Der Zwitter – 1952er VW Käfer

Vintage Speed Tuning am Brezelkrabbler

Der Zwitter – 1952er VW Käfer: Vintage Speed Tuning am Brezelkrabbler
Erstellt am 25. November 2009

Wenn wir von einem „Zwitter“ sprechen, meinen wir in der Regel Lebensformen mit beiden biologischen Geschlechtern oder etwas allgemein vermischtes, gern auch als Fabelwesen. Spricht der Volkswagenfan von Zwittern, so ist damit ein ganz besonderes Käfermodell gemeint.

In der Übergangszeit von Oktober 1952 bis März 1953 gebaute Modelle des Wolfsburger Krabbeltiers besitzen zwar noch den Mittelsteg der Brezelfensterfahrzeuge, sind technisch gesehen jedoch auf dem Stand der neueren Baureihe. Am 10.03.1953 entfiel der Mittelsteg beim Heckfenster; die Geburt des „Ovali“.

Hoch im Norden

Die Hinterachsfelgen wurden auf 5,5 Zoll aufgeschweisst.



Genau so bewegend wie die gesamte Käfer-Historie gestaltet sich auch die Geschichte um diesen blauen 52er. Im November besagten Jahres gebaut, wurde das ursprünglich kastanienbraune 30PS Gefährt nach Schweden exportiert. 1958 wurde der Käfer in den Blauton umgespritzt, den er noch bis heute besitzt. Zwischenzeitlich nach Norwegen verkauft, zog es der einstige Besitzer vor, den Wagen in einer Scheune einzulagern.

2006 wurde Vegard Foseid, leidenschaftlicher Schrauber an luftgekühlten Volkswagen und Mitglied des norwegischen „Sechs Volt“ Clubs auf den Scheunenfund aufmerksam. Er erkannte das enorme Potential des 52ers und zog ihn auf einem Anhänger in die Halle, die er sich mit seinen Clubkollegen teilt.

Der Rost war ihm sicher

„Vintage Speed“ nennt sich der rauhe Racingstyle mit 50er Jahre Feeling.



Die erste Bestandsaufnahme erfolgte zügig, schliesslich galt es, den Wagen bis zum über die Landesgrenzen hinaus bekannten Käfertreffen in Hessisch Oldendorf 2009 wieder fit zu machen. So gut der Wagen äusserlich aussah, unter der relativ robusten Hülle lauerte erwartungsgemäss das braune Grauen in Form von hässlichen pestbraunen Rostnestern auf unseren norwegischen VW-Fan.

Da half nur eines: Grosszügiges Trennen vergammelter und intakter Blechpartien, Aufbohren zahlloser Schweisspunkte und eine umfangreiche Restauration. Die Bodengruppe war unrettbar vergammelt. Trotz der umfangreichen Arbeiten wollte Vegard auf keinen Fall den authentischen Look der 50er Jahre opfern. Vielmehr sollte der Käfer ein weiterer Vertreter der Stilrichtung „Vintage Speed“ werden. Wie eine Zeitreise um ein halbes Jahrhundert in die Vergangenheit. Auf Stossstangen verzichtete man rundum.

Vorne fand ein verchromtes Pärchen Bosch Hupen seinen Weg an die Karosserie. Der Käfer rollt auf historisch korrekten Firestone Diagonalreifen in der Dimension 5.60-15 / 6.40-15 (entspricht einer Reifenbreite von 142, bzw. 163mm umgerechnet aufs metrische System), welche auf originalen Stahlfelgen aufgezogen sind. Hinterachsseitig wurden die Felgen auf fünfeinhalb Zoll Breite aufgeschweisst. Die Antriebsachse erscheint durch die massige Bereifung höhergelegt und unterstreicht so den Racinglook.

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Grüß´ die Bandscheiben!

Auf diesen Sitzen fuhren Vegard und sein Beifahrer 1100 Kilometer aus Norwegen bis nach Hessisch Oldendorf.



Der Innenraum ist Racing pur. Ausser der Tatsache, dass ausschliesslich Zusatzinstrumente im Originallook verbaut wurden und dass keinerlei Dämmmaterial oder Teppiche den ungefilterten Fahrspass trüben, verblüfft Vegard (der übrigens auf den Spitznamen „Knechten“ hört) mit seiner höchst eigenen Interpretation spartanischer Sitzkunst.

