KLASSIK
40 Jahre VW Porsche 914
Mittelmotor, Klappscheinwerfer und heikle Strassenlage - das verkannte Genie aus gutem Haus
Du sitzt mit dem Hintern fast auf dem Boden, hast erstaunlich viel Platz und Beinfreiheit und anstelle eines Profils scheint Klebstoff dein Auto auf dem Asphalt zu halten – allerdings nur bis zu einer bestimmten Grenze! Nach vorn geht’s ebenfalls ganz ordentlich! Und dennoch - ein geliebtes Kind war der VW-Porsche 914 nie. Im Grunde zu Unrecht!
Denn wenn es um Fahrdynamik geht, dann war der mit damals topmodernen Klappscheinwerfern ausgerüstete Zweisitzer beispielsweise einem Porsche 911 deutlich überlegen. Schließlich gab es da ja auch so etwas wie einen 914/6 oder auch den 916. Dann tobte hinter den Sitzen des Mittelmotor-Sportwagens nicht etwa ein Typ-4 Flachboxer, der sonst auch im 411/412 werkelte, oder auch im VW Bus T2, sondern ein waschechter Porsche 6-Zylinder aus dem 911 Und der hatte dann mit dem VW-Porsche leichtes Spiel.
Porsche-Gene inklusive!
Porsche-Fahrer interessiert sich für VW-Porsche-Fahrerin! Im wahren Leben juckte der VW-Porsche die 911er-Hardliner nur wenig!
Wer sich nicht mit der Frage abquälen wollte „Wie krieg ich da die Kerzen rein-und-raus?“, hatte eine für damalige Verhältnisse sensationelle Fahrmaschine im Haus. Einziges fahrdynamisches Manko: wenn denn mal der Haftbereich abriss, dann war Holland in Not. Denn den 914/916 fingst du dann nicht mehr ein. Aber, dieses Problem hatten damals andere Autos auch, nur fuhren die schon viel früher beschissen. Und die vergleichbaren 911er kämpften mit einer Neigung zum Übersteuern – speziell bei Lastwechseln. Unterm Strich deklassierte ein 914/6 jeden 911 T – was den Porsche-Freund auch nicht dazu bewog, einen VW-Porsche ins Herz zu schließen!
Wer rast, der rostet
Kühner Vergleich: VW-Porsche 914 1.7 (1970) neben einem Porsche 917 Kurzheck auf der Rennsprecke Spa-Franchorchamps
Zu seinen in die Wiege gelegten Talente zum gepflegten Rasen, kamen leider auch die zum ungehemmten Rosten nach niedersächsischer Hausmannsart. Der bei Karmann in Osnabrück gefertigte VW-Porsche 914 knisterte und knusperte sich von Stunde Null an durch sein eigenes Blech. So sehr, dass seine Fan-Gemeinde schon eine ziemliche ausgeprägte Leidensfähigkeit mitbringen musste – oder solide Schweißerkentnisse. Ausgerechnet der innovative Targabügel – oftmals schick mit schwarzem Vinyl verkleidet – erwies sich oft als letztlich tödlicher Rostherd. Dabei war die Idee des schnell zu öffnenden Targa-Dachs im Grunde genial.
Doch der Rost war nicht hauptverantwortlich für das gestörte Verhältnis zum VW-Porsche. Gerostet haben frühe 911/012 er auch! Die Gründe für den wahren Image-Knick sind andere. Vielleicht lag es an dem wenig schmeichelhaften Kosenamen „VoPo“ , der assoziativ an den Volkspolizisten „von drüben“ erinnerte. Vopo-Fahrer sagten so etwas jedenfalls nie zu ihrem Auto – das waren immer die anderen!
Das Imageproblem
Am Imageproblem ist diese junge Körper-Künstlerin völlig unschuldig, vielmehr bildet sie mit ihren Kurven einen reizvollen Gegensatz zum kantigen Design des Tapiro, der von Giorgetto Giugiaro (Ital Design) 1970 auf die Basis eines 914-6 geschneidert wurde.
1966 kamen Ferry Porsche und VW-Chef Heinrich Nordhoff überein, im Rahmen einer Kooperation den VW-Porsche zu bauen. Porsche freute sich über einen Entwicklungsauftrag von VW, der dem Unternehmen die Chance bot, die Modellpalette – nach unten – zu erweitern, und VW einen preiswerten Mittelmotorsportwagen ins Programm spülte. Eigentlich eine gute Idee! Doch das Zusammenspiel von VW-Großserientechnik und Porsche-Sportwagen-Manufaktur sollte elegant in die Hose gehen.
Das größte Problem des 914 waren vermutlich seine ersten zwei Buchstaben. Denn die Porsche-Gemeinschaft, aufgestiegen vom „käfernahen“ 356 zum 911, wurde beim VW-Porsche relativ uncharmant daran erinnert, wo die Wurzeln lagen. Hinzu kam, dass das Volkswagen-Programm jener Tage deutlich lahmte und in Sachen Image nur wenig Dynamik vermittelte! Und wenn dann der 914 noch mit den gleichen Radkappen ausgeliefert wurde, die auch ein Käfer 1300 oder ein Bulli spazieren wurden, dann ist das mit „unsexy“ wirklich noch wohlwollend beschrieben. Warum sich der VW-Kunde allerdings nicht wirklich mit einer Prise Porsche anfreunden konnte – vermutlich war er einfach nicht so weit!
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Aktualisiert: Mittwoch, 12. August 2009
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