ionen-Technik, einem Rekuperationsmodus mit Bremsenergie-Rückgewinnung, drei verschiedenen Fahrprofilen zur Regelung von Dynamik und Reichweite sowie einem Schnellladesystem mittels Starkstrom nahm dieser Prototyp bereits viele innovative Features vorweg, die später mit dem Modellstart des aktuellen e-Golf in Serie gingen.

2013: Zero Emission in Serie – e-Golf

Der e-Golf auf Basis des Golf VII ist das erste in Großserie produzierte Volkswagen Modell mit rein elektrischem Antrieb. Sein Synchron-Elektromotor liefert 270 Newtonmeter Drehmoment. Die Lithium-Ionen-Batterie ist wie das Antriebssystem eine Eigenentwicklung und platzsparend im Fahrzeugboden untergebracht. An einer Ladestation mit CCS (Combined Charging System) kann der Energiespeicher in nur 20 Minuten auf 80 Prozent seiner Kapazität aufgeladen werden. Mit der Modellpflege des Golf VII wurde auch der e-Golf überarbeitet: Seine Reichweite beträgt nun bis zu 300 Kilometer, die Leistung des E-Motors stieg auf 100 kW / 136 PS. Auch Drehmoment und Beschleunigungswerte konnten weiter verbessert werden.

2020: Das neue Zeitalter – die ID. Familie

Mit der ID. Familie startet Volkswagen in ein neues automobiles Zeitalter: Erstmals bringt die Marke eine Modellfamilie auf die Straße. Ab 2020 kommen die voll elektrischen, voll vernetzten Fahrzeuge auf die Straße. Die ganze Faszination der Elektromobilität zeigt der ID. R Pikes Peak. Der eigens für das berühmte Bergrennen Pikes Peak International Hill Climb entwickelte Rennwagen hat im Sommer 2018 einen neuen Allzeit-Rekord aufgestellt und war damit sogar schneller als die klassischen Rennwagen mit Verbrennungsmotor.

 

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