Okay, die Kissen sind ein Zugeständnis an schmerzende Pobacken – die Rückenlehnen aus passend gebogenen Alublechen sind es eindeutig nicht! Eine Probefahrt im blauen „Zwitter“ bestätigte unseren Eindruck: Entweder die Norweger sind wirklich so hart im Nehmen oder sie konsumieren Schmerztabletten wie Smarties.

Das Interieur ist weitgehend im „Scheunen-Originalzustand“. Oder wie es der Besitzer nicht passender hätte formulieren können: „You can almost smell the fifties!“. Das können wir absolut bestätigen!

Der Skorpion sticht zu

Der absolute Hingucker an diesem Käfer ist jedoch ein Detail, welches erst bei geöffneter Motorklappe zum Vorschein kommt. Vegard konnte ein superseltenes Abarth Vergaserkit für den 30PS-Motor ergattern. Ja, genau die Firma Abarth mit dem Skorpion als Markenzeichen; bekannt für die Umbauten an Fiat Fahrzeugen.

Zum Abarth Vergaserkit gibt es so gut wie keine Unterlagen mehr.



Von dem Umbaukit existieren in ganz Europa wohl nur noch zwei Stück, Unterlagen sind natürlich keine mehr vorhanden und ebenso wenig gab es zum Glückskauf eine Anleitung zum Einstellen.

Vegards Arbeiten beschränkten sich daher auf das behutsame Zerlegen und Reinigen aller Komponenten. Nach dem Zusammenstecken vermag man über eine Leistungssteigerung nur vage spekulieren. Spürbar ist jedoch der Zuwachs an Drehmoment, was besonders bei Steigungen zum Tragen kommt.

Vegard legt grossen Wert darauf, dass der Wagen technisch hundertprozentig intakt ist, trotz oberflächlicher Patina. Als Beweis legte er zusammen mit seinen Clubkollegen den 1100-Kilometer-Trip von Norwegen nach Hessisch Oldendorf auf eigener Achse zurück. Nach dem Treffen gings natürlich wieder zurück gen Norden. Die sind wirklich hart im Nehmen, die Norweger. Alter Schwede!



Text & Fotos: Igor Vucinic



P.S.: Die „Sechs Volt“ Crew hat einen eigenen Blog: http://outlavws.blogspot.com

Mehr luftgekühltes gibt´s hier!

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VAU-MAX kompakt

Fahrzeugtyp: VW Käfer, Brezelfenster, Typ 11

Baujahr: 11/1952

Motor: 30 PS, original, zerlegt und gewartet, Abarth Vergaserkit

Getriebe: Serie, Export, teilsynchronisiert

Bremsen: vorne Trommeln vom 65er T1, hinten T3 Bremsen

Räder: originale Stahlfelgen mit nachträglich gebohrten Belüftungslöchern

Reifen: Firestone 15 Zoll Diagonalreifen vorne in 5.60 Zoll Breite, hinten in 6.40

Fahrwerk: original

Karosserie: Scheunenfund, restauriert und teilweise mit selbstgefertigten Teilen wieder instand gesetzt, keine Stossstangen, verchromte Bosch Hupen, Scheinwerfergitter, Herzchenrückleuchten, grösstenteils 1958er Lack, neulackierte Teile optisch auf „alt“ getrimmt

Innenraum: weitgehend unrestauriert, Custom Sitze mit Alublech-Lehne im Racing-Style, Hurst Shifter, keine Teppiche oder Dämmung

Dank an: meine Familie und die Freunde vom Sechs Volt Club

71 Bilder Fotostrecke | Der Zwitter – 1952er VW Käfer: Vintage Speed Tuning am Brezelkrabbler #01 #02

2 Kommentare

  • lufty

    Lufty

    Wenn man soviel Geld und Zeit in einen Käfer investiert, dann kann man doch auch das Blech restaurieren. Ich versteh sowas nicht? :-(
  • thomas1

    Thomas1

    Super Auto! Großartig gebaut. Ein echter Classic-Racer! Fünf Sterne!!!!!!! Schade, dass andere Luftgekühlte offensichtlich gar nicht erkennen, was hier gezeigt wird! Oder es fehlt vielleicht einfach auch der Wille mal respekt zu zeigen!

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